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Fokus Osteuropa

Nur wenige Frauen finden in Montenegro den Weg in die Politik

Die Montenegriner wählen am 29. März ein neues Parlament. Allerdings stehen nur wenige Frauen zur Wahl. Das widerspreche europäischen Standards, mahnen Frauenrechtlerinnen. Sie fordern eine Quotenregelung.

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Politikerinnen in Montenegro eine Randerscheinung?

Erst auf Platz 16 der Wahlliste der Regierungskoalition ist die erste Frau zu finden. Es ist die stellvertretende Ministerpräsidentin Gordana Djurovic. Sie ist zuständig für die europäische Integration des Landes. Ihre Popularität ist unbestritten. Für einen Listenplatz weiter vorne hat es jedoch nicht gereicht.

Keine Partei in Montenegro habe die europäischen Standards erfüllt, wonach 30 Prozent Frauen auf den Wahllisten stehen sollten. Die Vorsitzende der montenegrinischen Nicht-Regierungsorganisation „Frauenaktion“, Slavica Strikovic, sagte der Deutschen Welle, die Wahllisten der Parteien zeigten, dass Frauen in Montenegro eine untergeordnete Rolle spielten. Dies ließe die Schlussfolgerung zu, dass die Politik in Montenegro viel zu sehr in Männerhand liege. „Wir sind dieser Politik überdrüssig. Wir möchten, dass sowohl im Parlament als auch in der Regierung weibliche Sensibilität einkehrt, weibliches Verantwortungsgefühl“, sagt Strikovic.

Diskriminierung oder Desinteresse?

Dragica Perovic steht auf der Wahlliste der Demokratischen Serbischen Partei auf Platz vier. Dies ist der höchste Platz, den eine Frau bei den Parlamentswahlen in Montenegro auf einer Wahlliste überhaupt einnimmt. Perovic erläuterte der Deutschen Welle die Gründe für die niedrige Präsenz von Frauen im politischen Leben. Ihr zufolge sind Frauen häufig desinteressiert. Und wenn sie interessiert sind, würden sie sich häufig schnell zurückziehen, wenn einer ihrer männlichen Kollegen kandidiere.

Perovic glaubt nicht, dass sich die Männer in den Parteien bewusst einer Kandidatur von Frauen widersetzten. Zumindest würden sie dies nicht offen zeigen. Perovic gibt allerdings zu bedenken: „Die Grundvoraussetzung, dass mehr Frauen auf die Listen kommen, ist, dass auch mehr Frauen in die Parteiführung kommen.“ Wenn mehr Frauen in hohen Parteiämtern wären, würden sie auch bei Wahlen eher auf vordere Listenplätze kommen.

Quotenregelung gefordert

Slavica Strikovic teilt dagegen nicht diese Meinung. Sie lehnt die These kategorisch ab, dass Desinteresse der Frauen die Ursache des Problems sei. „Dass Frauen nicht am öffentlichen und politischen Leben teilnehmen möchten, sind Argumente, die von manchen Wahlbündnissen oder politischen Parteien hervorgebracht werden.“ Mit solchen Argumenten würden sie allerdings nur rechtfertigen, dass sie nicht mehr Frauen zu den Wahlen aufgestellt haben. „Untersuchungen zeigen, dass mehr als 30 Prozent der Frauen, die politisch aktiv sind, sehr wohl stärker am öffentlichen und politischen Leben teilnehmen möchten.“ Es müsse gesetzliche Regelungen geben. Durch eine entsprechende Quote müsse der Anteil von Frauen erhöht werden.

Autorin: Vesna Rajkovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Bernd Johann

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