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Kultur

Mel Gibson im Kreuzfeuer der Kritik

Mel Gibson muss sich wegen Trunkenheit am Steuer vor Gericht verantworten, nicht aber wegen seinen antisemitischen Äußerungen. Aber genau die könnten für ihn das Aus in Hollywood bedeuten.

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Polizeifoto von Mel Gibson

Hollywood-Stars können sich bekanntlich fast alles erlauben. Oft steigert sich durch schlechtes Benehmen sogar der Marktwert der Promis. Deshalb hätte sich Mel Gibson eigentlich keine Sorgen machen müssen, als er letzte Woche betrunken Auto fuhr. Wären da nicht seine antisemitischen Beleidigungen gegenüber der Polizei gewesen.

Laut Polizeibericht beschimpfte er einen Beamten als "Drecksjuden" und behauptete, die Juden seien verantwortlich für alle Kriege dieser Welt. Nach seiner Entlassung in der Ausnüchterungszelle entschuldigte er sich für seine verbalen Aussetzer. "Ich möchte mich bei jedem Einzelnen in der jüdischen Gemeinde für die hässlichen und schändlichen Worte entschuldigen, die ich zu dem Beamten in der Nacht meiner Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer gesagt habe", sagte der Schauspieler und Regisseur am Dienstag.

Gefundenes Fressen für die Presse

Doch wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das erledigt die Presse für ihn: "Sorry", schrieb eine Kommentatorin der Washington Post, "aber ich nehme ihm einfach nicht ab, dass ein kleiner Tequila oder auch eine Menge Tequila einen unvoreingenommen Menschen in einen Antisemiten oder Rassisten oder Homoseuellen-Hasser oder sonst einen Eiferer verwandelt."

Passion Christi, Kinofilm

Der Kinofilm "Die Passion Christi"

Die Vorwürfe, Gibson sei ein Antisemit, sind nicht neu. Kritiker hatten den Regisseur schon vor zwei Jahren beschuldigt, mit seinem Kino-Film "Die Passion Christi" das uralte Vorurteil von den Juden als Christus-Mörder wiederaufleben zu lassen.

Erste Absagen

Die beruflichen Folgen seiner Äußerungen bekommt Mel Gibson, bekannt durch Filme wie "Braveheart", "Lethal Weapon" und "Mad Max", schon jetzt zu spüren. Der Fernsehsender ABC veröffentlichte eine Erklärung, dass eine mit Gibson vereinbarte Serie über den Holocaust abgesagt wurde. Ein Sprecher von ABC wollte sich nicht dazu äußern, ob die Entscheidung des Senders mit seinen Äußerungen im Zusammenhang stehe. ABC erklärte lediglich, man habe seit fast zwei Jahren noch nicht einmal einen Entwurf für das Drehbuch gesehen - deshalb sei das Projekt beendet worden.

Die jüdische Organisation "Liga gegen Verleumdung" rief die Filmindustrie gar zu einem Boykott Gibsons auf. Ihr Direktor, Michael Foxmann sagte, der Schauspieler dürfe mit derart aufrührerischen Äußerungen nicht einfach so davonkommen. "Menschen in der Unterhaltungsindustrie, ob Juden oder nicht, müssen verstehen, was auf dem Spiel steht, ihn professionell meiden und sich weigern, mit ihm zusammenzuarbeiten."

Reue und Entzug

Mel Gibson, bekennender Katholik und Vater von sieben Kindern, geht deshalb jetzt in die Offensive. Er gab zu, ein Alkoholproblem zu haben und bat die jüdische Gemeinde um Hilfe bei seinem Entzug. Er schlug ein Treffen mit der jüdischen Gemeine vor, um "in Einzeldiskussionen geeignete Wege für eine Heilung zu finden. Ich weiß, dass viele nichts mit mir zu tun haben wollen, und das ist verständlich. Aber ich bete, dass die Tür nicht für immer verschlossen ist." (sf)

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