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Deutschland

"Lehrer sind kein digitales Freiwild"

Lehrer werden immer häufiger im Internet von Schülern diffamiert und bedroht. Der Philologenverband beklagt Foto-Montagen von Pornos und Hinrichtungsvideos. Die Lehrer fühlen sich von der Politik allein gelassen.

Lehrer im Klassenzimmer

Wie kann man das Internet-Mobbing kontrollieren? (Archivbild)

Der Deutsche Philologenverband berichtete am Montag (11.6.07) von Hinrichtungsvideos, Pornomontagen und Drohungen gegen Lehrer. "Inzwischen gibt es in Deutschland wohl keine weiterführende Schule mehr, die nicht schon negative Bekanntschaft mit dieser neuen Tendenz, Lehrer anonym im Internet zu mobben, gemacht hat", erklärte der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Meidinger berichtete von zahlreichen Verletzungen der Persönlichkeitsrechte und sogar Drohungen gegen Lehrer im Internet. Die bekannt gewordenen Fälle seien dabei "nur die Spitze des Eisberges". So seien etwa in einem Flirt-Chat Lehrerinnen und Lehrer mit anzüglichen Bemerkungen und diffamierenden Äußerungen in ein schlechtes Licht gerückt worden. In einem anderen Fall hätten Schüler eines Ortes auf einer Internetseite reihenweise Lehrerbilder mit beleidigenden Unterschriften veröffentlicht.

Systematische Verletzung von Persönlichkeitsrechten

Lupe vor Computer-Monitor

Wie kann man das Internet-Mobbing kontrollieren? (Archivbild)

Zudem tauchen laut Meidinger häufig so genannte Hinrichtungs-Flashvideos auf viel genutzten Seiten wie Youtube auf, in die die Köpfe von Lehrern montiert werden. Auch das Hineinkopieren von Lehrergesichtern in pornografische Fotos und deren Vervielfältigung über Plattformen und Internetforen seien kein Einzelfall mehr. Lehrer hätten schon immer mit Kritik leben müssen und dürften dabei nicht zu empfindlich sein, betonte Meidinger. "Was sich allerdings derzeit im Internet abspielt, spottet oft jeder Beschreibung." Mit Schülerscherzen habe dies nichts mehr zu tun, sondern hier würden die Persönlichkeitsrechte von Lehrern systematisch mit Füßen getreten.

Lehrer fühlen sich im Stich gelassen

Es sei unverständlich, dass in Deutschland die Lehrer bei diesem Problem von der Politik alleingelassen würden, kritisierte der Verband. In Großbritannien gebe des derzeit eine breit angelegte Anti-Lehrer-Mobbing-Kampagne der Regierung. In Deutschland dagegen habe trotz der Klagen von Datenschutzbeauftragten in einzelnen Bundesländern noch keine Landesregierung mit eigenen Maßnahmen reagiert. Meidinger forderte vor allem, auf die Betreiber entsprechender Internetportale und Chatforen Druck auszuüben, damit diese solche Inhalte von vorneherein sperrten. "Was ist das für eine Moral, die es zulässt, dass mit der Diffamierung von Menschen Geld verdient wird!"

Traurige Berühmtheit erlangte ein Vorfall im österreichischen Reutte, wo Jugendliche Mitschüler aufforderten, die Autos ihrer Lehrer anzufahren. Zudem gebe es inzwischen eine Reihe von Computergewaltspielen, für die im Internet die Möglichkeit angeboten werde, den "Bösen" die Gesichter von Lehrern zu verleihen, hieß es in der Pressemitteilung des Deutschen Philologenverbands. (vem)

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