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Bücher

Meister der leisen Prosa

Der österreichische Autor Walter Kappacher erhält den Georg-Büchner-Preis 2009 für sein Lebenswerk. Von Kritikern hoch gelobt, wurde Kappachers Prosa vom Lesepublikum bisher aber wenig beachtet. Das soll sich nun ändern.

Walter Kappacher (Foto: Lukas Beck)

Walter Kappacher freut sich über die Auszeichnung

Die große Werbetrommel hat er für seine Bücher nie gerührt. Im Gegenteil, die laute Selbstdarstellung ist Walter Kappacher fremd. "Auch wenn er spricht", hat Schriftstellerkollege Martin Walser einmal über ihn gesagt, "sieht er aus wie einer, der schweigt." Zurückgezogen lebt der 70-jährige Österreicher in Obertrum bei Salzburg, wo er, wie er selbst sagt, am liebsten "drei überaus stillen Tätigkeiten" nachgeht: schreiben, fotografieren und schweigen. Auch wenn Kappacher keine großen Worte macht, bringt er sie doch zu Papier. Unaufgeregt und leise.

Der Autor sei "ein Seltener", betont Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung im Interview mit der Deutschen Welle. "Seines Gleichen gibt es nicht in der Gegenwartsliteratur." Denn Kappacher stehe quer zu einer "lauten und schnellen Zeit". Die Deutsche Akademie fand den "Sog der Stille", der aus seinen Büchern ausgeht, so "faszinierend", dass sie den Schriftsteller nun mit der wichtigsten deutschen Literaturauszeichnung ehrt, dem mit 40.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2009.

Auf der Suche nach einem erfüllten Leben

Buchcover 'Morgen'

1975 erschien der Roman "Morgen"

Auch Kappacher gibt zu, dass seine Bücher "dem heutigen Lebensgefühl entgegen stehen". Aber darum, was Mode ist, habe er sich nie gekümmert, betont er. Ihn faszinieren die leisen Geschichten von Menschen auf der Suche nach einem erfüllten Leben. Immer wieder schildert der 1938 in Salzburg geborene Autor Menschen, die die "Leerläufe" in ihrem Dasein viel zu lange ertragen haben, Menschen, die sich selbst auf den Prüfstand stellen. So wie der Büroangestellte Winkler, der in Kappachers Roman "Morgen" seine Arbeitsstelle kündigt, weil er den Büroalltag nicht mehr aushalten kann.

Auch der Schriftsteller ist beruflich immer wieder zu neuen Ufern aufgebrochen. So machte er nach der Schule zunächst eine Lehre als Motorradmechaniker, weil er fasziniert vom Rennsport war. Nach seinem Militärdienst begann er 1960 ein Schauspielstudium in Gauting bei München. Ein Jahr später wechselte er erneut den Berufszweig und ließ sich zum Reisebüro-Kaufmann ausbilden. Ein "Brotberuf", aus dem er im Alter von vierzig Jahren wieder ausstieg, um sich ganz der Literatur widmen zu können. "Ich hatte nie etwas zu tun mit der Germanistik", sagt Kappacher ein wenig stolz. "Ich war halt ein Amateur. Und das bin ich wahrscheinlich auch heute noch."

Seine Literatur war lange ein Geheimtipp

Buchcover 'Selina'

Literarischer Durchbruch mit "Selina"

Die Karriere als Autor begann der Österreicher 1967 mit der Veröffentlichung von Kurzgeschichten. Erst 1975 folgte mit "Morgen" sein erster Roman. Viele Jahre blieb Kappacher ein Geheimtipp in der österreichischen Literaturszene. Daran änderte auch seine Auszeichnung mit dem renommierten Hermann-Lenz-Preis im Jahr 2004 nichts. Größere Beachtung erfuhr der Schriftsteller erst 2005 mit der Veröffentlichung seines Romans "Selina oder das andere Leben". Die im italienischen Alltag der achtziger Jahre angesiedelte Geschichte über einen jungen Lehrer, der ein Sabbatjahr damit verbringt, in der Toskana einen verfallenen Bauernhof zu renovieren und dabei in der Einsamkeit zu philosophieren, begeisterte die Feuilletons in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Buchcover 'Der Fliegenpalast'

Jüngster Roman Kappachers

Von der Euphorie ließ sich Kappacher nicht anstecken. Bescheiden und still blieb er. Auf seine von Kritikern hoch gelobte Literatur angesprochen, sagte der Autor einmal, es gehe ihm nicht darum, mit seinem Lebenswerk "Wesentliches" zu schaffen. Er habe nur einen Wunsch: "Ich würde gerne eine Reihe von schönen Sätzen zusammenbringen." Das ist ihm nach Ansicht der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung meisterhaft gelungen. Dafür verleiht sie Kappacher auf ihrer Herbsttagung am 31. Oktober in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis.

Autorin: Sabine Damaschke
Redaktion: Gabriela Schaaf

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