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Deutschland

Lobende und kritische Worte von Katsav vor dem Bundestag

Israels Staatspräsident Moshe Katsav hat bei seiner Rede im Bundestag die enge Freundschaft mit Deutschland gelobt. Er kritisierte zwischen den Zeilen aber auch die mangelnde Erziehung gegen den Antisemitismus.

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Freundliche Worte, ernste Worte beim Staatsbesuch in Deutschland

Es waren eindringliche und mahnende Worte, mit denen sich der israelische Staatspräsident Moshe Katsav am Dienstag (31.5.2005) an die Abgeordneten des deutschen Bundestags wandte. "Hier, in diesem Gebäude", so Katsav, "begann die Tragödie, die zur systematischen Ausrottung des jüdischen Volkes führte." Das Trauma der Shoa werde das jüdische Volk bis in alle Ewigkeit begleiten.

Der israelische Praesident Mosche Katzav haelt am Dienstag, 31. Mai 2005, eine Rede im Bundestag in Berlin

Der israelische Praesident Moshe Katsav vor dem Bundestag

"Für die Shoa kann es weder Vergeben noch Verzeihen geben", sagte Katzav weiter. "Zahlreich sind die Angehörigen des jüdischen Volkes, die die von den Nazis tätowierten Zahlen noch auf ihrem Arm tragen. Die seelischen Narben sind auch in der zweiten und dritten Generation noch spürbar. Die Familien der Opfer und Überlebenden der Shoa trauern und weinen bis zum heutigen Tag. Das jüdische Volk fühlt weiterhin den Schmerz und das Leid."

"Erziehung ist unerlässlich"

Die Hoffnung seines Volkes, dass es nach den Gräueltaten der Nazis nie wieder Antisemitismus geben würde, sieht Moshe Katsav enttäuscht: "Wir werden heute Zeugen einer Welle des wiederauflebenden Antisemitismus, wie wir sie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht gekannt haben, einer Welle, begleitet von aggressiver Hetzpropaganda gegen die Juden und gegen den Staat Israel." Er wolle zwar den Regierungen Europas die Wertschätzung seines Landes ausdrücken, unter anderem der Bundesregierung, die mit entschiedenen Schritten gegen die Welle des Antisemitismus vorgingen. Die Maßnahmen reichten jedoch nicht aus. "Unerlässlich sind Gesetzgebung und -ausführung, Erziehung und Aufklärung der Öffentlichkeit."

Katsav macht sich nach eigenen Worten Sorgen über die zunehmende Verankerung neonazistischer Kräfte in der deutschen Öffentlichkeit. Neonazistische Lehren müssten schon im Anfangsstadium bekämpft werden. Aber die deutsche Demokratie werde Wege finden, gegen dieses Problem anzugehen, betonte der israelische Staatspräsident.

Anerkennender Beifall

Moshe Katsav, der mit seiner Rede im Bundestag die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 40 Jahren würdigte, bedankte sich auch für die deutsche Unterstützung für sein Land und nannte Deutschland einen "echten Freund Israels". "Verwandeln wir das Trauma der Vergangenheit in eine Hoffnung für die Zukunft, unsere besondere Beziehung in eine Brücke für die Freundschaft unter den Völkern, einen Anker gegen den Totalitarismus und für menschliche Werte - als Botschaft für Menschlichkeit gegen Rassismus und Antisemitismus."

Am Ende seiner Rede, für die er viel anerkennenden Beifall bekam, ging Moshe Katsav auf die Lage im Nahen Osten ein. Er schilderte die Bedrohung Israels durch die atomaren Ambitionen des Iran und extremistische Kräfte in den Reihen der Palästinenser. Der israelische Präsident betonte aber auch, ein Frieden mit den Palästinensern sei in Reichweite, und diese historische Gelegenheit dürfe nicht versäumt werden.

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