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Aktuell Amerika

Haftbefehle wegen Mordes an Victor Jara

Fast vier Jahrzehnte nach der Ermordung des Sängers Victor Jara will die Justiz in Chile den Fall vor Gericht bringen.

Der Sänger Victor Jara gehörte Anfang der 1970er Jahre zu den populärsten Künstlern in Chile und zu den prominentesten Unterstützern der Links-Regierung. Am 13. September, zwei Tage nach dem Staatsstreich von General Augusto Pinochet gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, wurde Jara festgenommen und in das Nationalstadion in Santiago de Chile gebracht. Dort wurde der kommunistische Künstler gefoltert und am 16. September mit 44 Schüssen getötet. Die Umstände des Mordes an dem damals 41-Jährigen sind bis heute nicht restlos aufgeklärt. Unter Pinochets Herrschaft wurden in Chile mehr als 3000 Menschen getötet oder sie verschwanden spurlos.

Mehr als 39 Jahre später und über 22 Jahre nach Ende der Pinochet-Diktatur will die chilenische Justiz den Fall aufarbeiten. Richter Miguel Vázquez vom Berufungsgericht in Santiago erließ acht Haftbefehle gegen tatverdächtige Ex-Militärs. Als Haupttäter werden Hugo Sánchez Marmonti und Pedro Barrientos Núñez gesucht. Gegen Núñez ist ein internationaler Haftbefehl ergangen, da er sich in den USA aufhalten soll. Die sechs anderen ehemaligen Soldaten müssen sich wegen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zum Mord verantworten.

Das Stadion, das von der Junta als Folterlager genutzt wurde, trägt seit 2003 den Namen Victor Jara. Der Leichnam Jaras war im Juni 2009 exhumiert worden, um die genauen Umstände seines Todes zu untersuchen. Sechs Monate später wurden Jaras Gebeine in einem feierlichen Akt in Anwesenheit der damaligen Präsidentin Michelle Bachelet in Santiago beigesetzt. Zu Jaras über Lateinamerika hinaus bekannten Liedern, die von Liebe und Sozialprotest handeln, gehören "Te recuerdo Amanda", "El cigarrito" und "El derecho de vivir en paz".

wl/GD (afp, dpa)