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Afrika

Medien in Mali massiv unter Druck

Seit dem Putsch im März ist Mali in Nord und Süd geteilt. Immer weiter entfernt sich das Land von dem demokratischen Vorzeigestaat, der er einmal war. Früher glänzte Mali auch mit einer freien Presse. Das ist vorbei.

Vor dem Staatsstreich im März versorgten rund 40 Zeitungen und mehr als 50 Radiostationen die Bevölkerung von Mali mit Informationen. Dass die Islamisten diese Informationsfreiheit im Norden nun nicht mehr zulassen, ist bekannt. Doch auch im Süden des Landes fühlen sich Journalisten massiv in ihrer Arbeit eingeschränkt.

Ein erschreckendes Beispiel: In der Nacht vom 2. Juli 2012 wurde der Journalist Abdramane Keita in Malis Hauptstadt Bamako von bewaffneten Männern zusammengeschlagen, ausgeraubt, mit verbundenen Augen in ein Auto geworfen und schließlich am Straßenrand liegen gelassen.

"Ich kann nicht genau sagen, wer mich angegriffen hat", sagt Keita, Chefredakteur der Zeitung L'Aurore. Aber "das waren bewaffnete Leute. Der Kleidung nach waren das Soldaten oder Sicherheitskräfte. Bei dem Angriff haben sie mir gesagt, wir würden mit unserer Berichterstattung für Unruhe im Land sorgen."

Keita ist überzeugt, dass der Überfall ein Versuch war, die Journalisten von L'Aurore einzuschüchtern. Seine Zeitung sei klar gegen jede gewaltsame Machtnahme und damit gegen den Militärputsch. Für ihn sei das ein Angriff auf die Demokratie, sagt der Redakteur.

Das Militär als heimliche Macht im Staat

Hauptmann Sanogo in Paradeuniform (Foto: REUTERS/Malin Palm)

Wie sehr klammert sich Sanogo noch an die Macht?

Das Militär hatte sich am 22. März an die Macht geputscht. Im April haben Putschführer Hauptmann Amadou Sanogo und seine Leute die Führung dann aber offiziell an eine zivile Übergangsregierung übergeben. Bis heute bleibt diese Regierung schwach - Präsident Dioncounda Traoré hält sich, seitdem er bei einem Angriff durch Demonstranten im Mai verletzt wurde, in Frankreich auf. Gleichzeitig bleibt die Rolle des Militärs undurchsichtig. Neben der schwachen Übergangsregierung scheinen die Soldaten noch immer großen Einfluss zu haben. Und ganz offenbar schränkt das Militär dabei weiter massiv die Pressefreiheit in Malis Süden ein.

Auch Mamadou Bocoum, Direktor von Radio Kaoural in Mopti, muss aufpassen, was er und seine Mitarbeiter über den Äther schicken. "In Mopti sind sehr viele Soldaten - und wenn du es wagst, etwas gegen sie zu sagen, dann verwüsten sie dein Radio und greifen dich an", sagt Bocoum. "Am Ende musst Du still halten und darfst nichts sagen - so leben wir hier gerade."

Mamadou Bocoum (links) (Foto: DW/Harjes)

Bocoum (links) fühlt sich vom Militär kontrolliert

Im südlichen Teil Malis sind bislang aber immerhin noch alle Radioprogramme auf Sendung. Auch die vielen Tages- und Wochenzeitungen erscheinen weiter. Im von Islamisten und Rebellen kontrollierten Norden dagegen mussten die meisten Sender schließen. Ibrahima Ly war Redakteur bei einem kleinen Sender in Ménaka, als die Rebellen kamen. "Sie haben das ganze Radio verwüstet. Sie haben alles geklaut, sogar unsere Antenne, die Stühle und die Tische. Wir können nicht mehr senden."

Abgeschnitten von der Außenwelt

Einige Radiostationen im Norden können allerdings noch immer senden. Das Programm bestimmen aber die Islamisten. Die meisten Themen sind tabu; Musik darf auch nicht gespielt werden. In einem Land, in dem das Radio die wichtigste Informationsquelle ist, nutzen die Islamisten dieses Medium ganz gezielt für sich. Selbst wenn ein Sender eigentlich geschlossen ist.

"Wenn die Islamisten eine wichtige Durchsage machen wollen, dann zwingen sie den Direktor, das Radio wieder aufzumachen und ihre Mitteilung zu senden", erzählt Daouda Mariko, Präsident des Verbandes freier Rundfunksender. "Dabei rezitieren die Islamisten erst mal lange aus dem Koran."

Alternative Informationswege

Karte von Mali

Seit März ist Mali in Nord und Süd geteilt

Die Malier im Norden des Landes leben laut Mariko in einem absoluten Informationsvakuum. Doch es gebe noch einen alternativen Informationsweg, sagt der Journalist Ibrahima Ly aus Ménaka. "Jedes Mal, wenn es Neuigkeiten gibt, verbreiten Jugendorganisationen das mündlich. Die machen dann hier und da kleine Versammlungen, bei denen sie die Leute informieren", so Ly. "Über das Radio kann nichts verbreitet werden, wenn die Islamisten das nicht wollen. Die überwachen alles!"

Nicht überwachen können die Islamisten allerdings die Kurzwellen-Ausstrahlung internationaler Radiosender wie DW, RFI, BBC oder Voice of Amerika. So reißt der Fluss unabhängiger Nachrichten in den Norden Malis dann doch nicht ganz ab.

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