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Wirtschaft

"Man kann nur ausgeben, was man verdient"

Die Kultur des Schuldenmachens sei Grund für die US-Finanzkrise, sagt AWD-Chef Carsten Maschmeyer im DW-WORLD-Interview und gibt Anlagetipps für heikle Börsen-Zeiten.

AWD-Chef Carsten Maschmeyer (3.12.2007, Quelle: DPA)

Schulden vermeiden ist die beste Geldanlage, sagt AWD-Chef Carsten Maschmeyer

DW-WORLD: Ist die Gier der Banken und Versicherungen für die Krise an den Aktien- und Finanzmärkten verantwortlich?

Carsten Maschmeyer: Jein. Die Menschen in Amerika sind es gewohnt, alles auf Pump zu kaufen und die Menschen müssen lernen, dass man nur das ausgeben kann, was man verdient hat. Natürlich haben die Banken mitverdient bei diesen Krediten. Eine Bank pendelt auch zwischen der Angst, ob der Gläubiger zurückzahlt und der Gier, die Gewinne zu erhöhen. Man verdient an Krediten, die ordnungsgemäß bedient werden. Ich habe als Kind gelernt, wenn Sie ein Auto kaufen wollen und sparen, dann kostet es nur halb so viel, weil sie Zinsen bekommen. Wenn Sie nicht warten können und sich das Geld leihen, dann zahlen Sie für das Auto das Doppelte.

Was raten Sie Ihren Kunden in der derzeitigen Situation? Wo würden Sie investieren?

Die jetzige Crashsituation von einem Minus von etwa 20 Prozent an den Aktienmärkten muss man langfristig einordnen. Der Dax war im April 2003 bei 2500 Punkten. Wenn uns einer gesagt hätte, dass der Dax jetzt bei 6400 Punkten ist, hätten wir Champagner bestellt. Man muss es langfristig sehen. Aktien bringen – über 200 Jahre untersucht – weltweit 7,9 Prozent im Schnitt. Da sind Jahre dabei, wo man drei, vier Jahre hintereinander 20 Prozent Prozent Gewinne macht, da gibt es auch Jahre mit 30, 40 Prozent Rückgang. Die Bürger sollten langfristig in Aktienfonds investieren, nicht auf einen einzigen Titel. Sie sollten monatlich kaufen, um die Cost-Average-Methode zu nutzen (bei monatlichen Sparplänen können Kursschwankungen und Risken ausgeglichen werden, indem bei fallenden Fondskursen eine höhere Anzahl von Anteilen erworben wird und bei steigenden Kursen eine geringere Anzahl). Und am besten sollten sie in die Altersvorsorge investieren, dann haben sie Garantien und sie kriegen noch Zuschüsse. Die beste Geldanlage der Welt ist Schulden vermeiden und die zweitbeste ist, etwas für die Altersvorsorge zu tun.

Sie haben den Einbruch an den Finanzmärkten bereits vor Wochen vorhergesagt. Was waren Ihre Indizien für die Krise in den USA?

Die hohen Schulden und die hohe Kreditvergabe. Wenn Banken Bürgern anbieten, dass sie ein Haus kaufen können und 110 Prozent geliehen bekommen, dann kann das nicht langfristig gut gehen. Meine Kinder haben es eigentlich bei unserem letzten Urlaub in Florida im vergangenen Jahr entdeckt. Die sagten "Guck mal Papa, da sind so viele Kräne." Und ich sagte "Ja und…" – "Ja, die bewegen sich aber nicht." Das heißt, in Amerika wurden die Bauten still gelegt. Denn die Banken haben gesagt, wir investieren nicht einen Dollar mehr. Da merkte man, was los ist. Alles auf Pump, alles gegenseitig versichert und der letzte hat den schwarzen Peter. Und jetzt wird das Problem noch größer, weil die Institute Abschreibungen haben, große Banken und Versicherungen haben hunderte Millionen von Beteiligungen und die sind seit einigen Tagen 20 Prozent weniger wert. Jetzt kommen wir in die negative Spirale.

Können denn Gesetze in einzelnen Staaten zum Beispiel für mehr Transparenz bei Anlage-und Hedge-Fonds die Risken an den Finanzmärkten minimieren?

Ich bin in Deutschland geboren und habe einen deutschen Pass, aber ich lebe auf der Erde. Wir haben keine Grenzen mehr. Wir sind durch das Internet eine Erde und es nützt überhaupt nichts, wenn ein Land Gesetze gegen Hedge-Fonds macht, Gesetze gegen Übernahmen. Dann fährt der Investment-Fonds hundert Kilometer weiter und macht es von dort. Wir brauchen für diese Dinge Regeln, die weltweit für Transparenz sorgen. So lange es die Cayman-Inseln gibt oder in den USA andere Gesetze gelten, sind wir nur die Dummen, die uns selber ein Bein stellen würden. Bei Nokia zum Beispiel haben wir uns gefreut, als sie nach Deutschland kamen, sie hätten ja damals auch in Finnland damals bleiben können.

Carsten Maschmeyer startet seine Karriere nach abgebrochenem Medizinstudium als Vertreter für Lebensversicherungen. Mit 28 Jahren macht er sich mit einem eigenen Unternehmen, dem Allgemeinen Wirtschaftsdienst (AWD), selbstständig. Innerhalb von zehn Jahren baut er es - nach eigenen Angaben - zu Europas führendem unabhängigen Finanzdienstleister aus. Die Versicherungs- und Bankenbranche beobachtet AWD und die Erfolge der Finanzberater jahrelang skeptisch wegen angeblich unseriöser Geschäftspraktiken. 2000 geht er mit seinem Unternehmen an die Börse, die Aktie wird in den M-DAX aufgenommen. Rund 1,8 Millionen Privatkunden hat das Unternehmen im vergangenen Jahr beraten und betreut.

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