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Kultur

Mazyek: "Das macht mir schon Sorge."

Deutschlands Muslime sehen sich zunehmend als Opfer von wachsendem Rassismus, sagt Aiman Mazyek, der Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Die Wertschätzung von Muslimen nehme ab, sagt er im DW-Interview.

DW: Herr Mazyek, immer mehr Deutsche lehnen Muslime ab. Sorgt Sie das?

Aiman Mazyek: Das macht mir Angst. Und weil ich weiß, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist, jetzt das Richtige zu tun, führt das zu noch mehr Angst. Und auch zu Gewaltpotential, was dadurch entsteht. Das macht mir schon Sorge.

Von einer Minderheit kann nicht die Rede sein; laut einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung lehnt die Mehrheit der Bevölkerung die Muslime ab...

In der Tat, die Studie macht deutlich, dass die Wertschätzung der Muslime weltweit, nicht nur in Deutschland, zu den Werten von Demokratie, von Freiheit und Menschenrechten extrem hoch ist. Im Gegenzug nimmt die Wertschätzung gegenüber Muslimen ab. Die Schere wird immer größer. Das ist eine besorgniserregende Erkenntnis.

Die Studie sucht nach Gründen: Prägt eine radikale Minderheit das Bild einer ganzen Glaubensgemeinschaft?

Sie prägt sie, aber die Frage ist doch: Wer prägt wiederum diese Prägung? Das sind ja nicht allein die Protagonisten dieser Gruppe - wie etwa Scharia-Polizei, sondern das sind natürlich auch die Berichterstatter, die sich auf diese 0,01 Prozent der Muslime fokussieren, während sie die überwältigende Mehrheit auslassen. Darunter leiden wir. Dieses Missverhältnis, dass derjenige die meiste Beachtung erhält, der am lautesten krakeelt, das führt wiederum zu der fehlenden Trennschärfe zwischen der friedliebenden Mehrheit der Muslime, zwischen dem Islam als Religion und den Extremisten bis hin zu den Terroristen, die sich auf den Islam berufen, aber dafür keine Rechtfertigung haben.

Trotzdem die Frage: Was läuft schief zwischen Muslimen und Nichtmuslimen? Passt, wie zum Beispiel Pegida-Anhänger behaupten, der Islam nicht in den Westen?

Aiman Mazyek

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime

Natürlich passt er in den Westen, von Seiten der Muslime ohnehin. Die Wertschätzung der Muslime für Demokratie und Menschenrechte und Freiheit sind ja keine Lippenbekenntnisse, sondern Ausdruck eines aktiven Lebens in der Gesellschaft. Wir haben in der Debatte eine ganze Menge Fehler gemacht: Die fehlende Trennschärfe ist das eine. Falsch ist auch, dass wir viele Themen - zum Beispiel Kriminalität unter Migranten - islamisieren, anstatt sie sozioökonomisch, kulturell, psychologisch zu analysieren. Es geschieht immer wieder eine Zuschreibung zur Religion. Diese ständige Islamisierung müssen wir jetzt zurücknehmen.

Welchen Schluss sollten Muslime ziehen: Noch mehr anpassen, aufbegehren oder am Ende gar weggehen?

Ich kann viele Muslime verstehen, die sich aus diesem Prozess verabschieden, weil sie Angst haben, was da noch kommt. Und sie erleben ja gerade im Alltag die Zunahme an Islamfeindlichkeit, von Anschlägen auf Moscheen oder Übergriffe. Sie werden in ihren Befürchtungen bestätigt. Und dann gibt es eine verschwindend kleine, radikale Gruppe. Für die ist das Wasser auf ihre Mühlen. Die sagen: 'Seht her, das sind sowieso unsere Feinde. Kommt zu uns.' Sie sind gewissermaßen die Spiegelung der Extremisten auf der anderen Seite. Und das ist eine wirklich gefährliche Gemengelage!

Aiman Mazyek ist Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

Das Interview führte Stefan Dege.

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