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Welt

"Made in China" - aber ohne Chinesen

Mehr Maschinen, weniger Menschen: Die deutsche Firma Fackelmann hat in China Hunderte Arbeiter entlassen, um Kosten zu sparen. Mittlerweile lohnt sich für den Haushaltswarenhersteller auch wieder die Produktion zu Hause.

China ist nicht mehr das, was es mal war. Vor zehn bis zwanzig Jahren zogen deutsche Konzerne noch in Scharen ins Niedriglohnland, um günstig für den Weltmarkt produzieren zu können. Aber die Lohnkosten sind dort immer weiter gestiegen. "Was gerade in China stattfindet, kennen wir aus den fünfziger und sechziger Jahren in Deutschland", meint Robert van Loosen, Marketingleiter des deutschen Unternehmens Fackelmann. Mit zunehmender Industrialisierung gebe es dort immer mehr Maschinen, die einfach produktiver und effizienter arbeiteten. Und dadurch brauche man jetzt auch in China deutlich weniger Personal.

"Früher hat man drei Leute an eine Maschine gestellt, heute stellt man einen chinesischen Arbeiter an drei Maschinen", beschreibt van Loosen den Unterschied. Das Unternehmen Fackelmann hat seit 1987 ein Büro in China und produziert dort seit 2000. Viele Firmen müssen sich entscheiden: Entweder sie setzen sich mit den veränderten Rahmenbedingungen in China auseinander, investieren und modernisieren, oder sie ziehen sich aus dem Markt zurück.

Vom Produktions- zum Absatzmarkt

Backform (Foto: Fackelmann)

Eine Backform der Firma Fackelmann

Einige dieser Firmen haben allerdings noch nicht erkannt, dass man Geschäftspartnern im Land auf Augenhöhe begegnen muss, meint die Bonner Unternehmensberaterin Therese Geulen im Interview mit der Deutschen Welle: "Das ist ein wachsendes Problem. Die chinesischen Partner sind inzwischen sehr selbstbewusst, und die regulierenden Behörden sind gegenüber der chinesischen Seite sehr wohlwollend." Fackelmann hat sich entschlossen, zu bleiben und zu investieren.

Denn China ist zunehmend auch ein Absatzmarkt für die Produkte, die dort von ausländischen Firmen hergestellt werden - im Sortiment Fackelmanns sind unter anderem Zahnstocher, Pfannenwender, Fliegenklatschen oder Backformen. "China ist weniger attraktiv, um Kosten einzusparen", sagt Christoph Zanker vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe im DW-Gespräch. Jetzt sei vor allem das Wachstum des Marktes dort interessant. Das sieht Fackelmann-Marketingleiter van Loosen auch so. "Mittlerweile verkaufen wir in China selber."

Neben dem Inlandsmarkt sei China auch noch als Standort für den ganzen ostasiatischen Raum wichtig. Fackelmann etwa hat dort in den vergangenen Jahren neue Vertriebsstandorte aufgebaut. Viele Firmen haben gar keine andere Wahl, als mitzuziehen, Zulieferer für die Automobilbranche zum Beispiel. "Mittlerweile hat jeder Automobilhersteller große Produktionsstandorte in China", sagt Christoph Zanker vom ISI. "Da muss man quasi vor Ort sein, um überhaupt noch zuliefern zu können."

Arbeiter in der Dongguan Da Lang Wealthwise Plastic Factory in Dongguan, China (Foto: AP)

So kennt man chinesische Fabriken. Aber auch hier setzen Unternehmen zunehmend auf Maschinen.

Viele deutsche Unternehmen bleiben deshalb in China, zumindest dann, wenn sie mit den dort herrschenden Bedingungen zurechtkommen. Marktbeobachter Zanker sieht keine große Rückverlagerungswelle in Richtung Deutschland. Allerdings sind deutsche Unternehmen mittlerweile vorsichtiger, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern, meint der ISI-Forscher.

Produktion in Deutschland

Auch im Inland lasse sich inzwischen wieder zu ähnlichen Kosten produzieren. Fackelmann-Marketingleiter Robert van Loosen beschreibt es im DW-Interview so: "Kleine Artikel wie Klebehaken oder Abflusssiebe fallen hier wie dort einfach nur aus der Maschine." Die Kosten, die deshalb in China oder Deutschland anfallen, seien vergleichbar.

Fackelmann überlegt also: Wo wird die Fliegenklatsche später verkauft, und wo muss sie deshalb überall produziert werden, damit es sich später am besten rechnet? Denn ein entscheidender Nachteil der China-Produktion ist nach wie vor, dass europäische Unternehmen nicht sehr schnell reagieren können. "Wenn der Kunde schreit, und er braucht innerhalb von vier Wochen die Ware, dann scheiden Standorte in Fernost fast komplett aus", sagt der Fackelmann-Marketingleiter - allein deshalb, weil die Ware normalerweise wochenlang auf dem Seeweg nach Europa transportiert werden muss.

Trotzdem gilt für den Weltkonzern Fackelmann, dass die Produktion in Fernost weiterhin essenziell wichtig ist, auch für die Distribution vor Ort: "Die meisten Maschinen stehen nach wie vor in China."

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