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Fokus Südosteuropa

Marihuana statt Tomaten

Der illegale Anbau von Marihuana in Bulgarien boomt. Cannabis wird auf Balkonen und in Hinterhöfen angebaut. Selbst Rentner machen mit. Marihuana wird als "Rentenaufbesserung" in Südbulgarien immer populärer.

Marihuana-Blätter (Foto: Fotolia)

Der Cannabisanbau verspricht viel Geld

Statt Tomaten Marihuana anbauen. Das ist der neue Trend im Süden Bulgariens. Letztlich führten Hinweise die Polizei ins kleine Dorf Dolna Ribnitza, unweit der Grenze zu Griechenland. Dort haben die Gesetzeshüter fast 1,5 Tonnen Cannabis beschlagnahmt. Hinter einem hohen Zaun auf einer Fläche von etwa 2000 Quadratmetern haben die Rentner Stefan und Slavka Trentschevi Marihuana in drei Treibhäusern angebaut.

Den Polizisten erklärt Slavka Trentscheva, dass sie Geld für eine Hüftoperation gebraucht habe. "Ich habe weder jemanden getötet, noch jemanden ausgeraubt. Ich habe keine Straftat begangen", sagt die alte Frau. Im Dorf ist bekannt, dass im naheliegenden Wald unzählige Cannabisplantagen angelegt sind. Die Einheimischen erzählen schmunzelnd, dass das Rauschmittel als Anbaukultur genauso verbreitet sei wie die Tomaten. Es gebe aber einen Unterschied: mit Cannabis verdiene man viel mehr Geld.

Lukratives Geschäft

Ein Mann raucht einen Joint vor einem Plakat mit einem Cannabisblatt (Foto: ap)

Aus einem Kilo Marihuana können über 1000 Joints gedreht werden

Aus den Blüteständen und Blättern einer Hanfpflanze bekommt man 200 bis 500 Gramm getrocknetes Marihuana. Aus einem Kilo können über 1000 Joints gedreht werden. Auf dem Schwarzmarkt zahlt man bis zu 30 Leva (15 Euro) für ein Gramm. So ergibt sich der stolze Endpreis von 15.000 Euro pro Kilo.

In den letzten Jahren entdeckt die Polizei immer wieder geheime, meistens schwer zugängliche Flächen, wo die Pflanze angebaut wird. "Es handelt sich um eine kriminelle Tätigkeit, die wir seit langem beobachten", erklärt Bojko Dunkin, Polizeichef in der südbulgarischen Stadt Blagoevgrad. In diesem Jahr wurden in der Gemeinde 118 Cannabis-Delikte registriert. In 42 Fällen sind die Täter bekannt. In Südbulgarien werden fast täglich neue Cannabisplantagen entdeckt. Neben den günstigen Klimabedingungen gibt es eine weitere Erklärung für den Boom: Blagoevgrad ist nicht weit von Thessaloniki in Griechenland entfernt. Und die bulgarische Hauptstadt Sofia ist ganz in der Nähe. Ein Millionenmarkt also.

Cannabis von Oma und Opa

Nahaufnahme von einer Tomate (Foto: Bilderbox)

Mit Tomatenanbau verdienen die bulgarischen Rentner zu wenig

Stefan und Slavka Trentschevi sind kein Einzelfall. Immer häufiger sind es ältere Menschen, die sich mit illegalem Anbau von Marihuana beschäftigen. Sie wollen angeblich nur ihre mickrigen Renten aufbessern. Bojko Dunkin ist sprachlos: "Es kann doch nicht sein, dass sie aus Armut Cannabis anbauen! Hier in der Region ernähren sich die Leute vom Gemüseanbau."

Ein Kilo Gemüse kann man aber nicht für eine vierstellige Euro-Summe verkaufen. In den meisten Fällen seien die Rentner nur ein Glied in einem sehr gut organisierten kriminellen Netzwerk von Herstellern, Vermittlern und Verkäufern, sagt Bojko Dunkin. Die älteren Menschen werden in den Vordergrund gestellt, damit die wirklichen Täter der Strafe entgehen. Dafür bekommen die Rentner Summen, die weit über ihrem durchschnittlichen Einkommen liegen. "Oft steht hinter den alten Leuten ein Enkel oder ein Cousin. Die Älteren opfern sich für ihre Verwandten. Vor Gericht werden aber auch Menschen in hohem Alter gestellt. Wenn sie sich an einer kriminellen Tätigkeit beteiligen, dann ist ihnen bewusst, was sie tun. Deswegen sollten sie auch die Konsequenzen tragen", erklärt der Chef des Polizeipräsidiums in Blagoevgrad.

Autor: Yordanka Yordanova

Redaktion: Alexander Andreev

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