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Wirtschaft

"Mehr Kunst als Wissenschaft": Die reichsten Herrscher

Das Magazin Forbes präsentierte zehn der reichsten "Könige, Königinnen und Diktatoren" der Welt. Mit dabei: der König von Saudi-Arabien, der Prinz von Monaco und Fidel Castro. Aber wie zuverlässig sind solche Zahlen?

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Gefällt dem alten Revolutionär gar nicht: Forbes-Magazin

Teure Designer-Anzüge, mondäne Parties, Kasinobesuche und Luxusjachten – das ist nicht gerade das, was man mit Fidel Castro in Verbindung bringt. Dabei könnte sich der Maximo Lider all das locker leisten. Zumindest, wenn man dem amerikanischen Magazin Forbes glaubt. Die Zeitschrift schätzte das Vermögen von Königen und Diktatoren. Und mit 900 Millionen Dollar fand sich Kubas oberster Kommunist in einer Reihe mit der britischen Queen (500 Millionen), dem saudischen König (21 Milliarden) oder dem Fürsten von Monaco (Eine Milliarde). Castro tobte. Sein Vermögen liege bei Null, sein Monatseinkommen bei 40 Dollar, sagt der bärtige Revolutionär.

Fragwürdige Zahlen

BdT Prinz Albert II von Monacco

Reicher als Castro: Prinz Albert von Monaco.

Die Differenz von 900 Millionen Dollar kommt zustande, weil Forbes davon ausgegangen ist, das Castro Zugriff auf verschiedene Staatsfirmen wie die Einzelhandelskette Cimex oder dem Medizinexporteur Medicuba habe. Forbes erklärt, man habe den Cash Flow dieser Unternehmen berechnet, und dann einen "minimalen" Prozentsatz Fidel Castro zugeschrieben. Als Grundlage dienten Informationen von kubanischen Überläufern. Die Mitarbeiter der Zeitschrift dürfen sich nicht konkreter zu Castros Vermögen äußern. "Forbes steht zu seiner Auswertung und seinen Quellen", heißt es lediglich in einem Statement, das auf Anfragen versendet wird.

Miklos Marschall, Leiter der Osteuropa-Abteilung bei Transparency International findet den Ansatz von Forbes überlegenswert. "Das kuriose an kommunistischen Systemen ist, dass die Herrscher unbeschränkten Zugang zu den öffentlichen Ressourcen haben. Wenn Fidel Castro sein Vermögen deklarieren müsste, müsste er schreiben 'Kuba'."
Auch wenn mit dem Ende des Amtes die Milliarden dahin wären, seien seine Privilegien mit Privatvermögen vergleichbar, sagt Marschall. Eine Umrechnung dieser Privilegien in eine entsprechende Summe hält er für denkbar. Man müsse die Marktpreise von allem was dem Herrscher direkt zu seiner persönlichen Verfügung steht, addieren: Villen, Reisen, Autos zum Beispiel. "Die Zahl wäre aber mit großer Reserviertheit zu betrachten."

Nicht die zehn reichsten Machthaber der Welt

Letzteres gilt auch für die Schätzungen der Vermögen der Golf-Potentaten. Dass der König von Saudi-Arabien oder die Scheichs von Abu Dhabi und Dubai über Besitz verfügen, den man ohne zu zögern als Privatvermögen bezeichnen kann, zieht kaum jemand in Zweifel. Doch was dazu gehört und was nicht, ist schon nicht mehr so einfach zu definieren. "In Saudiarabien kann man nur schwer zwischen staatlichem und königlichem Vermögen trennen", sagt Arwa Hassan aus der Nahost-Abteilung von Transparency International. Nicht unbedingt die beste Grundlage für eine exakte Schätzung.

Das weiß man natürlich auch bei Forbes. "Diese Schätzungen sind mehr Kunst als Wissenschaft", schreibt Forbes in seiner neuen Ausgabe. Auch wer davon ausgeht, hier zumindest nach bestem Wissen und Gewissen die zehn reichsten unter den Potentaten der Erde präsentiert zu bekommen, wird enttäuscht. Es handle sich hier lediglich um einige Beispiele, heißt es bei Forbes. Eine breite Untersuchung der Privatschatullen aller wichtigen Könige, Königinnen und Potentaten der Welt liege der Studie nicht zugrunde. Wenn man genau lesen würde, hätte man das auch selbst herausfinden können. Es heisst nämlich gar nicht "die zehn reichsten Machthaber", sondern "zehn der reichsten Machthaber der Welt"

Reich sind sie schon

Bashar Assad in Saudirabien bei Kronprinz Abdullah

Präsident Assad und König Abdullah haben wahrscheinlich keine Geldsorgen

Deshalb besteht auch kein Anlass, sich beispielsweise um den Kontostand von Bashar al-Assad sorgen zu machen. Dessen Vater Hafez al-Assad wurde im Jahr 2000 noch mit zwei Milliarden Dollar geführt. Assad junior hingegen, der seinem verstorbenen Vater mittlerweile in den Präsidentensessel nachgefolgt ist, taucht in der Liste gar nicht mehr auf. Dass der alte Despot seinen Sohn enterbt hat, muss das nicht bedeuten. Vielleicht hat Forbes ihn ja auch einfach nicht berücksichtigt.

Ob Castro nun wirklich nur das auf der Kante liegen hat, was er von seinen 40 Dollar Monatsgehalt abzweigen kann oder doch wie von Forbes angenommen mit phantastischen Milliardensummen jongliert, wissen wir jetzt jedenfalls immer noch nicht. Oder ob König Abdullah nun tatsächlich um dreißig Milliarden Dollar ärmer ist als Bill Gates. Das einzige, was aus dem Forbes-Bericht klar hervorgeht ist: Könige, Königinnen und Diktatoren sind oft sehr, sehr reich. Gut dass das mal jemand gesagt hat.

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