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Aktuell Europa

LKW rast in Menschenmenge: Mindestens 84 Tote bei Anschlag in Nizza

Im französischen Nizza ist am Nationalfeiertag ein Lastwagen durch eine Menschenmenge gerast. Der Angreifer wurde erschossen, nachdem er mindestens 84 Menschen getötet hatte. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

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Über 80 Tote bei Anschlag in Nizza

Frankreich ist an seinem Nationalfeiertag erneut von einem schweren Anschlag getroffen worden: Im südfranzösischen Nizza tötete ein Angreifer mindestens 84 Menschen, darunter auch Kinder, als er mit einem Lastwagen durch eine Menschenmenge raste. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte in Nizza, 18 Verletzte seien in einem kritischen Zustand. Nach Medienberichten soll es mehr als 100 Verletzte geben.

Laut Staatsanwaltschaft riss der Lastwagen auf einer Strecke von zwei Kilometern Menschen um, die nach einem Feuerwerk auf der berühmten Standpromenade unterwegs waren. Der Angreifer wurde erschossen. AFP-Fotos zeigten den Lastwagen mit durchschossener Windschutzscheibe. Im Fahrzeug wurden Ausweispapiere eines 31-jährigen Franko-Tunesiers gefunden, hieß es aus Polizeikreisen. Er sei der Polizei wegen allgemeiner krimineller Vergehen bekannt gewesen. Ins Visier der Geheimdienste sei er aber nicht geraten. Er sei auch nicht als politsch radikalisiert bekannt gewesen.

Der Regionalpräsident Christian Estrosi teilte mit, in dem 19-Tonnen-Lastwagen seien Schusswaffen und Granaten gefunden worden. Aus Ermittlerkreisen hieß es später, es seien eine nicht funktionsfähige Granate und Waffenattrapen entdeckt worden.

"Terrorist ausgeschaltet"

Cazeneuve erklärte, die Polizei habe "in einer sehr gefährlichen Situation einen Terroristen ausschalten können". Er fügte hinzu: "Wir sind in einem Krieg mit Terroristen, die uns um jeden Preis wehtun wollen." Ein Augenzeuge berichtete, der Lastwagenfahrer habe zuerst das Feuer auf Polizisten eröffnet. Der Fahrer habe mit einer Pistole durch die Windschutzscheibe geschossen, sagte ein englischsprachiger Mann mit dem Namen Nader dem französischen Sender BFMTV.

Verletzte werden am Anschlagsort versorgt (Foto: Reuters)

Verletzte werden am Anschlagsort versorgt

Der mutmaßliche Anschlag ereignete sich gegen 23 Uhr kurz nach dem Feuerwerk zum Nationalfeiertag, zu dem zahlreiche Menschen auf die Straße geströmt waren. Ein AFP-Reporter war auf der berühmten Uferstraße Promenade des Anglais zum Augenzeugen geworden. Ein weißer Laster raste mit großer Geschwindigkeit in die Menschenmenge, berichtete er. "Wir sahen, wie Leute getroffen wurden und wie Gegenstände umherflogen." Menschen ergriffen in Panik die Flucht. "Es war das absolute Chaos." Auf der Uferpromenade lagen nach der Attacke zahlreiche Tote aufgereiht, bedeckt von weißen Tüchern. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, es habe bisher keine Hinweise, dass Deutsche betroffen sein könnten.

Rettungskräfte und Polizisten kommen am Tatort an (Foto: AFP)

Rettungskräfte und Polizisten kommen am Tatort an

Rettungsmannschaften sind vor Ort im Einsatz. Die Zentrale für Opferhilfe im Außenministerium richtete eine Notrufnummer für Angehörige ein. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft zog umgehend die Ermittlungen an sich. Ermittelt wird wegen terroristischer Morde und Bildung einer terroristischen Vereinigung, wie die Behörde mitteilte. Offizielle Angaben zur Person des Täters und zu möglichen Motiven wurden zunächst nicht gemacht.

Der Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, Christian Estrosi, rief die Einwohner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Das Auswärtige Amt in Berlin riet dringend dazu, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien informiert zu halten.

Die Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Beamte in Zivil mit Maschinenpistolen leuchteten in Autos, sagte der ARD-Journalist und Blogger Richard Gutjahr. Gutjahr war Zeuge der Tat vom Donnerstagabend. Die ganze Gegend sei abgesperrt. Auf dem Meer kreisten Polizeiboote. Auch ein Helikopter mit Scheinwerfer sei in der Luft. Die Toten und Verletzten seien abtransportiert worden.

Präsident François Hollande brach einen Besuch in der Stadt Avignon ab und reiste direkt ins Krisenzentrum im Élysée-Palast. "Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht", sagte der Staatschef am frühen Morgen in einer Fernsehansprache. Deswegen sollten zusätzlich Soldaten und Reserven bei den Sicherheitskräften mobilisiert werden.

Der seit den Anschlägen vom 13. November geltende Ausnahmezustand werde um drei Monate verlängert. Hollande wollte ihn eigentlich am 26. Juli enden lassen. Das Parlament solle in der kommenden Woche über die Verlängerung entscheiden. Der Staatspräsident stellte in Aussicht, den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" im Irak und in Syrien zu verstärken. Für den Morgen berief er das Sicherheitskabinett ein.

Sicherheitskräfte auf der Promenade des Anglais (Foto: Reuters)

Sicherheitskräfte auf der Promenade des Anglais

Die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Frankreich fanden unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Allein in der Hauptstadt Paris waren 11.500 Polizisten im Einsatz, um Anschläge und Ausschreitungen zu verhindern.

Überlebende trösten sich gegenseitig (Foto: Getty)

Überlebende trösten sich gegenseitig

Attentäter hatten bei Attacken auf das Fußballstadion Stade de France, den Pariser Musikclub Bataclan und eine Reihe von Bars und Restaurants 130 Menschen getötet. Zum schwersten Anschlag in der Geschichte Frankreichs bekannte sich die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

stu/gri (dpa, afp, rtr)

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