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Afrika

Liberianer hoffen auf Medikamentenversuch

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie meldet Liberia erste Erfolge mit einem ungetesteten Medikament. Die Hoffnung auf Heilung überwiegt in Westafrika die Angst vor unbekannten Nebenwirkungen der Arznei.

Mehr als 1200 Menschen wurde Ebola laut Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen zum Verhängnis. Alle, auch drastischen Maßnahmen wie Quarantäne-Bezirke und Grenzschließungen konnten die Ausbreitung des Virus in Westafrika bisher nicht stoppen. Am schwersten betroffen ist Liberia. Dort ruhen die Hoffnungen jetzt auf einem Experiment: Drei erkrankte Ärzte haben das neue, bisher kaum erprobte amerikanische Medikament ZMAPP erhalten und zeigten nun "beachtliche Verbesserungen", so ein behandelnder Arzt.

Monrovia: Helfer bringen einen Ebola-Toten weg

Monrovia: Helfer bringen einen Ebola-Toten weg

Zuvor hatte die US-Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Ausfuhr des noch nicht zugelassenen Mittels gegeben. Zwei amerikanische Ebola-Erkrankte hatten sich in den USA als erste dem Versuch unterzogen - mit Erfolg, ihr Zustand hat sich seitdem verbessert. Für Liberias Informationsminister Lewis Brown war die Entscheidung der US-Behörde ein Grund zur Freude und erst der Anfang einer umfangreichen Anwendung. "Alle Infizierten sollten die Chance haben, sich auf Wunsch einer Behandlung mit dem Medikament zu unterziehen", sagte Brown.

Allerdings wies der Hersteller von ZMAPP, die kalifornische Firma Mapp Biopharmaceutical, bereits darauf hin, dass ihr geringer Vorrat aufgebraucht sei.

Plakat zur Aufklärung zu Ebola in Monrovia

Liberias Regierung bemüht sich auch mit Plakaten um Aufklärung

Der Zweck heiligt die Mittel

Die Frage, ob das Medikament an Menschen erprobt werden dürfe, hatte zuletzt für Diskussion gesorgt. So warnte die

Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF)

, die Verwendung solcher Mittel müsse die Ausnahme bleiben und erfordere eine gute Überwachung der Patienten. So sei ein spanischer Missionar an der Infektion gestorben, der nach seiner Ebola-Erkrankung unbestätigten Berichten zufolge mit ZMAPP behandelt worden sein soll.

Trotz aller Bedenken herrscht im von Ebola betroffenen Liberia weitgehende Zustimmung zu dem Behandlungsversuch. "Jedes Medikament hat Nebenwirkungen, auch diejenigen, die von den verschiedenen Kontrollbehörden zugelassen sind", sagte der liberianische Arzt und ehemalige Gesundheitsminister Peter Coleman der DW. Selbstverständlich werde man die Patienten unter Beobachtung stellen. "Aber haben wir eine Wahl? Wenn wir die Medikamente nicht ausgeben, werden diese Menschen sterben!"

Nach der Entscheidung der US-Behörde schloss sich

auch die WHO

der Argumentation an, dass die Situation in Westafrika den ungewöhnlichen Schritt rechtfertige. Die Organisation habe keine Wahl, sagte der Arzt Halidou Tinto aus Liberias Nachbarland Burkina Faso der Deutschen Welle: Sie könne kein Mittel außer acht lassen, um die Epidemie einzudämmen. "Solche Tests sind bei höheren Sterblichkeitsraten angemessen", sagte Tinto, der auf die Durchführung klinischer Studien spezialisiert ist. Bei Ebola liegt die Sterblichkeitsrate der Infizierten bei weit über fünfzig Prozent.

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan

WHO-Chefin Chan: zu zögerlich?

Gegen das Zögern

Wäre es nach dem Journalisten Amadou Tham Camara gegangen, hätte das neue Medikament schon viel eher nach Afrika gebracht werden müssen. Camaras Heimat Guinea hat bisher - nach Sierra Leone - die zweitmeisten Ebola-Opfer zu beklagen. "Empört euch, dass es ausreicht, dass zwei Amerikaner erkranken, damit ein Mittel gegen Ebola gefunden wird", hatte Camara seine Landsleute in einem Leitartikel aufgerufen, "Regt euch auf, dass tausend Afrikaner gestorben sind, obwohl ein Mittel existiert!" Camara zeigte sich nun gegenüber der DW zufrieden, dass Liberia ZMAPP nun testen dürfe. In Guinea hoffe man, dass auch die dortigen Erkrankten in der Folge davon profitieren würden.

Auch DW-Facebook-Nutzer in ganz Afrika reagierten auf Liberias Entscheidung, das ungetestete Medikament zu verwenden. So schrieb der Kenianer Aggrey Kaguo, der Versuch komme zu spät, da die Krankheit schon zu einem großen Problem geworden sei. Bedenken äußerte hingegen der Tansanier Amoc Jay Michael Irondo: "Dieses Testmedikament sollte erst einmal ausreichend erprobt werden, bevor es nach Afrika exportiert wird und dort möglicherweise für neue Probleme sorgt."

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