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125 Jahre Maschinenbauverband VDMA

Maschinenbau im Umbruch

Der deutsche Maschinenbau lebt vom Export und seinem technischen Vorsprung. So steht Deutschlands größter Industriearbeitgeber nicht nur aufgrund des weltweit aufkeimenden Protektionismus vor großen Herausforderungen.

Sie produzieren Tunnelbohrmaschinen oder Fischverpackungsanlagen: Viele deutsche Maschinenbauer sind hoch spezialisiert und nicht selten Weltmarktführer in ihrem Bereich. Nach vergleichsweise schwachen Jahren läuft die Produktion wieder auf Hochtouren, die Auftragsbücher füllen sich vor allem dank der kräftigen Nachfrage aus dem Ausland. Doch wie lange hält der Schwung?

Große Sorge bereiten der exportorientierten Industrie wirtschaftliche Abschottungstendenzen - nicht zuletzt sorgt US-Präsident Donald Trump mit Kritik am Freihandel immer wieder für Unruhe. "In der ganzen Welt keimt Protektionismus auf", konstatiert Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA. "Mit einer Exportquote von knapp 80 Prozent im Verhältnis zur Produktion sind die Maschinenbauer von einem funktionierenden Welthandel abhängig". Vor allem die mittelständischen Firmen seien angewiesen auf offene Märkte, weil sie häufig nicht vor Ort produzierten.

125 Jahre für den Maschinenbau

Der VDMA feiert am kommenden Montag (16. Oktober) mit einem Festakt in Berlin sein 125-jähriges Bestehen. Als sich im Jahr 1892 deutsche Maschinenbauer in einem Verband zusammenschlossen, ging es um Liefer- und Zahlungsbedingungen sowie um Preise für Bergwerks- und Hüttenmaschinen. Heute stehen unter anderem Freihandel und Digitalisierung im Fokus.

Arbeit Industrie 4.0 (Imago/R. Weisflog)

Digitalisierte Produktion: Fahrerlose Transportsysteme bei VW

"Der bisherige Ausbau des Glasfasernetzes auf dem Land, wo viele Maschinenbauer ihren Sitz haben, reicht nicht", kritisiert Brodtmann. "In der laufenden Legislaturperiode sollten insgesamt 40 Milliarden Euro in den Ausbau investiert werden". Auch die Elektroindustrie hatte jüngst ein höheres Tempo gefordert. Die geplanten Investitionen von 100 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 seien richtig, es müsse aber schneller gehen als bisher geplant, mahnte der Branchenverband ZVEI.

Das Beratungsunternehmen PwC sieht bei den Maschinenbauern selbst allerdings Nachholbedarf bei der Digitalisierung der Produktion. Lediglich 26 Prozent von 100 befragten Führungskräften der Branche würden den Digitalisierungsgrad in diesem Bereich aktuell als hoch bis sehr hoch einschätzen. "Manche hochspezialisierten Unternehmen stellen nur wenige Maschinen im Monat her, die zwar in die Industrie-4.0-Welt ihrer Kunden passen oder diese erst ermöglichen, um diese Maschinen herzustellen, braucht es aber keine eigene vernetzte Fertigung", argumentiert dagegen Brodtmann.

Die konjunkturabhängige Branche, die 2016 einen Umsatz von 215 Milliarden Euro erwirtschaftete, hat in den vergangenen Jahren allerdings an Schwung verloren. Die Gesamtproduktion stagnierte mehr oder weniger fünf Jahre in Folge. Die schwächelnde Weltwirtschaft und politische Unsicherheiten belasteten die Geschäfte der rund 6400 Unternehmen mit insgesamt mehr als einer Million Beschäftigten.  

Konkurrenz aus China schläft nicht

International verschieben sich die Gewichte: Zwar stehen Maschinen "Made in Germany" mit einem Anteil von zuletzt 15,4 Prozent an der Weltmaschinenausfuhr weiterhin an der Spitze. Doch die Konkurrenz aus China hat nicht nur die US-Produzenten überholt, sie rückt immer näher - 2015 lag der Anteil der Hersteller aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bei 13,3 Prozent.

Stefan Bley, Partner beim Beratungsunternehmen EY, bescheinigt Maschinen "Made in Germany" international einen guten Ruf. "Sie sind eindeutig im Premiumbereich anzusiedeln und entsprechend teuer im Vergleich zur Konkurrenz beispielsweise aus China", sagte er jüngst. Der hohe Preis lasse sich aber nur dann weiter am Markt durchsetzen, wenn die Unternehmen innovativ seien und technologisch vorangingen. "Umso gefährlicher ist es, wenn manche Maschinenbauer nötige Investitionen in die Digitalisierung verpassen, weil ihnen das Geld oder das Personal fehlt".

Deutschland KUKA Robotics (picture alliance/dpa/O. Berg)

Der ehemals deutsche Roboterhersteller Kuka ist inzwischen in chinesischer Hand.

Zugleich gingen chinesische Unternehmen in Deutschland auf Einkaufstour. So schluckte beispielsweise der Mischkonzern Midea den Augsburger Roboter-Hersteller Kuka. Eine Übernahmewelle durch ausländische Investoren erwartet Brodtmann jedoch nicht. Davor schütze vor allem die mittelständische Struktur der Branche mit ihren weitgehend unbekannten Marktführern, die oft in Familienhand seien.

"Diese Hidden Champions machen aus Sicht der Investoren ein zu kleinteiliges Geschäft, das passt nicht in deren Umsatz- und Renditevorstellungen." Brodtmann ist zuversichtlich, dass die Branche dank ihrer Spezialisierung auch in zehn Jahren insgesamt noch eine starke Position haben wird. "Deutschlands Maschinenbau fürchtet sich vor keinem Wettbewerber".

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