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Afrika

Wut und Hoffnung in Mali

Seit Monaten kontrollieren islamistische Rebellen den Norden Malis. Sie sind verantwortlich für Mord und Vertreibung. In der Hauptstadt Bamako wird nun der Ruf lauter, den Konflikt mit militärischer Macht zu lösen.

Im strömenden Regen stehen sie auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum Bamakos. Knapp 2.000 Demonstranten haben sich am Mittwoch (04.07.2012) in der Hauptstadt Malis versammelt, in Sprechchören machen sie ihrer Wut über die anhaltende Besetzung Nordmalis durch Islamisten Luft. Sie fordern, die Rebellen der Ansar Dine, die gemeinsam mit Tuareg-Kämpfern seit April fast zwei Drittel des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben, mit Gewalt zu vertreiben.

Karte Mali (Grafik: DW)

Rebellen kontrollieren zwei Drittel des Landes

"Wir wollen Waffen!", ruft eine Stimme über den Platz. "Um den Norden zu befreien!", so die Antwort der Menge. Denn der malischen Armee trauen die Demonstranten dies schon lange nicht mehr zu. Ousmane Issoufi Maiga ist ehemaliger Premierminister des Landes und Ehrenpräsident des COREN, des "Kollektivs der Bürger des Nordens". Im Gespräch mit der DW erklärt er, dass die Situation für die Zivilbevölkerung unter der Ansar Dine immer schwieriger werde. "Im Norden geschieht alles, was man sich an schrecklichen Dingen vorstellen kann", so Maiga.

Die Kämpfer der Ansar Dine wollen dort ihre strenge Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, durchsetzen und sind verantwortlich für zahlreiche Morde an Soldaten und Bürgern sowie für die Vertreibung von Zivilisten. COREN habe zur Demonstration aufgerufen, um die Verzweiflung der aus dem Norden Geflohenen zum Ausdruck zu bringen, erklärt Maiga. "Und auch, um das gesamte Volk zu mobilisieren, den Norden des Landes zu befreien."

Greifen die Nachbarn Malis ein?

Alpha Conde, Präsident Guineas (Bild: AP)

Alpha Conde, Präsident Guineas

Seit Wochen diskutieren die Staaten der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS darüber, ob sie eine militärische Eingreiftruppe in den Norden Malis entsenden. Dafür stünden nun 3.300 Soldaten bereit, so ECOWAS. Ein militärisches Eingreifen der Nachbarstaaten sei unbedingt notwendig, erklärt Sandy Mahamane Haidara im Gespräch mit der DW. Haidara vertritt als gewählter Abgeordneter eigentlich die Stadt Timbuktu im malischen Parlament. Doch Timbuktu steht seit April unter der Kontrolle islamistischer Rebellen. "Sowohl die malische Armee als auch internationale Truppen müssen eingreifen", so Haidara.

Noch gibt es für einen Militäreinsatz der ECOWAS aber kein Mandat des UN-Sicherheitsrats. Am Donnerstag (05.07.2012) verabschiedete das Gremium in New York eine Resolution zur Lage in Mali. Darin drohte es den islamischen Kämpfern mit Sanktionen. Eine Intervention sieht die Resolution aber nicht vor.

Nationale Einheit in Sicht?

Die Krise im Norden Malis sei sowieso nicht zu überwinden, wenn die Probleme in Bamako nicht zuvor gelöst würden, erklärte zuletzt der Präsident des Nachbarstaats Guinea. Wie dies erreicht werden kann, soll am Samstag bei einem Gipfeltreffen in Ouagadougou mit Vertretern von Regierung und Zivilgesellschaft Malis beraten werden. Dabei sollen möglichst alle politischen Kräfte des Landes beteiligt werden. Ziel ist es, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden. Derzeit wird Mali von einer Übergangsregierung um Cheick Modibo Diarra geführt.

Doch der trauen wenige zu, das Land aus der Krise zu führen. Siaka Diakité, Generalsekretär der Vereinigung der Arbeiter Malis, einer landesweiten Gewerkschaft, erhofft sich vom Gipfel erste Schritte hin zu einer Regierung der nationalen Einheit. "Das würde die Dinge ändern und etwas in Gang setzen", so Diakité im DW-Interview. Denn die derzeitige Regierung habe keinen Plan und wisse nicht einmal, was sie eigentlich wolle. Auch zivilgesellschaftliche Gruppen und Gewerkschaften wollen sich an einer Regierung der nationalen Einheit beteiligen.

Derzeit keine Rückkehr möglich

Flüchtlinge Mali (Bild: Julien Tack/ABACAPRESS.COM)

In Bamako treffen weiterhin Flüchtlinge aus dem Norden ein

Die derzeitige Übergangsregierung lehnt Truppen aus dem Ausland bislang ab. Das malische Parlament hat gerade eine Erklärung verabschiedet, in der es die Regierung auffordert, sich für eine Militärintervention der ECOWAS einzusetzen.

Für die Demonstranten auf dem Unabhängigkeits-Platz in Bamako steht fest, dass der Konflikt nur mit internationaler Hilfe gelöst werden kann. Viele von ihnen mussten aus dem Norden des Landes fliehen. Für sie ist eine Rückkehr in das von Islamisten kontrollierte Gebiet derzeit unmöglich. Die Demonstranten haben angekündigt, ihren Protest in den nächsten Tagen fortzusetzen. Trotz des Regens über Bamako wollen einige sogar auf dem Unabhängigkeits-Platz kampieren, bis ihr Appell gehört wird.

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