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Welt

Leben auf unsicherem Boden - Kampf gegen die Naturgewalten in Bangladesch

In Bangladesch sterben fast jedes Jahr Menschen durch Naturkatastrophen. Tropische Wirbelstürme und schwere Überschwemmungen führen dazu, dass viele alles verlieren und ihr Leben wieder bei Null beginnen müssen.

Ein verletzter Junge nach dem Zyklon von 2007

Ein verletzter Junge nach dem Zyklon von 2007

Eine Frau transportiert Trinkwasser mit einem selbstgebauten Floß

Eine Frau transportiert ihr Kind und Trinkwasser

Der Jamuna, einer der mächtigsten Flüsse Bangladeschs, hat Niedrigwasser. Das Flussbett ist weitgehend ausgetrocknet, nur ein schmales, stellenweise knietiefes Rinnsal fließt träge dort, wo sich sonst der mächtige Strom seinen Weg bahnt. Bauern beackern mit ihren Holzpflügen den Boden, pflanzen Gemüse an. Bis zur Ernte haben sie noch 3-4 Monate Zeit. Dann wird man mit bloßem Auge das andere Ufer nicht mehr sehen können. Denn mit dem Monsun kommt das Wasser – und damit der Albtraum von Jamila und Surfan Begum.

Das Hochwasser reißt alles Leben mit

Eine Frau steht an dem Ort, wo früher ihre Hütte war

Viele Menschen haben ihren ganzen Besitz verloren

Die beiden Frauen leben auf Schwemmlandinseln, die sich im Fluss durch Sand- und Schlammablagerungen bilden. „Ich hatte Todesangst, als das Wasser immer höher stieg. Ich wusste nicht, was ich tun, wohin ich fliehen sollte“, erinnert sich Jamila, eine resolute Mitdreißigerin aus der Nähe von Gaibandha. Wie sie verlor auch Surfan durch die Überschwemmungen von 2007 ihr Hab und Gut – die Ernte wurde zerstört, das Vieh fortgespült. „Hühner, Ziegen, selbst mein Hund trieb durch die starke Strömung davon. Wir haben nichts mehr, wie sollen wir jetzt überleben?“

Menschen sterben auch, wenn Überschwemmungen ausbleiben

Nach einem lokalen Sprichwort heißt es, dass die Menschen nicht sterben, wenn es eine Überschwemmung gibt. Aber sie sterben, wenn Überschwemmungen ausbleiben. Fluten gehören für die Bauern im Überschwemmungsgebiet zum alltäglichen Leben. Sie haben sich über Generationen der Situation angepasst und Saatkalender, Auswahl von Reissorten sowie den Hausbau entsprechend ausgerichtet.

Eine Familie kocht in ihrem zerstörten Haus

Nach dem Zyklon: Eine Familie kocht in ihrem zerstörten Haus

Allerdings nimmt das Hochwasser des Jamuna immer katastrophalere Ausmaße an, beobachtet Flussfischer Abu Taleb. Man stellt sich hier auf eine Flut im Jahr ein. „Dieses Jahr aber kam sie gleich zweimal. Die Leute hier hatten keine Chance, auch nur irgendetwas zu kultivieren.“ Dadurch verarmen immer mehr Menschen in einer Region, die ohnehin zu den ärmsten in Bangladesch gehört.

Einfache Rezepte gegen schwere Unglücke

Menschen warten auf Hilfe

Warten auf Hilfe

Rund die Hälfte der Bevölkerung leidet unter chronischer Unterernährung. Ein Teufelskreis, so Habibur Rahman Chowdhury von der deutschen Hilfsorganisation Netz. „Jedes Mal müssen die Menschen ihre Existenz neu aufbauen, wieder ganz von vorne beginnen. Jede Katastrophe vermehrt den Grad der Armut in dieser Gegend.“ Die Menschen können den Überschwemmungen kaum noch etwas entgegensetzen. Mit einfachen Mitteln hilft Netz den Opfern – und schüttet die Schwemmlandinseln eben auf. Und zwar auf eine Höhe, die deutlich über dem Niveau des letzten schweren Hochwassers war.

Ist Klimawandel Schuld?

Chowdhury ist überzeugt, dass sich der Klimawandel bereits in Bangladesch auswirkt: Die schmelzenden Gletscher im Himalaya, der häufigere und heftigere Monsunregen und der steigende Meeresspiegel fügen seiner Heimat immer größere Wunden zu. Das macht sich auch an der Küste bemerkbar: Die tropischen Wirbelstürme, die hier Zyklone genannt werden, nehmen an Zahl und Intensität zu. Bangladesch liegt in weiten Teilen des Landes nur wenig über dem Meeresspiegel – kein guter Schutz gegen meterhohe Flutwellen und Windböen bis zu 300 km/h.

Überlebende trauern um die Opfer

Überlebende trauern um die Opfer

Akteruzzaman Khan erinnert sich an den Zyklon, der 1991 mehr als 140.000 Menschen in Bangladesch das Leben gekostet hatte. Der junge Mann von der Insel Dolghata im Südosten des Landes verlor damals 26 Familienangehörige. Ein Viertel der Inselbewohner wurde damals getötet. Kein Haus blieb unversehrt, nur einige Palmen hatten dem Sturm Stand gehalten. „Vielleicht verliert Mutter Natur die Balance. Mittlerweile werden wir 3-4 Mal pro Jahr vor Zyklonen gewarnt“. Und als er das sagt, steigen ihm die Tränen in die Augen.

Autor: Peter Koppen

Redaktion: Peter Koppen

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