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Sport

Lisicki wie einst Steffi und Boris?

Endlich wieder eine Deutsche im Finale in Wimbledon! Auch wenn es am Ende für Sabine Lisicki nicht gereicht hat, steigt in Deutschland wieder die Begeisterung für den Tennis-Sport.

Sabine Lisicki strahlt nach dem Sieg über Serena Williams. (Foto: EPA/ANDY RAIN, dpa)

Sie strahlt (fast) immer: Sabine Lisicki

Sie war in den letzten Tagen das Top-Thema in den britischen Medien, wurde vor dem Finale sogar als Top-Favoritin bei den Buchmachern gehandelt und bleibt trotz der Niederlage gegen Marion Bartoli Liebling der englischen Fans: Sabine Lisicki, das deutsche Tenniswunder, das es als erste Spielerin seit Steffi Graf vor 14 Jahren in das Finale in Wimbledon geschafft hat. "Es ist einmalig für das deutsche Tennis und eine Riesenchance. Ich glaube, das gibt einen richtigen Schub", sagte der Präsident des Deutschen Tennisbundes Karl-Georg Altenburg im DW-Interview. Er machte sich auf den Weg nach London und war beim Finale dabei.

Wimbledon ist das prestigeträchtigste, das wichtigste Tennisturnier der Welt und Lisicki spielt sich ausgerechnet dort gerade in den Mittelpunkt. Und sie ist immer öfter Thema auch in Deutschland. Sie könnte für ihre Sportart wieder die Aufmerksamkeit erregen, die dem deutschen Tennis schon lang nicht mehr zuteil wurde – seit der Zeit von Boris Becker und Steffi Graf.

Glorreiche Zeiten vorbei

Die Mitgliederzahlen des Deutschen Tennis Bundes sprechen Bände. Noch immer ist der DTB der mitgliederstärkste Tennisverband der Welt. Doch während es zu den Erfolgzeiten von Steffi Graf und Boris Becker einen regelrechten Tennis-Boom in Deutschland gab, sind die Zahlen heute rückläufig.

In den 70er Jahren steigerte die Mitgliedschaft in einem Tennisverein das gesellschaftliche Ansehen. 1978 meldeten die deutschen Tennisvereine erstmals mehr als eine Million Spielerinnen und Spieler. Diese Zahl verdoppelte sich in den nächsten zehn Jahren auf über zwei Millionen. Becker und später auch Michael Stich sorgten mit ihren Titelgewinnen für Begeisterung bei den Deutschen. Bei den Damen war es Steffi Graf, die mit 107 Einzeltiteln zwischen 1986 und 1999 den weiblichen Nachwuchs in die Tennisvereine trieb. Den Höchststand erreichte der DTB 1994 mit knapp 2,3 Millionen Mitgliedern. Seitdem sind die Zahlen rückläufig. Im vergangenen Jahr waren in den gut 10.000 Tennisvereinen der 18 Mitgliederverbände insgesamt nur gut anderthalb Millionen Spieler gemeldet.

Freudestrahlend präsentieren Steffi Graf und Boris Becker ihre Trophäen. (Foto: dpa)

Steffi Graf und Boris Becker nach ihren Siegen in Wimbledon 1989.

Sehnsucht nach einem neuen Star

Vor Beginn des diesjährigen Grand-Slam-Turniers in London glaubten die Deutschen noch nicht daran, dass es in baldiger Zukunft einen würdigen Nachfolger von Becker oder Graf geben wird. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Nürnberger Marktforschungsinstituts puls im Auftrag des Sport-Informations-Dienstes in diesem Juni. Danach gaben nur 14 Prozent der Befragten an, dass es ausreichend Talente gebe, die es in die Top Ten schaffen könnten.

Doch da könnten sie falsch liegen, denn vor allem die deutschen Damen sind im Vormarsch: Acht Spielerinnen standen im Hauptfeld in Wimbledon. Darunter die Weltranglisten-Siebte Angelique Kerber, die es im letzten Jahr in das Halbfinale geschafft hatte und (neben Tommy Haas bei den Herren) als deutsche Hoffnung in das Turnier gestartet war. Erwähnenswert auch: Die erst 18-jährige Carina Witthöft qualifizierte sich erstmals für Wimbledon. Und kürzlich sorgte die 21-jährige Dinah Pfizenmaier bei den French Open für Schlagzeilen, als sie überraschend die 3. Runde erreichte. Zudem darf neben Kerber und Lisicki auch mit der lange verletzten Andrea Petkovic gerechnet werden, die sich mittelfristig wieder zurück in die Top Ten spielen will.

Dinah Pfizenmaier bei den French Open. (Foto: EPA/YOAN VALAT EPA/YOAN VALAT)

Sorgte bei den French Open für Schlagzeilen: Dinah Pfizenmaier

Bundestrainerin Barbara Rittner hat ein junges und gutes Damen-Team zur Verfügung. Viele Spielerinnen haben großes Potenzial. Aktuell glänzt Lisicki. Sie sorgte mit ihrem Achtelfinal-Erfolg über Ausnahmespielerin und Titelverteidigerin Serena Williams für eine regelrechte Sensation. Geht es nach Ion Tiriac, ehemaliger Manager von Boris Becker, hat Lisicki durchaus das Potenzial, in Deutschland wieder einen Tennis-Boom auszulösen. In mehreren Interviews spricht Tiriac davon, dass Deutschland "Wellenreiter" sei und dass es mit dem deutschen Tennis nach der Ära Becker/Graf leider stets bergab gegangen sei. Doch das könne sich nun ändern. Der BILD sagte Tiriac: "Lisicki kann Deutschland erwecken".

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