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Afrika

Hoffnung und Sorgen nach der Wahl

Ein Tag für die Geschichtsbücher: Nach Jahrzehnten der Dikatur haben in Libyen erstmals wieder demokratische Wahlen stattgefunden. Mit Spannung warten die Bürger nun auf das Ergebnis.

Der Glücksmoment des ersten Mals vergeht viel zu schnell. Mit jeder Minute, die seit der Wahl vergeht, kehren bei Meftah Lahwel und seinen Freunden die Sorgen zurück vor dem, was jetzt kommt. Statt auf der Straße zu feiern, wie Tausende andere junger Libyer, trifft sich der Medizinstudent mit seinen Freunden in einem Cafe, um zu beraten, was sie nun tun können, um ihr Land voranzubringen. "Die Wahl ist nur ein Schritt, ein Schritt in einer langen Kette. Bis jetzt haben wir nur die Wahlen geschafft, wir haben noch viel Arbeit vor uns", sagt Meftah Lahwel. Die nächsten Schritte hin zur Demokratie könnten anstrengend werden, doch seine Hoffnung ist groß, dass die Euphorie des Wahltages die Libyer noch lange motiviert.

Wie viele Hauptstädter haben Meftah Lahwel und seine Freunde die Feiern des Wahltages genossen: Ganz Tripoli ist in Fahnen gehüllt, überall erklingen die Hymnen der Revolution und Freudenschreie. Viele Libyer vergleichen den Wahltag mit einem Hochzeitsfest, lange Warteschlangen wurden so zu Feierlichkeiten, bei denen Ordner Wasser und Süßigkeiten verteilen.

"Historische Zäsur"

Libyer feiern Foto: Amel Pain (EPA)

Feierlaune: Libyer am Wahltag

Selbst erfahrene Wahlbeobachter der Europäischen Union sind von so viel Emotionen berührt. Der Europa-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff, der für die EU diese Wahl beobachtet, spricht von einer "historischen Zäsur". Gleich hinter ihm skandiert ein älterer Mann, der kaum noch gehen kann, immer wieder Freuden-Ausrufe. So glücklich ist er, dass er nach seinen letzten Wahlen zu Zeiten des libyschen Königs doch noch einmal seine Stimme abgeben durfte.

Für viele junge Menschen ist es ein Triumph, dass ihr Protest etwas bewegt hat, das nun greifbar ist. "Ich war sehr aufgeregt: hoffentlich machen sie daraus etwas Gutes, so dass unser Land den Weg zur Demokratie fortsetzen kann oder es wird traditionelle Verfassung wie in jedem anderen arabischen Land, dann wäre es alles umsonst gewesen", sagt Wasef Salem Albdrani, der ebenso wie sein Freund Meftah Lahwel gerne noch optimistischer sein würde. Noch ist den beiden die Lage allerdings zu vage. Mit Blick auf Ägypten und Tunesien befürchten sie, dass Libyen die Errungenschaften seiner Revolution wieder verlieren könnte. "Leider stehen wir vor der großen Gefahr eines religiösen Staates. Wenn wir jetzt nicht für unsere Meinung einstehen und etwas für Menschenrechte und Demokratie tun, steht uns ein Alptraum bevor und das müssen wir verhindern."

Männer die für Frauenrechte kämpfen

Damit das Land den richtigen Weg einschlägt, müsse jeder dazu beitragen, eine Zivilgesellschaft in Libyen aufzubauen, fordern sie. Wasef Salem Albdrani und Meftah Lahwel selbst haben einen Verein gegründet, der Frauenrechte fördert. In einer traditionellen Gesellschaft wie der libyschen, wo viele Frauen nur in Begleitung ihrer Männer und Brüder zur Wahl gehen, ist es ungewöhnlich, dass sich Männer für dieses Thema einsetzen. Doch für Meftah und Wasef ist das nur selbstverständlich. Frauenrechte sind für sie Menschenrechte, die in ihrem Land besonders dringend verbessert werden müsse. Sie wollen durchsetzen, dass in einer Demokratie alle eine Stimme und gleiche Rechte bekommen.

Frau im Wahllokal in Tripolis Foto: Essam Zuber (DW)

Wahl als Auftakt: Libyens Weg zu einem neuen politischen System

"Ich bin nicht politisch, ich konzentriere mich auf das Soziale. In der Geschichte haben sich Länder verändert und verbessert, wenn soziale Themen eine Rolle gespielt haben: Menschenrechte, Gesundheitsvorsorge, Bildung", sagt Meftah Lahwel. Mit ihrem Verein bilden sie daher junge Frauen aus, erklärt ihnen ihre Rechte. Sie versuchen, ihnen so eine Stimme zu geben und hoffen, dass Frauen so auch bei der verfassungsgebenden Versammlung ausreichend Gewicht bekommen.

Dass Libyen nach mehr als vier Jahrzehnten unter Gaddafi ein komplett neues politisches System aufbauen muss, begreifen Meftah und Wasem als große Chance, die sie nun nutzen müssen: "Wenn die Religiösen jetzt die Kontrolle bekommen, die Traditionen und Stämme alles bestimmen, dann wird das kein demokratisches Land werden. Deshalb müssen wir alles dafür tun, ihrem Einfluss auf die Verfassung etwas entgegen zu setzen. Wenn das gelingt, wird es ein wirklicher Erfolg", sagt Wasef Salem Albdrani. Für ihn und seine Freunde hat die eigentliche Revolution erst jetzt begonnen.

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