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Aktuell Welt

Mehr als 20 Tote bei IS-Anschlag in Homs

Vor dem geplanten Start der Syrien-Friedensgespräche in Genf geht die Gewalt in dem Bürgerkriegsland unvermindert weiter. Nicht zuletzt in der früheren Rebellenhochburg Homs ist der Horror geblieben.

Bei einem Selbstmordanschlag in der syrischen Stadt Homs sind nach Angaben der Staatsmedien mehr als 20 Menschen getötet worden. Wie das syrische Staatsfernsehen berichtete, griffen zwei Attentäter einen Kontrollposten der Armee an. Dabei seien mindestens 22 Menschen getötet und hundert weitere verletzt worden.

Die Attentäter fuhren nach Angaben von Provinzgouverneur Talal Barasi mit einem Auto zu dem Kontrollpunkt. Einer der Männer habe sich mit dem Fahrzeug in die Luft gesprengt, anschließend habe auch der zweite Attentäter einen Sprengstoffgürtel gezündet.

Mehr als 100 Verletzte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte sogar, bei dem Anschlag seien mindestens 29 Menschen getötet worden, darunter 15 Soldaten. Auch einer der Attentäter habe eine Armeeuniform getragen, erklärte die Organisation mit Sitz in Großbritannien, die ihre Informationen von Ärzten und Aktivsten vor Ort bezieht. Den Menschenrechtlern zufolge wurden bei der Bluttat mehr als 100 Menschen verletzt. Die Zahl der Toten könne wegen der vielen Schwerverletzten noch steigen.

In einer zunächst nicht verifizierbaren Botschaft bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu der Tat. Die Explosionen ereigneten sich in Al-Sahraa, einem vor allem von der religiösen Minderheit der Alawiten bewohnten Stadtteil. Zu dieser gehört auch der syrische Präsident Baschar al-Assad. Zu ähnlichen Anschlägen in Al-Sahraa hatte sich in der Vergangenheit neben dem IS auch die Al-Nusra-Front, der syrische Ableger Al-Kaidas, bekannt. Erst Ende Dezember waren bei mehreren zeitgleichen Bombenexplosionen in dem Viertel 19 Menschen getötet worden.

Bis Ende Januar sollen Rebellen Homs verlassen

Homs war eine der ersten Städte, die sich im Frühjahr 2011 gegen die Herrschaft Assads aufgelehnt hatte, und war lange eine Hochburg der Rebellen. Nach jahrelanger Belagerung und heftigen Kämpfen ist die Stadt mittlerweile aber wieder fast vollständig unter der Kontrolle der Armee. Im Zuge einer Abmachung mit der Regierung verlassen die Rebellen zurzeit auch das Viertel Waer, das als letzter Stadtteil noch von ihnen kontrolliert worden war. Bis Ende Januar sollen alle Rebellen Homs verlassen haben.

Der UN-Vermittler für Syrien, Staffan de Mistura (Foto: Reuters/D. Balibouse)

Leidet derzeit mit Sicherheit nicht unter Langeweile: Der UN-Vermittler für Syrien, Staffan de Mistura

Einladungen zu Genfer Gesprächen verschickt

Am Freitag sollen die lange erwarteten Friedensverhandlungen für das Land starten. Ziel ist es, eine diplomatische Lösung des seit fast fünf Jahren anhaltenden Bürgerkriegs in Syrien zu erzielen. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura verschickte inzwischen Einladungsschreiben an Syriens Regierung und Opposition. An welche Gruppen die Einladungen konkret gingen, teilten die Vereinten Nationen nicht mit. Einer der größten Streitpunkte rund um das Treffen ist die Frage, wer an ihm teilnehmen darf. Die syrische Opposition will noch an diesem Dienstag bei einem Treffen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad entscheiden, ob sie nach Genf kommt.

Russland bekräftigt Unterstützung für Kurdenvertreter

Umstritten ist insbesondere die Beteiligung radikal-islamischer Gruppen. Einen Konflikt gibt es auch um eine Teilnahme der Kurden-Partei PYD, des syrischen Ablegers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Russland bekräftigte seine Forderung, die syrischen Kurden an den Gesprächen zu beteiligen. "Diese Gruppe nicht einzuladen, wäre der größte Fehler", sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Die Kurden machten rund 15 Prozent der syrischen Bevölkerung aus, sagte er. Daher könne ohne sie kein akzeptables Ergebnis bei den Verhandlungen herauskommen. Vertreter der PYD teilten am Abend jedoch mit, dass die Kurden-Partei noch keine Einladung vom UN-Gesandten de Mistura erhalten habe.

Im Süden Syriens zeigte die russische Luftunterstützung für die Regimetruppen derweil Wirkung: Die Kämpfer eroberten die strategisch bedeutende Stadt Scheich Maskin nach heftigen Gefechten von Rebellen zurück. In den vergangenen Tagen konnten die regierungstreuen Einheiten vor allem Erfolge nahe dem Kernland des Regimes im Nordwesten des Landes erzielen.

sti/kle (afp, dpa, ape)