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Welt

Libysche Rebellen kritisieren Algerien

Muammar al-Gaddafis Frau Safija, zwei seiner Söhne und seine Tochter haben sich nach Algerien abgesetzt. Libyens Übergangsrat fordert ihre Auslieferung und kritisiert Algeriens Regierung scharf.

Libysche Rebellen tragen schwere Waffen durch eine Straße (Archivfoto: ap/dapd)

Als "Akt der Aggression" bezeichneten die Rebellen das Verhalten der algerischen Regierung

Ein Teil der Familie des entmachteten Diktators Muammar al-Gaddafi ist nach Algerien geflohen, wie das Außenministerium in Algier bestätigte. Gaddafis Ehefrau Safija, seine Tochter Aischa und seine Söhne Hannibal und Mohammed sowie deren Kinder hätten am Montag (29.08.2011) die libysch-algerische Grenze überquert. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die Übergangsregierung in Tripolis seien davon unterrichtet worden, berichtet die algerische Nachrichtenagentur APS.

"Akt der Aggression"

Safija Gaddafi (Archivfoto: dapd)

Geflüchtet: Gaddafi, Safija

Die Übergangsregierung forderte umgehend die Auslieferung der Geflohenen. Zugleich kritisierte sie Algerien für die Aufnahme der Familienmitglieder Gaddafis. "Dies ist ein Akt der Aggression gegen das libysche Volk und seine Hoffnungen", sagte Informationsminister Mohammed Schammam. "Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um diese Kriminellen zurückzubekommen und sie vor Gericht zu stellen." Zugleich warnte Schammam Algerien davor, Gaddafi selbst Unterschlupf zu gewähren. Jeder, der dies versuche, sei ein "Feind des libyschen Volkes". Allerdings soll Algerien bereits die Ausreise in ein Drittland angeboten haben.

Die algerische Zeitung "Al Watan" berichtet, Algerien wolle nun die Grenze zu Libyen schließen. Algerien ist das einzige der Nachbarländer Libyens, das den dortigen Nationalen Übergangsrat der Rebellen noch nicht als legitime Vertretung des libyschen Volkes anerkannt hat.

Versteck in Libyen?

Über den Aufenthaltsort von Muammar al-Gaddafi gibt es weiterhin keine gesicherten Erkenntnisse. Er soll sich aber noch in Libyen befinden. Das US-Präsidialamt teilte mit, es gebe keine Hinweise, dass Gaddafi sein Land verlassen habe. Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa könnte der flüchtige Diktator in Bani Walid - rund 100 Kilometer südöstlich von Tripolis - untergetaucht sein. Gaddafi sei mit seinem Sohn Al-Saadi zusammen, meldete Ansa unter Berufung auf "diplomatische libysche Quellen".

Chamis Gaddafi (Archivfoto: PA)

Getötet?: Gaddafi, Chamis

Gaddafis Sohn Chamis, der eine Eliteeinheit seines Vaters gegen die Rebellen kommandierte, soll während des Rückzugs erschossen worden sein. Sein Tod war seit Beginn der Revolte gegen Gaddafi schon mehrfach vermeldet worden, ließ sich aber nicht belegen.

Der Vorsitzende des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, rief die Nato zur Fortsetzung des Kampfes gegen Gaddafi auf. Dieser sei "immer noch in der Lage, etwas Grauenvolles anzurichten", sagte Dschalil in Doha bei einem Treffen mit Vertretern der Nato-Staaten. "Wenn die Nato Libyen nicht unterstützt hätte, wäre es zum größten Massaker in der modernen Menschheitsgeschichte gekommen", betonte er.

Sirte im Visier

Kämpfe an der Frontlinie (Foto: dapd)

Umkämpfte Frontline

Der Vormarsch der Rebellen auf Sirte, die Geburtsstadt Gaddafis, kommt unterdessen nur langsam voran. Für die Operation fehlten erfahrene Kämpfer, heißt es. Die Nato beschoss nach eigenen Angaben zuletzt Radarstationen sowie Abschussbasen für Boden-Luft-Raketen in der Umgebung von Sirte.

Die Europäische Union eröffnete derweil in Tripolis ein Büro für humanitäre Hilfe. Vor allem in der Hauptstadt ist die Versorgungslage kritisch. Korrespondenten berichteten von leeren Regalen in Lebensmittelgeschäften. Zudem gebe es kaum Wasser, Strom nur zeitweise. Von Malta aus startete ein Schiff mit 340 Tonnen Trinkwasser und Medikamenten an Bord nach Tripolis. Bundeskanzlerin Angela Merkel will am kommenden Donnerstag zu einer internationalen Libyen-Konferenz nach Paris reisen.

Autor: Christian Walz (dpa, rtr, afp,dapd)
Redaktion: Ulrike Quast

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