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Wirtschaft

Medienberichte: Karstadt-Verkauf besiegelt

Bei der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist laut Medienberichten die Entscheidung über einen Wechsel des Eigentümers gefallen. Demnach übernimmt ein österreichischer Investor das Unternehmen komplett.

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Deutschlands Warenhäuser - ein Auslaufmodell? (23.07.2014)

Wie das Nachrichtenportal "Spiegel Online" und die Nachrichtenagenteur Reuters übereinstimmend unter Berufung auf Verhandlungskreise und Insider berichten, soll die österreichische Signa-Gruppe des Tiroler Immobilien-Investors René Benko die 83 verbliebenen Warenhäuser vom bisherigen Eigner Nicolas Berggruen übernehmen.

Weder von der Signa-Gruppe noch von Seiten Berggruens war auf Anfrage der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters eine offizielle Stellungnahme zu erhalten.

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen (Foto: dpa)

Nicolas Berggruen verabschiedet sich ganz

Der bisherige Eigner Nicolas Berggruen wird sich den Berichten zufolge vollständig zurückziehen und auch seine Minderheitsposition bei den Premium- und Sporthäusern der Gruppe aufgeben. Die Übernahme soll bereits zum Anfang der kommenden Woche erfolgen. Dabei fließe kein Geld.

Berggruen gibt auf

René Benko ist bereits Mehrheitseigner zahlreicher Karstadt-Immobilien, der Sportfilialen der Kette sowie der Luxus-Kaufhäuser KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg. Seit Herbst 2013 gehörte Berggruen nur noch die Mehrheit am operativen Stammgeschäft um die verbliebenen über 80 Warenhäuser, die er jetzt offenbar aufgibt.

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Donnerstag erklärt, angesichts mehrfacher Spekulationen über einen bevorstehenden Eigentümerwechsel bei Karstadt müsse es eine klare Zukunftsperspektive für die 17.000 Beschäftigten geben.

Karstadt kämpft seit Jahren mit Verlusten und sinkenden Umsätzen. Der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen, Sohn des verstorbenen Mäzens und Kunstsammlers Heinz Berggruen, hatte Karstadt 2010 nach der Pleite des Arcandor-Konzerns für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen.

Damals war er von Politikern und den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden. Die Stimmung ist aber umgeschlagen, denn auch Berggruen schaffte es nicht, Karstadt auf Kurs zu bringen. Während die Personalkosten deutlich reduziert wurden, kritisierten Arbeitnehmervertreter mehrfach, Berggruen investiere zu wenig in die Modernisierung des Unternehmens. Berggruen habe mit seinem Karstadt-Investment "geringfügig Geld verdient", sagte der Insider gegenüber Reuters.

Milliardär ohne Abitur

René Benko (Foto: dpa)

René Benko besitzt bereits Teile an Karstadt

Der neue Eigentümer René Benko würde mit Karstadt eine kränkelnde Kette übernehmen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 machte Karstadt 158,4 Millionen Euro Verlust. Medienberichten zufolge wurde auch 2012/2013 die Trendwende verfehlt.

Der Investor Benko gehört zu den schillerndsten Unternehmern Österreichs. Mit 17 Jahren verließ er ohne Abitur das Gymnasium. Anschließend baute er zunächst Dachgeschosse aus, bevor er sich auf Immobilienaufkäufe konzentrierte. Die Signa-Gruppe, die der heute 37-jährige zur Jahrtausendwende gründete, verfügt nach eigenen Angaben über ein Immobilienvermögen von mehr als sechs Milliarden Euro.

Ende 2012 wurde Benko vom Landesgericht Wien in einem Korruptionsprozess zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Oberste Gerichtshof in Wien hatte das Urteil jüngst bestätigt.

Mit einer Übernahme von Karstadt durch Benko könnten Spekulationen um eine Warenhausunion mit dem Konkurrenten Kaufhof wieder aufleben. Benko hatte sich bereits in der Vergangenheit erfolglos bemüht, die Kaufhof-Kette von der Muttergesellschaft Metro zu übernehmen.

bea/kle (rtr, dpa, afp)

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