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Deutschland

Mahmud Dschibril - Der Schattenkandidat

Eigentlich ist er selbst gar kein Kandidat, dennoch war er im Wahlkampf in Libyen auf allen Wahlplakaten abgebildet: Mahmud Dschibril. Doch wer ist der Mann, der vor der Revolution noch unter Diktator Gaddafi diente?

Er hätte es auch einfacher und bequemer haben können. Hätte sich Mahmud Dschibril im Jahr 2007 nicht dazu entschieden, in sein Heimatland Libyen zurückzukehren, würde er heute noch in den USA leben, Management-Bücher schreiben und als Finanzberater arabischer Königshäuser viel Geld verdienen. Doch damals ließ er sich vom - zur jener Zeit noch - reformorientierten Gaddafi-Sohn Saif al-Islam überzeugen, heimzukehren und Chef des "Nationalen Rats für wirtschaftliche Entwicklung" zu werden. Auf diese ungewöhnliche Heimkehr beruht in Libyen bis heute Dschibrils hohes Ansehen in der Bevölkerung, auch wenn er sich vom Gaddafi-Clan vereinnahmen ließ. Doch wer habe das früher in Libyen nicht getan?, fragen die meisten seiner Landsleute. Karriere habe man damals eben nur durch Gaddafis Gnaden machen können.

Mahmud Dschibril (Foto: dapd)

Chef der libyschen Übergangsregierung: Mahmud Dschibril

Der Weltreisende der Revolution

Obwohl Dschibril bald erkannte, dass in Gaddafis Libyen kein Platz für Reformen war, versuchte er, ausländische Investoren ins Land zu bringen und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Doch im März 2011 sah er keinen Ausweg mehr, Dschibril sagte sich vom Regime los und schlug sich auf die Seite der Rebellen. Prompt machten die ihn zu ihrem Außenminister. Seitdem bewegt sich der 60-Jährige sicher auf dem internationalen Parkett. Er traf den damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und den deutschen Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Sarkozy überzeugte er davon, den Rebellenrat frühzeitig anzuerkennen. Dschibril wurde zum Weltreisenden in Sachen Revolution. Weitere Anerkennung erhielt er auf indirektem Wege über das Internet-Portal Wikileaks, welches Depeschen der US-Botschaft in Tripolis veröffentlichte, die Dschibril als "ernsthaften Gesprächspartner" beschrieben, der die USA ermunterte, sich in Libyen stärker zu engagieren.

Westerwelle trifft Vorsitzenden des Exekutivrates des Nationalen Übergangsrates Libyens Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP, r.) und der Vorsitzende des Exekutivrates des Nationalen Uebergangsrates Libyens, Mahmud Dschibril, geben am Donnerstag (30.06.11) in Berlin im Auswaertigen Amt eine Pressekonferenz. Mittelpunkt der Gespraeche war die aktuelle Lage in Libyen. Foto: Patrick Sinkel/dapd

Mahmud Dschibril trifft Guido Westerwelle (re.)

Aufgrund seines großen politischen Fachwissens und seiner diplomatischen Art wird Dschibril von den westlichen Regierungschefs sehr geschätzt. Dschibril steht für einen liberalen Staat und setzt sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Diese moderne Haltung führt jedoch dazu, dass ihn die Islamisten im Land als Politiker strikt ablehnen. Ende September 2011 beugte sich Dschibril dem zunehmenden Einfluss der islamistischen Gruppen und erklärte, dass er bei der zukünftigen Regierungsbildung nicht mehr zur Verfügung stehen werde.

Studium in den USA

Obwohl er als Ministerpräsident hinter Mustafa Abdul Dschalil eigentlich nur als die Nummer zwei im Übergangsrat gilt, ist es dennoch Dschibril, der prominenter im internationalen Rampenlicht steht, was einen einfachen Grund hat: Dschibril spricht exzellent Englisch, da er drei Jahrzehnte in den USA gelebt, an der Universität Pittsburgh studiert und strategische Wirtschaftsplanung gelehrt hat. Später führte er ein Team von Wissenschaftlern an, das ein einheitliches arabisches Handbuch für die Ausbildung von Top-Managern ausarbeitete, und er leitete etliche Wirtschaftsseminare. Auf diese Weise ist Dschibril mit der Geschäfts- und Finanzelite der arabischen Welt gut vernetzt.

Der Vorsitzende des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil (Foto: dpa)

Bisher in Dschibrils Schatten: Abdul Dschalil

In Libyen gehört Mahmud Dschibril zum Lager der Liberalen. Um die Isamlisten aber nicht zu vergraulen, gibt er sich Mühe, religiöse Themen zu berücksichtigen. Vor allem die Jungen und Gebildeten wählen seine Partei, weil sie in ihren Augen für ein modernes Libyen steht.

Seine Kritiker halten ihm hingegen immer wieder seine Vergangenheit unter Diktatorensohn Saif al-Islam al-Gaddafi vor und beschuldigen ihn der Geschäftemacherei. Deswegen lehnen sie ihn und seine Partei ab. Persönlich wird Dschibril kein Regierungsamt mehr übernehmen, er könne in Zukunft eine bessere Rolle außerhalb der Regierung spielen, sagte er in einem Interview. Es sei wichtiger, die jungen Menschen in Libyen in die Lage zu versetzen, selber neue politische Führer hervorzubringen, als wenn er persönlich noch einige Monate länger in seinem Amt verweilen würde, begründete er seinen Verzicht.

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