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Wirtschaft

Mehr Wettbewerb und grenzenloses Reisen

Der Euro bringt zahlreiche Vorteile und nur wenige Risiken

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Strand im spanischen Valencia - im Sommer 2002 wird auch hier nur noch mit Euro bezahlt

Einer der unermüdlichsten Werber für den Euro ist der deutsche Finanzminister Hans Eichel. Seiner Meinung nach müssten die reisefreudigen Deutschen als erste vom Euro überzeugt sein. "Ich erwarte bei den Reisenden in der Eurozone im nächsten Jahr ein ganz neues Staunen, weil Fremdes fehlt", sagt Eichel.

Beim Reisen fallen die Vorteile einer gemeinsamen Währung am stärksten ins Auge. Die "Melange" in Wien, den "Espresso" in Rom oder die "Bica" in Lissabon ohne lästiges Umrechnen und kostspieliges Umtauschen fremder Währungen bezahlen zu können - das hat Charme.

Eher versteckt ist dagegen ein zweiter Vorteil des Euro: die größere Preistransparenz. Für Jürgen von Hagen, Volkswirt am Zentrum für Europäische Integrationsforschung der Uni Bonn, ist dies jedoch ein Hauptvorteil des Euro:

"Mit der einheitlichen Währung wird es einfacher, Preise zwischen den europäischen Ländern zu vergleichen. Das heißt, es kommt zu mehr Wettbewerb zwischen den nationalen Märkten."

Langfristig gesehen werden durch den gestiegenen Wettbewerb in der Euro-Zone die Preise fallen, sagt von Hagen. Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, in den einzelnen Ländern verschiedene Preise für ein und dasselbe Produkt zu verlangen.

Eine Praxis, die bei Automobilen noch gang und gäbe ist. So verkauft Opel in Schweden oder Finnland manche Auto-Modelle zu einem bis zu 40 Prozent günstigeren Netto-Preis als in Deutschland. Mit dem Euro werden dieses Differenzen klar sichtbar. Die Folge: Die Autokäufer werden zukünftig auf niedrigere Preise drängen.

Doch nicht nur die Verbraucher, auch die Unternehmen profitieren vom Euro, glaubt Finanzminister Eichel. Tauschgebühren und die Kosten, um sich vor Wechselkursschwankungen zu schützen, hätten es gerade für kleine und mittlere Unternehmen ein Engagement im Ausland teuer gemacht.

Seitdem der Euro Anfang 1999 als Buchgeld eingeführt wurde und damit das Wechselkursrisiko wegfiel, ist in Europa auch ein größerer Geld- und Kapitalmarkt entstanden. Banken und Unternehmen können sich nun problemlos Geld in den anderen Euro-Staaten leihen. Das hat die Zinsen gesenkt - vor allem in Ländern mit einer traditionell hohen Inflation wie Portugal, Spanien oder Italien, sagt Volkswirt Manfred Feldsieper von der Uni Köln:


"Wir haben ein reales niedriges Zinsniveau in Europa, dass es seit den 50er Jahren nicht mehr gegeben hat. Das ist auf Dauer ein Wachstumsprogramm."

Der Euro bringt aber nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken. Diese liegen allerdings weniger im wirtschaftlichen, sondern eher im politischen Bereich, betont Manfred Feldsieper. Es sei wichtig, dass die politische Einigung Europas weiter gehe. "Wenn der politische Prozess in Europa rückwärts gewandt ist und der politische Zusammenhalt schwindet, dann wird es auch für die Währungsunion problematisch."

Bricht die Europäische Union politisch auseinander, so dürfte dies auch der Euro kaum überleben. Bisher ist die Attraktivität des Euro aber ungebrochen. Zahlreiche Länder Mittel- und Osteuropas möchten nach der EU-Osterweiterung auch möglichst bald der Euro-Zone angehören. Sogar in Schweden, einem der bisher hartnäckigsten Euro-Verweigerer, wollen immer mehr Menschen die schwedische Krone gegen den Euro tauschen.

Von einer politischer Krise des Euro kann also zumindest derzeit keine Rede sein. Vielmehr könnte die Einführung des Euro-Bargelds zum 1. Januar 2002 dafür sorgen, dass sich die verschiedenen Länder Europas erneut ein Stück näher kommen, und dass die Bürger die Vorteile der gemeinsamen Währung stärker wahrnehmen. Davon ist Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank, überzeugt:

"Die Euro-Banknoten und Münzen werden im gesamten Euro-Gebiet problemlos zu benutzen sein. Sie werden uns das Leben erleichtern und ein sichtbarer Beweis dafür sein, dass wir - die 300 Millionen Bürger des Euro-Gebiets - eine Gemeinschaftswährung haben."

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  • Datum 02.01.2002
  • Autorin/Autor Johannes Beck
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