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Asien

Malala beherrscht Pakistans Schlagzeilen

Die meisten Pakistaner verurteilen das Attentat auf die 14-jährige Malala Yousafzai. Für viele wird sie zur Ikone. Einige wenige wittern dagegen eine Verschwörung. Das Mädchen wurde nach Großbritannien ausgeflogen.

Seit einer Woche kämpfen Ärzte um das Leben der 14-jährigen Malala Yousafzai. Zuerst in Peshawar, dann im Militärkrankenhaus von Rawalpindi. Von Anfang an hatten die Mediziner über eine Verlegung ins Ausland beraten, der körperliche Zustand des Mädchens war aber zu ernst für einen Transport. Knapp eine Woche nach dem Verbrechen wurde die schwerverletzte Jugendliche jetzt zur weiteren Behandlung nach Großbritannien ausgeflogen, am Montagnachmittag (15.10.2012) landete ein Flugzeug mit ihr an Bord in Birmingham. Das dortige Queen Elizabeth Hospital ist spezialisiert auf die Behandlung verwundeter Soldaten.

Eine Frau mit Malala-Plakat reckt die Hand anklagend in den Himmel (Foto: RIZWAN TABASSUM/AFP)

Die Mehrheit der Menschen in Pakistan verurteilt den Anschlag auf das 14-jährige Mädchen scharf

"Wir haben der pakistanischen Regierung unsere Hilfe angeboten, weil Malala besondere Spezialisten-Betreuung benötigt", sagte eine britische Regierungssprecherin. Die pakistanische Regierung zahle alle Kosten für Transport, Einreise, medizinische Versorgung, Unterbringung und Verpflegung für Malala sowie ihre Begleitung, hieß es weiter. Das pakistanische Militär teilte unterdessen mit, dass die Schülerin nach Einschätzung der Experten wegen der "physischen und psychologischen Folgen" des Angriffs intensive Pflege benötige. Sie werde längere Zeit brauchen, um sich von dem erlittenen Trauma zu erholen. Am vergangenen Dienstag hatten Taliban-Kämpfer dem Mädchen im Swat-Tal gezielt in den Kopf geschossen. Der Anschlag hatte in Pakistan und international Entsetzen ausgelöst.

Verdächtigungen und Vorwürfe im pakistanischen Internet

Mehr denn je ist Malala seit dem Mordanschlag in Pakistan zu einer Ikone geworden, zu einem Symbol im Kampf gegen die Extremisten. Immer wieder kommt es im Land zu offenen Sympathiebekundungen, Menschen beten für sie, zünden Kerzen an, tragen ihr Bild durch die Straßen von Islamabad, Karachi oder Lahore. Auch im pakistanischen Internet ist der Fall der jungen Aktivistin ein Dauerthema. Neben Entsetzen über die Tat tauchen in den Sozialen Netzwerken aber auch durchaus Kommentare auf, die in eine ganz andere Richtung gehen: "Die CIA steckt hinter der Attacke auf Malala", "Malala war eine US-Agentin" oder "Das Ganze ist eine Verschwörung, um die Taliban und den Islam zu verleumden" - auf den Facebook- und Twitterseiten gibt es einige solcher und ähnlicher Posts und Tweets. Und das, obwohl die Taliban sich selbst gleich nach der Tat zu dem Verbrechen bekannt hatten.

Menschen mit Malala-Porträts und Kerzen bei einer Gedenkfeier (Foto: Reuters)

Immer wieder gehen die Menschen für Malala auf die Straßen

Liberale Analysten in Pakistan erklären die kritischen Kommentare mit der Faszination, die von Verschwörungstheorien ausgehe. In einem Land, dessen Wirtschaft am Boden liegt, in dem sich Inflation und Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau befinden, in dem es regelmäßig zu Selbstmordattentaten kommt und dem junge Leute in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft massenhaft den Rücken kehren, liege es für viele Menschen einfach nahe, den Westen für alle Nöte verantwortlich zu machen. Für den Psychologen Hameed Satti aus Islamabad erklären sich derartige Meinungsäußerungen vor allem durch die allgemeine Befindlichkeit der pakistanischen Bevölkerung. "Meiner Meinung nach ist so etwas nur der Versuch, die Verantwortung auf andere zu schieben", meint Satti. "Anstatt sich mit der bitteren Realität auseinanderzusetzen, suchen wir lieber nach anderen Schuldigen. Das ist unsere Art der Verteidigung."

Ein Vorbild für viele

Porträt von Malala Yousafzai (Foto: picture-alliance/dpa)

Seit mehr als drei Jahren setzt sich Malala Yousafzai vor allem für Mädchen ein

Trotz der im Internet kursierenden Verschwörungstheorien - für die Mehrheit der Pakistaner ist Malala Yousafzai vor allem eins: ein sehr mutiger Mensch, der sich nicht von den Taliban einschüchtern ließ. "Malala, du bist das Licht am Ende eines dunklen Tunnels", schreibt beispielsweise Ankahi Baatein als Leserkommentar zu einem Artikel in der englischsprachigen Tageszeitung "Dawn". "Ich bete dafür, dass du noch stärker zurückkehrst und mit noch lauterer Stimme Bildung für Mädchen einforderst. Mögen dich andere Malalas bei deinem Kampf unterstützen."

Die pakistanische Autorin und Aktivistin Zahida Hina bezeichnete gegenüber der Deutschen Welle die Taliban als "Barbaren, die nicht an die Menschlichkeit glauben". Malala sei für die radikalen Islamisten eine Bedrohung gewesen, weil sie ein leuchtendes Beispiel für junge Mädchen war. "Durch das Attentat wollten die Taliban andere warnen, es ihr gleichzutun", so Hina. Vor mehr als drei Jahren hatte Malala Yousafzai begonnen, auf einer Blog-Seite des BBC-Urdu-Service über Gräueltaten der Taliban im Swat-Tal zu schreiben. Diese hatten in ihrer Heimat unter anderem zahlreiche Mädchenschulen geschlossen oder zerstört. Für ihr mutiges Engagement war das Mädchen im vergangenen Jahr mit dem erstmals verliehenen pakistanischen Friedenspreis ausgezeichnet worden. Außerdem war sie - ebenfalls 2011 - für den Internationalen Kinder-Friedenspreis nominiert.

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