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Europa

Machtkampf um Gasleitungen nach Europa

Der russische Konzern Gazprom soll dem deutschen Energieversorger RWE eine Beteiligung an der russisch-italienischen Gaspipeline South Stream angeboten haben und will so die Nabucco-Pipeline der Europäer vereiteln.

Infografik Ostsee Pipeline Nord Stream DEU (Quelle DW)

Ostseepipeline für russisches Gas. Konkurrenz will Gasprom verhindern

Der Chef des Energieriesen RWE, Jürgen Großmann, ließ nach einem Bericht des Handelsblattes über das Angebot des russischen Staatskonzern wissen, RWE halte an seiner Beteiligung an der Nabucco-Pipeline fest. Nabucco solle schließlich mehr Vielfalt bei den Gasquellen bieten und langfristig die Gasversorgung unabhängiger von Russland machen.

Grafik Nabucco-Pipeline. Infografik DW

Nabucco soll Europa unabhängiger von Russlands Gas machen

Gazprom, der Monopolist aus Russland, möchte erreichen, das RWE sich an dem Neubau der Pipeline South Stream beteiligt, die Gas aus Russland durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und Südosteuropa liefern soll. In Konkurrenz dazu will ein europäisches Konsortium unter Führung der österreichischen Firma OMV die Nabucco-Pipeline aus Zentralasien über die Türkei nach Europa führen.

Nabucco ohne Lieferanten

Die Nabucco-Pipeline soll nicht aus russischen Quellen gespeist werden. Das ist der russischen Führung, die eng mit Gazprom verwoben ist, ein Dorn im Auge. Allerdings hat Nabucco, an dem auch RWE beteiligt ist, noch keine belastbaren Lieferverträge mit zentralasiatischen Staaten. Die Verhandlungen mit dem Irak und dem Iran gestalten sich äußert zäh. Russland versucht durch eigene Vertragsverhandlungen mit potenziellen Lieferanten den europäischen Nabucco-Eignern zuvorzukommen.

Günther Oettinger (Foto: dpa)

EU-Energiekommissar Oettinger will Nabucco

Würde es Gazprom gelingen, RWE aus dem Nabucco-Verbund zu lösen, wäre das eine schwere Belastung für das Pipeline-Konsortium, das von der Europäischen Kommission in Brüssel gefördert wird. Der zuständige EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, sagte im Deutschlandfunk: " Nabucco ist eine Chance, aber sie ist nicht entschieden. Es geht um viele Milliarden, die investiert werden müssen, in den Gasfeldern, im Leitungsnetz von Österreich über die Mitgliedsstaaten wie Türkei, Georgien, nach Aserbaidschan. Es geht um die notwendige Menge von mindestens 30 Milliarden Kubikmetern pro Jahr, die zum Beispiel Aserbaidschan allein nicht erbringen kann. Das heißt, das Ganze ist ein komplexes Gebäude, aber es wäre im Interesse der Europäischen Union und die Chancen stehen unverändert gut."

EU will mehr Quellen erschließen

Die EU-Kommission erwartet, dass die beteiligten Firmen bis Ende des Jahres erklären, ob und wann sie mit dem Bau der Pipeline beginnen wollen. Bisher sind erste Lieferungen über Nabucco 2014 oder 2015 geplant.

Gaspipelines nach Europa

Infografik, Russisches Gas in Europa

Russland und Deutschland bauen bereits die Pipeline Nord Stream durch die Ostsee. Ein erstes Teilstück dieser Pipeline soll schon im nächsten Jahr fertig werden. Dann kann Russland Westeuropa beliefern ohne auf Transitländer wie die Ukraine oder Weißrussland angewiesen zu sein. In den weltweiten Gasmarkt ist auch Bewegung gekommen, weil Europa immer mehr Gas in flüssiger Form per Schiff importiert. Die Preise für Gas sinken, was Russlands starke Stellung untergraben könnte.

Pikant: Die verschiedenen Seiten des Gaspokers werden von ehemaligen Mitgliedern der rot-grünen Bundesregierung beraten. Russland hat sich für Nord Stream die Mitarbeit von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gesichert. Der wiederum ist ein guter Freund des RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann. Schröders ehemaliger Außenminister, der Grüne Joschka Fischer, macht Lobbyarbeit für das europäische Nabucco-Projekt.

Autor: Bernd Riegert
Redaktion: Gero Rueter

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