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Syrische Tragödie

Rebellen in Aleppo schwer geschlagen

Die Welt schaut hilflos zu: Assad-Truppen und schiitische Verbündete erobern ein Drittel der von Aufständischen gehaltenen Gebiete in der syrischen Großstadt. Panik macht sich breit, ein neuer Exodus beginnt.

Die syrischen Aufständischen haben nach Einschätzung von Aktivisten "die schwerste Niederlage seit 2012" erlitten. Beobachter sprechen bereits von einer entscheidenden Wende in dem jahrelangen Bürgerkrieg. Nach Wochen der Belagerung des Ostteils der Millionenstadt Aleppo gaben die Rebellen jetzt die Stadtviertel im Nordosten auf. Bis zu 20.000 Zivilisten flüchteten aus der seit Monaten eingekesselten Stadt. Die Hilfsorganisation Weißhelme sprach von einer "desaströsen Lage". Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die Tragödie müsse "ein Ende haben", humanitären Zugang zu gewähren sei "das absolute Minimum".

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und staatliche Medien übereinstimmend berichteten, eroberten die regierungstreuen Truppen die Stadtteile Sachur, Haidarija und Scheich Chodr. Kurdische Milizen nahmen das Viertel Scheich Fares ein. Damit hätten die Aufständischen die Kontrolle über den gesamten Nordosten Aleppos verloren, bilanzierte der Leiter der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. 

Syrien syrische Armee in Aleppo (Getty Images/AFP/G. Ourfalian)

Panzer des Assad-Regimes rollen durch den Nordosten Aleppos

Entscheidungsschlacht?

Vor knapp zwei Wochen hatten die Truppen des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad und ihre schiitischen Söldner vor allem aus dem Libanon und dem Iran eine Offensive zur vollständigen Eroberung der einstigen Wirtschaftsmetropole begonnen. Oft werden sie geführt von iranischen Revolutionsgardisten. 

Am Montag wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle, deren Angaben nicht unabhängig überprüft werden können, in beiden Teilen Aleppos zehn Tote und 29 Verletzte gezählt; seit Beginn der Offensive sind es inzwischen 235 getötete Zivilisten allein im Ostteil der Stadt, darunter 27 Kinder.

Im Süden Aleppos trafen dutzende Familien ein, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Viele flüchteten zu Fuß und waren völlig erschöpft und unterkühlt. Anwohner versorgten die Flüchtlinge mit Decken und anderen Hilfsgütern und brachten sie in leer stehenden Häusern unter.

Video ansehen 00:52

Syrien: Tausende fliehen aus Ost-Aleppo

Hilferuf der UN

Die Vereinten Nationen appellierten noch einmal an die Kriegsparteien, ihre Angriffe auf Zivilisten einzustellen. UN-Sprecher Stéphane Dujarric sagte, man rufe alle dazu auf, die "willkürlichen Bombardierungen einzustellen" und Zivilisten sowie die zivile Infrastruktur zu verschonen. Zugleich sei es dringend nötig, dass die Menschen in der Stadt mit Hilfslieferungen versorgt werden könnten. Die letzten Nahrungsmittel des Welternährungsprogramms (WFP) seien seit Mitte November aufgebraucht und auch die Hilfen anderer Organisationen gingen allmählich zur Neige, warnte Dujarric.

Russen und Iraner am Pranger 

Für die "Tragödie" trügen "das Regime" von Präsident Assad "und seine Unterstützer, allen voran Russland und Iran, die größte Verantwortung", kommentierte das deutsche Außenministerium. Auch Großbritannien forderte Russland und den Iran auf, dafür zu sorgen, dass der "verheerende Ansturm" ende.

In Syrien werde "unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung Krieg gegen das eigene Volk geführt", beklagten der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen (CDU), und die Vorsitzende des Unterausschusses Zivile Krisenprävention, Franziska Brantner (Grüne), in einer gemeinsamen Erklärung. "Wenn Kriegsverbrechen begangen werden, muss man diese auch deutlich beim Namen nennen."

Fall von Aleppo ist nicht Kriegsende

Mehrere Nahost-Experten warnten vor der falschen Hoffnung, ein Sieg Assads in Aleppo könne ein Schritt zum Frieden sein und verwiesen auf die Stärke verschiedener Rebellengruppen in anderen Landesteilen. Auch der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Niels Annen, meinte, mit einem derartigen "Triumph für Machthaber Assad und den russischen Präsidenten Wladimir Putin" gehe nicht zwingend eine Wende in dem Krieg einher. "Wer in Moskau oder Damaskus glaubt, mit dem Fall der Stadt sei der Krieg in Syrien entschieden, der irrt gewaltig, so der Außenexperte der SPD. An einer politischen Lösung und einer Rückkehr zu Verhandlungen führe kein Weg vorbei.  

SC/jj (afp, APE, dpa)   

 

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