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Mein deutsch-litauisches Weihnachten

Erlebte Weihnachtsgeschichten: DW-Mitarbeiter aus aller Welt erzählen ihre persönlichen Geschichten zu Weihnachten. Heute: Von Hering und Fleisch.

Vytenė Stašaitytė, Journalistin aus Litauen, verbrachte mit einem Austauschprogramm des Goethe Instituts drei Wochen bei der Deutschen Welle. Sie ist 29 Jahre alt und lebt in Vilnius, geboren ist sie in Kaunas. Mit verschiedenen Stipendien war sie öfter in Deutschland.

Ich lebe zwar nicht in Deutschland, bin aber öfter zum Austausch hier und habe einen deutschen Freund. Deshalb verbringe ich schon ziemlich viel Zeit in Deutschland und weiß, wie die Deutschen Weihnachten feiern. Ich freue mich sehr auf das Weihnachtsfest in Hamburg bei der Familie meines Freundes. Das Abendessen ist total anders als bei uns: Am Heiligen Abend geht bei uns nichts ohne den großen Tisch mit sehr viel Essen. Die Tradition besagt: Es müssen mindestens zwölf Gerichte sein, davon auch mindestens ein Heringsgericht.

Katholische Weihnacht in Litauen

Tradition und Familie haben in Litauen einen sehr hohen Stellenwert. Und in Litauen sind fast alle katholisch, das heißt, dass man Weihnachten und Ostern in die Kirche geht. Ich gehe meistens am ersten Weihnachtstag, aber viele Menschen in Litauen besuchen die Christmette. Was aber ganz wichtig und ein großer Unterschied zu Deutschland ist: Wir essen kein Fleisch am Heiligen Abend. Das ist ein absolutes Tabu und hat mit der alten katholischen Vorstellung vom Leib Christi zu tun. Aber dafür darf man nach Mitternacht Alkohol trinken und Süßigkeiten essen.

In Hamburg habe ich dann aber Heiligabend auch Fleisch-Fondue gegessen, ich bin ja nicht so tief gläubig. Der erste Weihnachtstag war ganz ruhig, doch am zweiten Weihnachtstag gab es wieder ein Familientreffen und eine Gans wurde gebraten.

Litauische Weihnachtsspezialitäten

An Weihnachten gibt es bei uns ein Gebäck, das heißt "Kūčiukai". Das wird ohne Butter gemacht, ist nicht so süß und ziemlich hart. Man macht auch so eine Art Dessertsuppe aus Mohn und Wasser und dann noch "Kissel". Das ist ein Fruchtgetränk, das mit Kartoffelstärke und Kartoffelpulver angedickt wird. Man kann das warm oder kalt trinken. Und dann natürlich Moosbeeren, die sind typisch bei uns. Eine besondere Spezialität sind Oblaten, so groß wie Adventskarten mit schönen Bildern darauf, also z. B. mit den Hirten oder dem kleinen Jesus im Stroh. Man kauft die in der Kirche, bringt sie nach Hause und verteilt sie vor dem Essen in der Familie.

Diesmal ohne Fleisch

Diese Weihnachten werde ich wieder in Hamburg verbringen. Die Mutter meines Freundes hat sich die Sache mit dem Fleisch irgendwie sehr zu Herzen genommen, obwohl ich das ja wirklich nicht schlimm finde. Aber dieses Jahr wird alles so vorbereitet, dass es kein Fleisch gibt. Ich werde ein paar Dosen Hering mitbringen, weil mein Freund das auch mag, und sie hat schon Rezepte ausgesucht für verschiedene Sorten Fisch. Dieses Jahr wird es also kein Fleischessen am Heiligen Abend geben.

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