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Aktuell Welt

Leichnam Pablo Nerudas wird exhumiert

Er war weltberühmt und er war Kommunist: Experten wollen jetzt klären, ob der Dichter Pablo Neruda von den Schergen der Pinochet-Diktatur ermordet worden ist.

Grabstein Pablo Nerudas (Foto: Reuters)

Chile Exhumierung Pablo Neruda

Pablo Neruda war am 23. September 1973 im Alter von 69 Jahren in einem Krankenhaus in Santiago de Chile gestorben. Als Todesursache wurde damals Prostatakrebs angegeben, an dem der Dichter erkrankt war. Aber hartnäckig halten sich Spekulationen, Neruda sei von Agenten der Diktatur von Augusto Pinochet ermordet worden. Der General hatte wenige Tage vor Nerudas Tod die Linksregierung von Präsident Salvador Allende blutig weggeputscht. Vor allem Nerudas Chauffeur und Sekretär Manuel Araya vertritt seit Jahrzehnten die These, der Schriftsteller sei durch eine Giftspritze getötet worden.

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Woran starb Pablo Neruda?

Um die genaue Todesursache zu klären, haben jetzt Experten mit der Exhumierung des Leichnams des Schriftstellers begonnen. Polizeiermittler und Forensik-Experten errichteten in der Küstenstadt Isla Negra zunächst ein Spezialzelt, mit dem der Einblick von außen auf das Grab (Artikelbild) verhindert werden soll. Der Sarg soll nach einer Röntgenaufnahme im gerichtsmedizinischen Institut in Santiago de Chile geöffnet werden. Ergebnisse der Untersuchung des Leichnams werden erst in Monaten erwartet.

Symbol der sozialistischen Regierung

Die Exhumierung hatte ein Richter angeordnet, nachdem unter anderem die Kommunistische Partei Chiles, deren Mitglied Neruda war, Klage wegen mutmaßlicher Vergiftung des Dichters eingereicht hatte. Der Rechtsanwalt Eduardo Contreras, der als Kläger auftritt, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Neruda war zweifelsohne ein Angriffsziel für Pinochet." Zusammen mit Allende und dem Sänger Víctor Jara sei er ein Symbol der gestürzten sozialistischen Regierung gewesen. Das Militär habe es nicht zulassen wollen, dass Neruda, der nach Mexiko ausreisen wollte, den demokratischen Widerstand gegen die Diktatur anführe.

Neruda mit seiner Frau Matilda 1971 in Stockholm nach der Verleihung des Literaturnobelpreises (Archivbild: Getty Images)

Neruda mit seiner Frau Matilda 1971 in Stockholm nach der Verleihung des Literaturnobelpreises

Neruda wurde insbesondere durch seine Liebesgedichte sowie durch den "Canto General" ("Der große Gesang"), ein episches Gedicht über Südamerikas Geschichte, bekannt.

1971 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Die Werke des Autors waren während der Militärdiktatur von 1973 bis 1990 verboten. Die Exhumierung seines Leichnams reiht sich ein in eine Serie derartiger Untersuchungen der Leichen von Gegnern und Opfern der Militärdiktatur. So bestätigte die Untersuchung der Leiche Allendes, dass er sich am 11. September 1973 während des Angriffs der Putschisten im Präsidentenpalast selbst erschossen hatte. Beim ehemaligen christdemokratischen Präsidenten Eduardo Frei wurde festgestellt, dass er während der Pinochet-Diktatur 1982 im Krankenhaus vergiftet wurde.

wl/gri (dpa, afp)

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