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Wirtschaft

Mehr Tourismus, mehr Verschmutzung?

Je mehr Urlauber die Welt bereisen, desto schlechter ist die Klimabilanz der Tourismusindustrie. Chris Cottrell berichtet vom International Transport Forum in Leipzig über Lösungsansätze.

Früher fuhren Geschäftsreisende mit dem Firmenwagen zum Flughafen, bestiegen ein Flugzeug und nahmen nach der Ankunft ein Taxi zum Hotel. Heute wischen viele Reisende ein paar Mal über ihr Smartphone und bestellen sich ein Uber zum nächsten Bahnhof. Am Zielort angelangt, leihen sie sich ein Fahrrad oder bestellen einen weiteren Transportdienst zu ihrer Airbnb-Unterkunft.

"Mobilität hat sich grundlegend verändert", sagt Martina Eggler auf dem International Transport Forum (ITF) in Leipzig. Sie arbeitet für Carlson Wagonlit, ein international tätiges Unternehmen, das auf das Management von Geschäftsreisen spezialisiert ist. "Es gibt ein großes Interesse daran, traditionelle Reisemuster zu verändern", so Eggler.

Die in Leipzig versammelten Tourismus-Experten und Umweltschützer sind der Ansicht, dass sich die Art, wie Menschen reisen - vom Transport bis zu den besuchten Orten - grundsätzlich ändern muss, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Doppelte so viele Touristen

Nach Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird die Zahl der Touristen bis zum Jahr 2030 auf 1,8 Milliarden ansteigen - fast eine Verdoppelung gegenüber 2013, als es weltweit knapp eine Milliarde Touristen gab.

Die Ausgaben dieser Reisenden tragen neun Prozent zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Auch die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) haben das Potenzial erkannt. Auf ihrem Gipfel 2012 in Mexiko nannten sie den Tourismus erstmals einen wichtigen Wachstumstreiber.

Symbolbild Frau Fahrrad und Mode

Die Vereinbarkeit von Tourismus und Klimaschutz stand in Leipzig im Mittelpunkt

Doch für die Umwelt könnte ein stark wachsender Tourismus gefährlich werden. Im Jahr 2005 verursachten Touristen fünf Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Davon wurden 40 Prozent durch Flugreisen erzeugt, 32 Prozent durch Autoverkehr und 21 Prozent durch Übernachtungen.

"Es gibt keine Alternative zur Nachhaltigkeit im Tourismus", sagt Dirk Glaesser, zuständig für Risiko- und Krisenmanagement bei der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) der Vereinten Nationen. "Es liegt in der Natur der Sache: Verkehr gehört per Definition zum Tourismus."

Grundlegender Wandel

Um die Klimabilanz der Touristenmassen zu verbessern, muss sich also auch die Art und Weise ändern, wie diese reisen. Nach Ansicht vieler Redner auf dem Transport Forum in Leipzig ist es letztlich Aufgabe von Regierungen, Alternativen zu traditionellen Reiseformen anzubieten und zu fördern.

Der Ausbau des Schienenverkehrs ist wesentlich, um Reisenden den Umstieg vom Flugzeug auf den Zug zu erleichtern. Und öffentliche Verkehrsmittel müssen verlässlich und schnell sein, damit sie auch von Menschen genutzt werden, die nach einer anstrengenden Reise einfach nur schnell ins Hotel wollen.

Trotzdem haben viele Regierungen den Zusammenhang von Tourismus und Verkehr noch nicht erkannt. "Ich glaube nicht, dass diese Botschaft angekommen ist", sagt Glasser und fügt hinzu, dass die Zuständigkeit für Tourismus und Verkehr allzu oft bei unterschiedlichen Ministerien läge.

Aktivisten und Experten müssten nun dafür sorgen, dass die Botschaft bei den Regierenden ankommt, so Glasser. Zusätzliche Dringlichkeit erhalten die Debatten von Leipzig durch den anstehenden Klimagipfel der Vereinten Nationen (UN) in Paris. Hier verhandelt die Weltgemeinschaft im Dezember über konkrete Schritte, um den Klimawandel zu begrenzen.

"Die globale Temperatur steigt weiter an", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon den Teilnehmern des Leipziger Forums in einer Videobotschaft. "Wir alle müssen mehr tun."

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