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Wissen & Umwelt

Leibniz-Preis für Forschung zu Nervenzellen

Der Molekularbiologe Frank Bradke hat herausgefunden, dass bestimmte Krebsmedikamente helfen, geschädigte Nervenzellen wieder aufzubauen. Dafür erhält er einen der wichtigsten Forschungsförderpreise in Deutschland.

Symbolbild Gehirn Nervenzellen Synapsen

Nervenstränge heilen nur dann gut, wenn die langen Fortsätze der Zellen - die Axone - wieder nachwachsen

Zehn Spitzenforscher werden mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG ausgezeichnet. Am Donnerstag hat die DFG in Bonn die Preisträger vorgestellt, die jeweils 2,5 Millionen Euro erhalten, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Einer der zehn Forscher ist Frank Bradke. Der 46 Jahre alte Professor für Neurobiologie an der Universität Bonn und Arbeitsgruppenleiter am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen beschäftigt sich mit der Frage, wie Nervenzellen wachsen. So soll auch die Frage beantwortet werden, wie sich beschädigte Nervenzellen wieder regenerieren - etwa nach einem Unfall.

Prof. Dr. Frank Bradke (Foto: DZNE)

"Der Leibniz Preis wird unserer Gruppe neue Möglichkeiten eröffnen, um unsere Forschung weiterzuführen", sagt Bradke

Heilung in Gliedmaßen gut - im Rückenmark schlecht

Bradke ist der Frage nachgegangen, welche molekularbiologischen Prozesse dafür verantwortlich sind, dass einige Nervenzellen nach einer Schädigung wieder gut zusammenwachsen, andere indes nicht. Ob sich geschädigte Nerven erholen, hängt wesentlich davon ab, wo sie sich befinden. Nervenzellen in den Gliedmaßen, im Rumpf oder in der Nase können ihre ursprüngliche Funktion ganz oder zumindest teilweise zurückgewinnen.

Anders sieht es bei den Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks aus. Kommt es dort zu Verletzungen, bleiben meist langfristige irreversible Schäden oder Lähmungen zurück - etwa nach einem Schlaganfall oder bei einer Querschnittslähmung. Bradke wollte herausfinden, was die Regeneration der langen Fortsätze der dortigen Nervenzellen, der sogenannten Axone, behindert.

Der Schlüssel ist die Vernarbung der Wunde

"Vom Narbengewebe, das sich bei einer Verletzung bildet, werden chemische Stoffe ausgeschüttet, die das Wachstum blockieren", erklärt der Molekularbiologe. Folglich sollte nach dem Unfall eine Vernarbung möglichst vermieden werden.

Dabei können bestimmte Krebsmedikamente helfen - fand Bradke heraus. Sie verringern die Vernarbung und fördern damit die Regeneration von Nervenzellen. Zumindest im Tierversuch zeigte die Methode schon deutliche Wirkung: Bei Ratten mit Rückenmarksverletzungen verbesserte sich deren Bewegungsfähigkeit deutlich.

"Bis zur Anwendung am Patienten ist es sicher noch ein weiter Weg", sagt Bradke. Die bisherige Forschung helfe aber, "gezielt nach Wirkstoffen zu suchen, die vielleicht eines Tages in der klinischen Praxis zum Einsatz kommen könnten."

Der Leibniz Preis wird am 1. März 2016 in Berlin an die zehn Forscher verliehen.