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Aktuell Nahost

Mehr als 600 Tote in Gaza

Die israelische Militäroffensive im Gazastreifen geht in die dritte Woche und fordert immer mehr Menschenleben. Aus Kairo meldet sich die Palästinenserführung mit einem neuen Plan für eine Waffenruhe.

Die Zahl der Toten in Nahost steigt und steigt. Bei einer neuen Serie von Angriffen im Gazastreifen hat die israelische Luftwaffe am Dienstagnachmittag sechs Palästinenser getötet. Wie die palästinensischen Rettungsdienste mitteilten, galten die Angriffe den Flüchtlingslagern Al-Bureidsch und Al-Magasi im Zentrum des Gazastreifens sowie einem Ziel in Rafah im Süden. Damit stieg die Gesamtzahl der getöteten Palästinenser seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli auf mehr als 600.

Die große Mehrheit der palästinensischen Toten und der über 3600 Verletzten sind nach Angaben der UN und der Sanitätsdienste Zivilisten - darunter ist auch

eine siebenköpfige deutsch-palästinensische

Familie. Der 53 Jahre alte Familienvater Ibrahim al-Kilani, seine 47 Jahre alte Frau Taghrid und fünf Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren sind nach palästinensischen Angaben am Montagabend bei einem Luftangriff auf ein Gebäude in der Stadt Gaza getötet worden. Al-Kilani hatte in den 1990er Jahren in Nordrhein-Westfalen und Hessen gelebt. Auf israelischer Seite starben durch Angriffe militanter Palästinenser 27 Soldaten und zwei Zivilisten.

Beschuss des Gazastreifens (Foto: Reuters)

Israel will weiterkämpfen, bis die Raketenangriffe der Hamas enden

Unterdessen hat die Palästinenserführung nach eigenen Angaben einen Plan für eine Waffenruhe vorgelegt. Der an die als Vermittler tätige ägyptische Regierung unterbreitete Vorschlag sehe eine Waffenruhe und unmittelbar anschließend eine fünftägige Verhandlungsphase vor, erklärte ein Vertreter der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Kairo. Der Vorschlag bewege sich im Rahmen der bisherigen ägyptischen Friedensinitiative. Bislang hatte die im Gazastreifen herrschenden Hamas alle

Vorschläge Ägyptens für eine Waffenruhe

abgelehnt, während Israel ihnen zugestimmt hatte.

Im Fall eines israelischen Soldaten, der angeblich in der Hand der Hamas ist, soll Israel Deutschland um Hilfe gebeten haben. Nach Informationen des arabischen Senders Al-Arabija geht es dabei möglicherweise um Vermittlungsbemühungen. Der israelische Soldat, der an der Bodenoffensive beteiligt war, könnte demnach tot oder lebendig in den Händen der militanten Palästinenser sein. Eine Bestätigung Israels dafür gab es zunächst nicht.

Bis zu 200.000 Menschen sollen in dem abgeriegelten Küstenstreifen auf der Flucht vor Tod und Verwüstung sein. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf der Hamas vor, mehr Verluste unter der eigenen Bevölkerung anzustreben. "Sie wollen, ich wiederhole, wollen mehr zivile Opfer", sagte er. "Israel tut, was jedes Land tun würde, wenn Terroristen Raketen auf seine Städte hageln lassen würde", sagte der Regierungschef.

pg/kle (dpa, afp, rtr)