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Wirtschaft

Mehr Wachstum durch Binnenkonsum

Weniger Export, mehr Konsum - das prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für Deutschland. Wichtigste Frage dabei: Wann funktioniert der Finanzmarkt wieder?

Die Inlandsnachfrage soll zukünftig die große Stütze der Konjunktur in Deutschland sein. Getrieben vom Binnenkonsum werde die deutsche Wirtschaft auch in den nächsten Jahren stärker wachsen als in anderen Euro-Ländern. Das sagt die OECD in ihrem aktuellen Wirtschaftsausblick voraus. Danach wird das Bruttoinlandsprodukt hierzulande im nächsten Jahr um 1,7 Prozent ansteigen – eine Zahl, mit der auch die Bundesregierung für 2014 plant.

Der deutsche Exportüberschuss, der erst kürzlich noch von den USA und der EU scharf kritisiert wurde, soll laut der Vorhersage auf rund 5,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Jahr 2015 zurück gehen. Der Außenhandelsüberschuss eines Landes darf in der EU im Durchschnitt von drei Jahren nicht über sechs Prozent liegen, was Deutschland seit 2006 aber regelmäßig überschreitet.

Europa hinkt hinterher

Für die gesamte Eurozone sagen die Ökonomen der OECD ein langsameres Tempo der Konjunkturerholung als in Deutschland voraus. Immerhin werden die Strukturreformen in den südeuropäischen Krisenländern gelobt.

Wir haben eine Finanzkrise, und die hinterlässt erhebliche Spuren", sagt Eckhard Wurzel, im OECD-Wirtschaftsrat zuständig für die EU und das Eurogebiet im Gespräch mit der DW. Es müsse noch etwas mehr reformiert werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder steige.

Mehr Lohn, weniger Arbeitslose

Ab 2015 soll es nach Meinung der OECD weiter aufwärts gehen in Deutschland mit einem Wachstum von zwei Prozent, in der gesamten Eurozone werden dann 1,6 Prozent erwartet. Die Organisation hebt hervor, dass Reallohnzuwächse und eine niedrige Arbeitslosigkeit den Konsum in Deutschland stärken dürften, während gleichzeitig das Vertrauen in die Eurozone wieder zunimmt und niedrige Zinsen die Investitionen stützen.

Die Arbeitslosenquote könnte demnach - gemessen nach dem Standard der internationalen Arbeitsorganisation ILO - auf 5,2 Prozent in Deutschland Ende 2015 zurückgehen. In den Jahren 2013 und 2014 werde sie jeweils noch bei 5,4 Prozent liegen. Die Arbeitslosenquote im gesamten Euroraum werde sich dagegen von 12,0 Prozent 2013 im Jahr 2014 zunächst auf 12,1 Prozent verschlechtern, um dann 2015 bei einem Wert von 11,8 zu landen.

Härtere Reformen

OECD-Ökonom Eckhard Wurzel fordert in Bezug auf die gesamte Eurozone vor allem schärfere Reformanstrengungen - gerade auch von Staaten wie Frankreich, das unter dem vielgescholtenen Präsidenten Hollande zum Problemfall werden könnte. "Das geht von einer Fortsetzung der Sanierung der Staatsfinanzen über eine höhere Wettbewerbsfähigkeit im Produktmarktbereich und über Vereinfachung im Steuersystem. All das ist wichtig und muss angegangen werden", so Wurzel.

Die OECD begrüßt die nun schon seit Jahren extrem lockere Geldpolitik - im Euro-Raum und Japan soll das nach ihren Empfehlungen auch so bleiben. Aber sind die Volkswirtschaften nicht schon längst gefährlich abhängig vom steten Geldstrom der Notenbanken?

Klarheit über Bankbilanzen

Tatsache sei, dass es zu viele faule Kredite gebe, meint Wurzel: "Insofern gibt es Unklarheit über den Zustand der Bankbilanzen." In 2014 sollten Tests gemacht werden, um heraus zu finden, wie groß das Problem sei. Danach sollte der Bankenmarkt bereinigt und wenn nötig rekapitalisiert werden.

Der Finanzmarkt müsse in Zukunft wieder reibungslos funktionieren, so der OECD-Ökonom. Nur dann könnten die Kredite angeboten werden, die man in Europa für einen stärkeren Aufschwung brauche.