1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Lob und Kritik an Politkowskaja-Ermittlungen

Trotz Fortschritten bei den Ermittlungen im Fall Anna Politkowskaja: Die Frage nach dem eigentlichen Auftraggeber des Mordes an der kritischen russischen Journalistin ist immer noch nicht beantwortet.

Ein Mann legt an einem großen Porträtfoto von Anna Politkowskaja in Moskau eine Nelke nieder (Foto: dpa)

Anna Politkowskaja wurde im Oktober 2006 ermordet

Der Chefredakteur der "Nowaja Gaseta", Dmitrij Muratow, hat die Bemühungen der Ermittler im Mordfall Anna Politkowskaja gelobt. "Wir begrüßen, dass die Ermittler inzwischen den Polizeioberstleutnant Dmitrij Pawljutschenkow nicht mehr als Zeugen, sondern als Mittäter führen", erklärte Muratow am Mittwoch (07.09.2011) auf einer Pressekonferenz in Moskau. Es sei gelungen, einen "schrecklichen Abszess" zu beseitigen. Damit meinte Muratow die Sonderabteilung der Miliz, die von Pawljutschenkow geleitet wurde. Mitarbeiter dieser Abteilung, so vermutet der Chefredakteur, seien ebenfalls in die Tat verstrickt.

Portrait von Dmitrij Muratow (Foto: DW)

Dmitrij Muratow sieht Fortschritte bei Ermittlungen

Die Journalistin Politkowskaja war im Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Sie hatte für die "Nowaja Gaseta" gearbeitet und war eine entschiedene Kritikerin des damaligen Präsidenten und heutigen Regierungschefs Wladimir Putin. In ihren Berichten prangerte sie insbesondere Menschenrechtsverletzungen im Tschetschenien-Krieg an. Die Ermittler werfen Pawljutschenkow vor, die Ermordung Politkowskajas organisiert zu haben. Todesschütze ist nach Auffassung der Behörden der im Mai in Tschetschenien festgenommene Rustam Machmudow. Er soll Politkowskaja in ihrem Wohnhaus aufgelauert haben.

Auftrageber weiter im Dunkeln

Portrait von Anna Stawizkaja (Foto: DW)

Anwältin Anna Stawizkaja vertritt Politkowskajas Familie

Unklar ist weiterhin, wer der Drahtzieher des Verbrechens ist. Die Ermittler haben erklärt, den Namen des eigentlichen Auftraggebers zu kennen. Sie wollten ihn aber noch nicht nennen, um die Beweissicherung nicht zu gefährden. Pawljutschenkow habe in den Vernehmungen den Namen des Auftraggebers genannt, berichtete die russische Zeitung "Kommersant". Der Chefredakteur der "Nowaja Gaseta", Muratow, sagte dazu, diese Information sei mit Vorsicht zu genießen. Sie würde sowohl von der Redaktion als auch von den Angehörigen der ermordeten Journalistin bezweifelt.

Anna Stawizkaja, Anwältin von Politkowskajas Familie, glaubt den Meldungen ebenfalls nicht. "Meine Erfahrung ist, dass Menschen, denen solche Straftaten wie in Pawljutschenkows Fall zur Last gelegt werden, diese in der Regel nicht gestehen", sagte sie. "Ich bezweifele, dass er freiwillig mit den Ermittlern kooperieren wird", fügte die Anwältin hinzu. Sie schließt aber nicht aus, dass sich die Behörden mit Pawljutschenkow einigen und letztendlich einen Auftraggeber nennen könnten: "Das wird aber eher ein Name sein, der den Ermittlern recht sein wird und der mit dem Fall in Wirklichkeit nichts zu tun hat."


Eine Frage des politischen Willens?

Portrait von Michail Fedotow (Foto: DW)

Michail Fedotow: Führung des Landes will Mordfall aufklären

Der Leiter des Menschenrechtsrates beim Präsidenten Russlands, Michail Fedotow, führt die Fortschritte bei den Ermittlungen im Fall Politkowskaja auch auf politische Interessen zurück. Die Führung des Landes zeige einen größeren politischen Willen zur Aufklärung von Verbrechen, meint er. Einen Zusammenhang mit den Parlamentswahlen im Dezember und der Präsidentenwahl im März nächsten Jahres sieht er aber nicht. Was den Einfluss des politischen Willens auf die Ermittlungen angeht, so stellte Stawizkaja fest: "Als Rechtsanwältin hoffe ich, die Zeit zu erleben, in der Ermittler in Russland ganz ohne irgendeinen politischen Willen einfach ihre Arbeit erledigen und Verbrecher ausfindig machen."

Autoren: Jegor Winogradow, Markian Ostaptschuk (mit afp, dpa)
Redaktion: Bernd Johann

Die Redaktion empfiehlt