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Wirtschaft

Lufthansa wehrt sich vor Gericht gegen Streik

Die Lufthansa will den Pilotenstreik per Gerichtsbeschluss stoppen. Sie hält den Arbeitskampf für unverhältnismäßig. Das befürchtete Chaos an den Flughäfen hielt sich unterdessen in Grenzen.

Streik-Button am Anzug eines Lufthansa Piloten (Foto: AP)

Seit Mitternacht bleiben die Lufthansa-Piloten am Boden

Nur wenige Stunden nach Beginn des Pilotenstreiks an diesem Montag (22.02.2010) zog Lufthansa die Reißleine und kündigte juristische Schritte an. Zu groß ist offenbar die Sorge um den wirtschaftlichen Schaden für die Airline, dass sie mit einer einstweiligen Verfügung den Arbeitskampf ihrer Piloten beenden will. Noch für Montagnachmittag setzte das Frankfurter Arbeitsgericht darüber eine Verhandlung an. Direkt danach soll eine Entscheidung fallen.

Schaden abwenden

Zur Begründung erklärte die Lufthansa, der Pilotenstreik sei unverhältnismäßig. Der Vorstand sei verpflichtet, Schaden von Deutschlands größter Fluggesellschaft und ihren Aktionären abzuwenden, teilte das Unternehmen mit. Bei Arbeitskämpfen ist grundsätzlich das Gebot der Verhältnismäßigkeit zu beachten. Vor einem Streik müssen alle Verständigungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden sein.

Piloten in Uniform vor Lufthansa-Flugzeug (Foto: AP)

Piloten-Demo am Frankfurter Flughafen

Hauptstreitpunkt der gegenwärtigen Auseinandersetzung ist die Sicherung von Arbeitsplätzen für Piloten im gesamten Konzern. Seit Mitternacht bestreiken Mitglieder der Vereinigung Cockpit (VC) den Flugverkehr von Lufthansa, Germanwings sowie der Frachttochter Lufthansa Cargo. Die Gewerkschaft befürchtet, Jobs könnten verloren gehen, weil die Lufthansa künftig mehr Strecken von ausländischen Tochterunternehmen bedienen lässt, bei denen die Flugkapitäne weniger verdienen.

Piloten sehen keinen anderen Weg

Am Frankfurter Flughafen ziehen einige Hundert Piloten in Uniform zum "Lufthansa Aviation Center", in dem Teile der Verwaltung untergebracht sind, um für ihre Belange zu demonstrieren. "Für die Passagiere tut es uns natürlich leid, aber wir müssen uns wehren, wir haben keine andere Chance", meint Jörg Handwerg als Sprecher von Cockpit. Die Forderungen der Konzernspitze seien unerfüllbar. Im schlimmsten Fall könne der Arbeitskampf daher sogar über die zunächst geplanten vier Tage hinausgehen: "Wir werden streiken, bis die Lufthansa sich bewegt."

Sonderflugpläne verhindern Chaos

Fluggäste vor Lufthansa-Schalter (Foto: AP)

Wer konnte, ließ seinen Flug umbuchen

Gleichwohl verlief der Auftakt des Arbeitskampfes eher verhalten, denn das befürchtete Chaos an den deutschen Flughäfen blieb aus. Die Lufthansa hatte nämlich im Vorfeld des Streiks einen Sonderflugplan aufgestellt, der nach eigenen Angaben zum großen Teil eingehalten wurde. Zwar sei etwa die Hälfte der geplanten Flüge gestrichen worden, der Notfallflugplan zeige aber Wirkung, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Mit gecharterten Maschinen und sogenannten "Management-Piloten", die normalerweise einen Teil ihrer Arbeitszeit am Schreibtisch verbringen, versuche man, die Löcher zu stopfen.

Vorsorge von zu Hause aus

Außerdem hatten viele Touristen schon von zu Hause aus umgebucht oder storniert. So wurde das Durcheinander aus den Flughäfen im Vorhinein in die Wohnzimmer der Reisenden verlagert.

Trotzdem wurde der erste Tag des Pilotenstreiks für viele Flugreisende zum Ärgernis. Hunderte Flüge wurden annuliert, Tausende Passagiere waren betroffen. Vor allem Durchreisende mussten am größten deutschen Luftdrehkreuz in Frankfurt zum Teil viele Stunden auf Anschlussflüge warten.

Viele stiegen auf die Bahn um

Anzeigentafel am Frankfurter Flughafen (Foto: AP)

Trotz eines Notfallplans wurden Hunderte Flüge gestrichen

Viele Reisende wichen zudem auf zusätzliche Angebote der Deutschen Bahn aus, die auf den Fernverkehrsstrecken Köln-Hamburg und Köln-Berlin zusätzliche Züge einsetzte. Auf der Strecke Hamburg-Kassel-Nürnberg-München wurden die Platzkapazitäten erhöht.

Damit sei die Verhandlungsposition der Piloten in keiner Weise geschächt, gibt sich die Gewerkschaft kämpferisch. Es sei ja nicht das Ziel, die Fluggäste zu verschrecken. Man habe im Gegenteil das Gefühl, es laufe sehr gut. Dass es an den Flughäfen so ruhig bleibe, liege am frühen Stadium des Streiks.

Autorin: Eleonore Uhlich (dpa, apn,rtr)
Redaktion: Hajo Felten

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