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Amerika

Machtverlust der USA in Fernost?

Dynamisches Wirtschaftswachstum und steigender Lebensstandard - Ostasiens Einfluss in der Welt nimmt rasant zu. Das stellt die Weltmacht USA vor neue Herausforderungen in der Region.

Symbolbild USA China (Foto: AP)

Ambivalentes Verhältnis: USA und China

"Amerika ist zurück" - Bereits diese Aussage von US-Außenministerin Hillary Clinton während der Unterzeichnung des Vertrages für Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (ASEAN) kündigte einen Wandel in der Ostasien-Politik der USA unter der Obama-Regierung an. Am Rande des Gipfels des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC) am 15. November in Singapur traf sich der US-Präsident erstmalig mit den Regierungsvertretern der ASEAN.

Clinton und Hu Jintao (Foto: AP)

US-Außenministerin Clinton war bereits im Februar in China

"Die Regierung Obama hat jetzt eine flexiblere Herangehensweise, die eine freie Interaktion mit allen Führern der ASEAN-Mitgliedsstaaten ermöglicht", erklärt Robert Sutter, Professor an der Georgetown University in Washington. Das sei sehr hilfreich bei der Annäherung der US-Regierung an die gesamte Region.

Diese flexible Herangehensweise wird am Beispiel von Birma (heute Myanmar) deutlich. Washington leitet hier einen vorsichtigen Kurswechsel ein. US-Diplomaten suchen seit kurzem den Dialog mit der Militärjunta in dem südostasiatischen Land.

Chinas Aufstieg ist eine große Herausforderung

Bush und Hu Jintao (Foto: AP)

Engagierte sich wenig in Ostasien: Ex-US-Präsident George Bush (hier mit Chinas Präsident Hu Jintao)

Unter George W. Bush wäre ein solcher Schritt undenkbar gewesen. In dessen Amtszeit nahm das Engagement der USA in Südostasien ab. In dem Maße, in dem sich die USA aus Südostasien zurückzogen, weitete China seinen dortigen Einfluss stark aus. Die Volksrepublik baut Straßen in Thailand, vergibt Kredite an Indonesien und kauft Rohstoffe in Birma. Auslandschinesen von Vietnam bis Singapur sorgen für einen "guten Draht" zwischen China und den ASEAN-Ländern. Xuewu Gu von der Universität Bonn sieht im Aufstieg Chinas die bedeutendste Herausforderung der USA in Fernost. "Das wird natürlich dazu führen, dass der US-amerikanische Einfluss in der Region dramatisch sinken könnte", erklärt der Politikwissenschaftler. "Es geht darum, wie man sich mit China auseinandersetzen sollte - ein Land, das seit zwei, drei Jahren permanent und energisch versucht, die ostasiatische Region an sich anzubinden."

Vision einer "Ostasiatischen Union"

Euro-Noten vor China-Flagge (Grafik: DW)

Gibt es eine Art Euro demnächst auch in Asien?

Ostasien wird unabhängiger vom Westen. Die multilaterale Zusammenarbeit in der Region nimmt zu. Die ASEAN kooperiert neben China auch mit Japan, Indien, Südkorea und Australien. Auf dem 15. Gipfeltreffen der ASEAN, an dem auch Japan teilnahm, schlug der japanische Ministerpräsident Yukio Hatoyama sogar die Gründung einer "Ostasiatischen Gemeinschaft" mit gemeinsamer Währung vor. Diese Gemeinschaft solle in Zukunft eine globale Führungsrolle übernehmen. Nadine Godehardt vom German Institute for Global and Area Studies in Hamburg hält diese Vision allerdings kaum für realisierbar. "Man hält die nationale Souveränität und die nationale Integrität sehr hoch", so die Asien-Expertin. "Das heißt, die Staaten wollen keine Souveränität abgeben und wollen auch nicht, dass andere Staaten in ihre innenpolitischen Fragen eingreifen."

Dennoch verdeutlicht Hatoyamas Vision, wie ernsthaft die Bemühungen zur multilateralen Kooperation zwischen den ostasiatischen Ländern inzwischen sind. Um seinen Einfluss in der Region zu behalten, so Godehardt, wird sich Washington zunehmend bei den ostasiatischen Kooperationsbemühungen engagieren müssen.

Beziehungen zu China nicht auf Kosten der Verbündeten

Auf der einen Seite ringen die USA mit China um Einfluss in Fernost. Auf der anderen Seite ist jedoch das Wohl beider Staaten eng miteinander verflochten. Die USA sind wichtigster Abnehmer chinesischer Produkte. Gleichzeitig ist das Reich der Mitte Hauptkreditgeber US-Amerikas. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise war Peking ein verlässlicher Partner der USA. Nach Ansicht von Professor Xuewu Gu aus Bonn steht Washington vor einem Dilemma. "Die Obama-Regierung muss ihre Beziehungen zu Peking intensivieren und zwar durch verschiedene Maßnahmen, insbesondere durch konzentrierte und intensivierte Gespräche im Militär- und Verteidigungsbereich." Doch das, so Gu, verursache Misstrauen bei den Japanern. Eines hat Obama in dieser komplizierten Situation bereits deutlich gemacht: Eine Intensivierung der Beziehungen zu China soll nicht auf Kosten des Verhältnisses zu den traditionellen Verbündeten in der Region erreicht werden.

Autor: Christoph Ricking

Redaktion: Anna Kuhn-Osuis