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Amerika

Maradona kontert

Einen Tag nach seinem Rauswurf als argentinischer Fußball-Nationaltrainer hat Diego Maradona schwere Anschuldigungen gegen Verbandspräsident Julio Grondona und Generaldirektor Carlos Bilardo erhoben.

Diego Armando Maradona (Foto: AP)

Ex-Nationaltrainer Diego Armando Maradona

"Grondona hat mich belogen, Bilardo hat mich hintergangen", so Diego Maradona auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (28.07.2010) in Buenos Aires. Der 49-Jährige, der in Argentinien wie ein Nationalheiliger verehrt wird, erinnerte daran, dass Grondona ihn "noch in Südafrika und vor Zeugen" für seine Arbeit als Trainer beglückwünscht und den Wunsch geäußert habe, mit ihm weiterzumachen. Erst nach der Rückkehr nach Argentinien, nach dem vorzeitigen Aus im WM-Viertelfinale gegen Deutschland (0:4), sei ihm dann mitgeteilt worden, dass sieben Mitglieder aus seinem Betreuerstab gehen müssen. "Das war so, als ob er gesagt hätte, dass ich selbst weg vom Fenster sei", sagte Maradona weiter.

Alleingang vor der Presse

Maradona hatte die Pressevertreter am Mittwoch eingeladen um eine rund zehnminütige Erklärung zu verlesen. Fragen wurden nicht zugelassen. Argentinische Journalisten äußerten im Fernsehen die Vermutung, Berater könnten Maradona die Erklärung aufgeschrieben und ihm geraten haben, keinerlei Fragen zu beantworten, weil er dann vielleicht einen Schwall an Beleidigungen abgelassen hätte. Am Vortag hatte der argentinische Fußballverband AFA Maradonas Vertrag nicht verlängert, weil er die geforderten Änderungen in seinem Mitarbeiterstab abgelehnt hatte.

Ein Bild aus bessern Tagen: Im November 2008 stellten AFA-Manager Carlos Bilardo (li.) und AFA-Präsident Julio Grondona (re.) Maradona als neuen Nationatrainer vor (Foto: AP)

2008 waren sie noch ein Team: Manager Bilardo (li.), Präsident Grondona (re.) und Maradona

"Wenn sie an meine Mitarbeiter wollen, bin ich weg", hatte der Weltmeister von 1986 in einem TV-Interview gesagt. Doch Grondona bestand offenbar auf einer Trennung von seinen Assistenten Alejandro Mancuso, einem engen persönlichen Freund Maradonas, und Héctor Enrique, mit dem er 1986 zusammen Weltmeister wurde.

In seinem Alleingang betonte der Weltmeister von 1986, er fühle sich hintergangen. Vor allem seinem ehemaligen Nationaltrainer Carlos Bilardo machte Maradona schwere Vorwürfe. "Als wir noch dem WM-Aus nachtrauerten, arbeitete Bilardo schon im Hintergrund daran mich rauszuwerfen."

Gegenangriff von Bilardo

Der so attackierte ging noch am Mittwoch selbst zum Gegenangriff über. "Ich möchte wissen, worin ich ihn betrogen habe", so Bilardo gegenüber der Zeitung Clarín. Er habe Maradona "alles gegeben" und sich für eine Vertragsverlängerung um weitere vier Jahre stark gemacht, so Bilardo, der hinzufügte: "Bei Deiner Arbeit kannst Du nicht alle Deine Freunde mit Jobs versorgen," – eine klare Botschaft an Mancuso. Zwischen dem AFA-Generaldirektor und dem Trainerfreund und –assistenten war es während der WM-Vorbereitung immer wieder zu tiefen Differenzen gekommen.

Argentinische Fußballfans protestieren gegen den Rauswurf von Maradona als Nationaltrainer (Foto: AP)

Fans protestieren in Buenos Aires gegen den Rauswurf Maradonas

Maradona selbst sah sich mit seiner Arbeit auf dem richtigen Weg. Er habe die Spieler wieder zu einer Einheit zusammengeschweißt, aber man habe ihm keine Zeit gelassen, die Sache zu Ende zu führen. Dass die Nationalelf seit 1990 nicht mehr über ein WM-Viertelfinale hinausgekommen ist, habe allein mit falschen Entscheidungen "von oben" zu tun.

Einen Nachfolger für Maradona gab der Verband noch nicht bekannt. Beim Länderspiel der Argentinier am 11. August in Dublin gegen Irland sitzt als Interims-Trainer Maradonas früherer Teamkollege Sergio Batista auf der Bank. Bis zum Länderspiel am 7. September in Buenos Aires gegen Weltmeister Spanien will Grondona einen neuen Chefcoach gefunden haben.

Autorin: Mirjam Gehrke (dpa/sid)
Redaktion: Marco Müller

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