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Syrien-Krieg

Massenflucht und Panik in Aleppo

Die Lage in Aleppos Rebellengebieten ist verheerend. Geflohene berichten von Chaos und Verzweiflung. Die Angst vor Racheakten der Assad-Truppen wächst. Der Weltsicherheitsrat hat eine Krisensitzung einberufen.

Nach dem Vormarsch der von der russischen Luftwaffe unterstützten Truppen des Regimes in der nordsyrischen Stadt sind immer mehr Menschen auf der Flucht vor Zerstörung und Tod. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte vertrieben die heftigen Kämpfe und Luftangriffe fast 30.000 Zivilisten.

Sorge vor Übergriffen auf Geflohene

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, viele Zivilisten befürchteten Racheaktionen der Truppen von Präsident Baschar al-Assad. Syriens Regierung habe eine "lange und dunkle Geschichte" von willkürlichen Festnahmen, Menschen seien verschwunden. Deswegen sei es umso wichtiger, die in eingenommenen Gebieten verbliebenen Zivilisten zu schützen. Menschenrechtsbeobachtern zufolge suchten bislang mehr als 15.000 Menschen Schutz in anderen Stadtteilen. Das UN-Menschenrechtsbüro erklärte, es gebe Berichte, dass Oppositionsgruppen Zivilisten an der Flucht hinderten. Ein Mediziner mit dem Namen Abdulhalek aus dem Ostteil der Stadt sagte: "Weil wir in Ost-Aleppo geblieben sind, sind wir alle für sie Terroristen." Festgenommenen drohten Folter und Tod.

Aleppo Syrien Ruinen (Reuters/Sana)

Regierungstruppen durchkämmen verlassene Straßenzüge im Osten Aleppos

"Es regnet Fassbomben"

Zugleich gingen an mehreren Fronten in der Stadt die heftigen Kämpfe weiter, wie die Beobachtungsstelle erklärte. "Es regnet Fassbomben und Artilleriebeschuss", erklärte ein Aktivist aus Ost-Aleppo. Bewohner, die fliehen konnten, berichteten, Teile der Stadt hätten sich zu Geistervierteln verwandelt.

Der Armee und ihren Verbündeten war es in den vergangenen Tagen gelungen, mehr als 30 Prozent der bisherigen Rebellengebiete einzunehmen. Da der Osten Aleppos seit rund drei Monaten von Assad-Truppen blockiert wird, herrscht dort akuter Mangel an Lebensmitteln, Treibstoff und medizinischer Versorgung. Der UN-Direktor für humanitäre Hilfe, Stephen O'Brien, sagte, die Lebensmittelvorräte in Ost-Aleppo seien praktisch aufgebraucht.

Der Geschäftsführer der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Florian Westphal, sieht derzeit keine Möglichkeit für humanitäre Hilfe von außen. "45 Tonnen medizinische Hilfsgüter von Ärzte ohne Grenzen stehen bereit. Sie könnten innerhalb von 24 Stunden verteilt werden", sagte Westphal der Zeitung "Heilbronner Stimme". Man bemühe sich ständig um Sicherheitsgarantien für die Helfer. "Wir sehen aber keine Anzeichen, dass sich etwas bewegt."

Aleppo Syrien Flüchtlinge (Reuters/Sana)

Sammelpunkt für Flüchtlinge am Rande der Stadt

Weltsicherheitsrat befasst sich mit Aleppo

Der UN-Sicherheitsrat will sich auf Initiative Frankreichs an diesem Mittwoch in einer Dringlichkeitssitzung mit den Möglichkeiten zur Hilfeleistung für die Bevölkerung befassen. "Mehr denn je müssen dringend die Kampfhandlungen eingestellt und ein ungehinderter Zugang für humanitäre Hilfe ermöglicht werden", erklärte Außenminister Jean-Marc Ayrault. Das gegenwärtige Kampfgeschehen in Aleppo "könnte eines der schlimmsten Massaker an der Zivilbevölkerung seit dem Zweiten Weltkrieg" darstellen, fürchtete der französische UN-Botschafter François Delattre.

qu/sc/cr (dpa, afp, kna)

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