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Welt

Mehr Menschen gehen als kommen

Deutschland ist ein Auswanderungsland. Während es die Auswanderer früher in die USA zog, sind heute Polen, Rumänien und die Türkei die beliebtesten Ziele. Manche Auswanderer haben sogar eine eigene Fernseh-Show.

Auswanderer und ihre Nachkommen feiern das 'Germanfest' in Milwaukee in den USA am 25. Juli 2010 (Foto: DW/Benjamin Hammer)

Juli 2010: Auswanderer und ihre Nachkommen feiern das "Germanfest" in Milwaukee, USA

Konny Reimann wanderte 2004 von Schenefeld bei Hamburg nach Gainesville in Texas aus. Ein Fernsehsender zeigte, wie die bodenständige Familie Reimann in Amerika gegen alle Widrigkeiten eine neue Existenz aufbaute. Konny Reimanns staubtrockener Humor und seine schnoddrigen Sprüche sicherten ihm geradezu Kultstatus. Er ist Trendsetter, denn Auswandern ist in.

Unterm Strich ist Deutschland laut Angaben des Statistischen Bundesamtes ein Auswanderungsland, denn 2009 verließen 734.000 Menschen auf Dauer ihre deutsche Heimat. 721.000 Menschen aus dem Ausland zogen im gleichen Zeitraum nach Deutschland. Saldo: 25.000 mehr Auswanderer als Einwanderer. Warum heute mehr Menschen das Land verlassen als ankommen, weiß das Statistische Bundesamt nicht. Die Auswanderer werden nicht nach ihren Motiven gefragt. Wohl aber kennt man ihre Ziele. Ganz oben auf der Hitliste stehen Polen, Rumänien und die Türkei.

Auswanderer-Segelschiff am Kai in Bremerhaven (Foto: ullstein/Archiv Gerstenberg)

Leinen los 1880! Auswandererschiff Mosel verlässt Bremerhaven

Daran könne man ablesen, so Migrationsforscher, dass es sich bei den Auswanderern aus Deutschland oftmals um Menschen handele, die ursprünglich eingewandert waren und jetzt wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren. So wandern mehr Türken und türkisch-stämmige Deutsche in die Türkei aus, als von dort nach Deutschland kommen. Im Ausländerbericht der Bundesregierung heißt es, dass vor allem gut ausgebildete, leistungsbereite Menschen Deutschland den Rücken kehren. So haben in den vergangenen fünf Jahren rund 25.000 Ärzte Deutschland verlassen.

Deutschland war früher schon Auswandererland

Türkisch-stämmige Jugendliche tanzen in Berlin-Kreuzberg (Foto: dpa)

Türkisch-stämmige Einwanderer auf einem Stadtteilfest in Berlin-Kreuzberg

Auswanderung aus Deutschland ist kein neues Phänomen. Von 1800 bis 1914 verließen rund zwei Millionen Menschen Deutschland, zu dem vor dem Zweiten Weltkrieg auch noch Ostpreußen und Schlesien gehörten. Die meisten Menschen gingen auf der Suche nach besser bezahlter Arbeit an Bord eines der Auswandererschiffe. Die Ziele waren im 19. und 20. Jahrhundert vor allem die USA, Kanada und Südamerika. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten verließen in den Dreißiger und Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch einmal Zehntausende Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg rollte die letzte große Auswanderungswelle in Richtung USA. Seit Ende der Sechziger Jahre war die damalige Bundesrepublik nach der Anwerbung von Gastarbeitern dann Einwanderungsland. Die erneute Trendwende hin zum Auswanderungsland erfolgte 2006.

Experten für die Bevölkerungsentwicklung sagen voraus, dass die Zahl der Einwohner in Deutschland zurückgehen wird, nicht so sehr wegen der Wanderungsbewegungen, sondern vor allem durch die Überalterung der Gesellschaft. In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren.

Kleine Zahl von außereuropäischen Einwanderern

Anders als die vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) angestoßene Debatte um zu viel Zuwanderung aus nicht-europäischen Kulturkreisen vermuten lässt, kommen nur relativ wenige Menschen zum Bespiel aus dem arabischen Raum nach Deutschland. 2009 wanderten aus ganz Asien nur 20.000 Menschen mehr nach Deutschland ein als dort hingingen. Etwa die Hälfte dieser Zuwanderergruppe stammt aus Afghanistan und dem Irak. Sie werden in Deutschland als Kriegsflüchtlinge aufgenommen. Die meisten Einwanderer kommen aus Rumänien und den USA.

Aus der DDR wanderten bis zum Bau der Mauer 1961 rund drei Millionen Menschen aus. Ihre Ziele waren fast immer Westdeutschland und West-Berlin.

Autor: Bernd Riegert
Redaktion: Hartmut Lüning

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