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Wirtschaft

Der Euro - eine historische Leistung

Der Euro kommt! Noch soundso viel Tage bis zur gemeinsamen Währung Europas. Wie oft haben wir dieses oder ähnliches in den letzten Wochen gehört? Und jetzt ist er endlich da, der Euro. Ein Kommentar von Johannes Beck.

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Das Euro-Denkmal in Frankfurt

Zeit, einen Schritt zurück zu treten. Zeit, Nörgeleien über den niedrigen Wechselkurs, Preissteigerungen durch die Bargeldeinführung und krumme Umrechnungskurse - wie ein Euro gleich 166,386 spanische Peseten - zu vergessen. Die nationalen Währungen zwölf verschiedener Länder zu vereinen, das ist - und hier ist das Wort wirklich angebracht - eine historische Leistung.

Wie historisch, wird schon beim Blick auf die lange Vorgeschichte klar. Bereits 1970 stellte der luxemburgische Premierminister Pierre Werner im Auftrag der EU-Kommission einen Plan für eine Währungsunion in Europa vor. Doch die Europäische Union war damals für solch ambitionierte Projekte noch nicht reif genug. Erst über 30 Jahre später ist die Währungsunion von Pierre Werner Realität geworden.

In der Zwischenzeit sind aus den sechs Ländern des Werner-Plans zwölf geworden. Sie alle haben zugunsten der Europäischen Zentralbank darauf verzichtet, ihre Geldpolitik national zu bestimmen. Besonders für Länder mit einer langen Inflationsgeschichte wie Portugal, Spanien oder Italien ist das ein wahrer Quantensprung. Sie haben mit dem 1999 als Buchgeld gestarteten Euro eine stabile Währung bekommen.

Die Stabilität garantiert die unabhängige Europäische Zentralbank. Ihr einziges Ziel ist es, für stabiles Geld zu sorgen. Der EZB ist es verboten, Pleite gegangene Regierungen über die Notenpresse zu finanzieren. Früher haben solche "Rettungsaktionen" zu hoher Inflation und damit zur Vernichtung von Geldwerten geführt. In der EU ist das inzwischen absolut tabu - eine historische Leistung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Es gibt aber noch weitere Vorteile des Euro. In insgesamt 18 Länder können die Europäer in Zukunft ohne Währungsgrenzen reisen - das wird Europa ein Stück zusammenwachsen lassen. Neben zwölf EU-Staaten von Portugal bis Finnland haben noch Andorra, Monaco, San Marino, der Vatikan sowie das Kosovo und Montenegro den Euro zu ihrer Währung gemacht.

Doch der Euro ist für noch mehr Länder attraktiv. In den nächsten Jahren werden zahlreiche mittel- und osteuropäische Staaten dazu kommen. Länder wie Polen, die Tschechische Republik oder Ungarn wollen nicht nur der Europäischen Union, sondern auch dem Euro beitreten. Diese zukünftigen EU-Neulinge auch in den Euro zu integrieren, ist die größte Herausforderung der nächsten Jahre.

Bei allem Lob gibt es aber dennoch eine Schwachstelle des Euro: Großbritannien und damit London, der größte Kapitalmarkt Europas, sind nicht dabei. Ohne das britische Pfund - die bis zum Zweiten Weltkrieg weltweit führende Leit- und Reservewährung - bleibt der Euro unvollendet. Doch wenn die Europäische Zentralbank weiter für einen stabilen Euro sorgt, werden vielleicht auch die euro-skeptischen Briten nicht mehr lange abseits stehen wollen.