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Europa

Mehr Frauen an die Spitze

Mehr Frauen in Führungspositionen - das soll in Frankreich vielleicht bald per Gesetz erreicht werden. 40 Prozent der Jobs sollen bis 2015 mit Frauen besetzt sein. Die Unternehmen lehnen eine solche Quotenregelung ab.

Eine Frau im schwarzen Hosenanzug telefoniert mit zwei Telefonen gleichzeitig (Foto: picture-alliance/cromeorange)

Eine gesetzliche Quote soll Frauen in Führungspositionen bringen

Aude de Thuin ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie ist die Chefin des Unternehmens "Women's Forum" in der mondänen Pariser Rue Royale. Sie setzt sich seit fünf Jahren dafür ein, dass Frauen ihren Platz in den Chefetagen großer Wirtschaftsunternehmen bekommen. Doch das sollte nicht über Quoten geregelt werden. "Ich ziehe Kompetenz als Kriterium vor", sagt sie.

Frauen sind gut fürs Unternehmen

Vor fünf Jahren hat de Thuin ihr Unternehmen gegründet, das Kongresse in Europa, Asien und den USA zum Thema Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft organisiert. Von mehr Frauen in der Führung würden die Unternehmen profitieren, sagt sie. "Aber da die Realität nicht so ideal aussieht, wird man sie leider mit einem Gesetz zwingen müssen. Allerdings bin ich gegen ein zeitlich unbegrenzt geltendes Gesetz, das sowieso ein Großteil der Unternehmen nicht einhalten wird."

Blick auf Bürohochhäuser in Paris (Foto: dpa)

In Paris sollen mehr Frauen in die Chefsessel

Die Unternehmerin wünscht sich ein "provisorisches Quoten-Gesetz", das den Druck auf die Unternehmen vorübergehend erhöht, ihnen aber gleichzeitig die Möglichkeit lässt, eine neue Personalpolitik vorzubereiten. Denn noch stünden gar nicht genug Frauen zur Verfügung, um innerhalb weniger Jahre 40 Prozent der Posten in den Verwaltungs- und Aufsichträten zu besetzen, meint de Thuin.

"Männerclubs zerschlagen"

Dieses Argument lässt Brigitte Grésy nicht gelten. Die Beamtin der Generaldirektion für Soziales, die den Bericht zur Situation der Frauen in der französischen Wirtschaft im Auftrag des Arbeitsministers erstellt hat, glaubt, dass Unternehmen in Frankreich vor allem der ernsthafte Wille fehle. Denn das Argument, die Quote könne gar nicht erfüllt werden, sei auch schon beim Gleichstellungsgesetz in der französischen Politik falsch gewesen, wie sich gezeigt habe.

Brigitte Grésy erklärt, dass nur bei gleicher Qualifikation Frauen statt Männern eingestellt würden - und zwar nur so lange, bis die Quote erfüllt sei. "Es ist die einzige Möglichkeit, die Männerclubs der Unternehmensspitzen zu zerschlagen, die nach wie vor die Jobs unter sich verteilen."

Nur 10,5 Prozent der Posten in den Aufsichtsräten börsennotierter französischer Unternehmen sind mit Frauen besetzt. In Norwegen waren im Jahr 2007 dagegen 34 Prozent, in Schweden 24 Prozent der Posten in Vorständen und Aufsichtsräten weiblich besetzt.

Frauen sind vorsichtiger und denken langfristiger

Michèle Alliot-Marie (Foto: dpa)

Michèle Alliot-Marie ist eine von vier Ministerinnen in der französischen Regierung

Dabei spräche die Wirtschaftskrise - da sind sich Quotenbefürworterin Brigitte Grésy und die Quoten gegenüber skeptische Unternehmerin Aude de Thuin einig - für mehr Frauen in den Unternehmensspitzen. Sie seien einfach vorsichtiger, sagt Aude de Thuin. "Studien belegen: Sobald mehr als drei Frauen in den Entscheidungsgremien der Unternehmen sitzen, verändert sich die Unternehmenspolitik. Denn die Frauen gehen mit wirtschaftlichen Risiken sehr viel vorsichtiger um und agieren auch eher auf längere Sicht."

Der wirtschaftliche Erfolg von Frauen habe mehr Überzeugungskraft als das Quotengesetz einer Regierung, so Unternehmerin Thuin, die selbst nicht einmal mit gutem Beispiel vorangehe. Bei der letzten Regierungsumbildung Nicolas Sarkozys Ende Juni wurden von insgesamt 18 Ministerposten nur vier an Frauen vergeben. Das französische Parlament soll sich noch 2009 mit der gesetzlichen Frauenquote beschäftigen.

Autorin: Margit Hillmann
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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