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Kultur

Kunst, Film und Kunstfilm

Es kann um Kunst im Film gehen, aber nicht um Filmkunst: Bei der Kunstfilmbiennale in Köln vom 19. bis 24. Oktober verschwimmen die Grenzen zwischen Museum und Kino.

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Filmstill aus dem Kunstfilm “Top Spot” von Tracey Emin.

"Bekannte, unbekannte, berühmte und berüchtigte Künstler" kündigt das Programm der zweiten Kunstfilmbiennale in Köln an. Im internationalen Wettbewerb werden 60 Kunstfilm-Produktionen gezeigt. Darunter südamerikanische, iranische und arabische Filme, aber auch die von bekannten Größen der Szene wie Tracy Emin, Sam Taylor-Wood oder Matthew Barney, dem Ehemann der isländischen Sängerin Björk. 50 deutsche Nachwuchsfilmer aus Deutschland konkurrieren zudem um einen mit 25.000 Euro dotierten Förderpreis für den experimentellen Film.

Der künstlerische Leiter des Festivals, Heinz Peter Schwerfel, spricht allerdings "lieber von Künstlerfilmen als von Kunstfilmen". Er meint damit - ganz traditionell - "Filme von bildenden Künstlern, die ihren Platz im Museum haben". Eine Verwechslung mit Filmkunst will er unbedingt vermeiden. Die Kunstfilmbiennale zeigt mehr als das, was im Ausstellungsbetrieb üblicherweise als Medienkunst bekannt ist.

Filmstill “LOOKING for ALFRED” von Johan Grimonprez, Kunstbiennale Köln © Johan Grimonprez, 2004,

Filmstill aus dem Wettbewerbsfilm “Looking for Alfred” von Johan Grimonprez, der auf Kunstfilmbiennale gezeigt wird.

Dokumentarfilme über Kunst, sowie Spielfilme über Künstler sind ebenfalls Teil des Kunstfilmbiennale-Programms. Der Spielfilm "Modigliani" über das schwierige Verhältnis von Marcel Modigliani und Pablo Picasso, in dem Andy Garcia und Eva Herzigova mitspielen, klingt natürlich eher nach Hollywood als nach Kunst. Doch für Heinz Peter Schwerfel ist es wichtig Besucher mit "verschiedenen Nischen" anzulocken.

Schwer zu vermarkten

Das ist auch nötig. Zwar gibt es in Deutschland mit der Kunstfilmbiennale in Köln das einzige Festival weltweit, das sich über mehrere Tage ausschließlich mit diesem Genre beschäftigt. Doch im internationalen Vergleich hinke die deutsche Kunstfilm-Szene hinterher, sagt Heinz Peter Schwerfel. In Deutschland interessieren sich - anders als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten - bisher nur wenige Galerien für diese Kunstform. "Film ist ein schwieriges Medium und wird noch nicht im Kunstzusammenhang wahrgenommen", sagt Bernhard Wittenbrink, Vorsitzender des Bundesvereines Deutsche Galerien (BVDG). "Das ändert sich nur ganz langsam."

True North3: Filmstill „True North “ von Isaac Julien, Kunstfilmbiennale Köln © Isaac Julien, 2004

Filmstill aus „True North “ von Isaac Julien, der den internationalen Wettbewerb der vergangenen Kunstfilmbiennale gewann.

Für Sammler, die an der Entstehung eines Werkes beteiligt sein wollen, seien Kunstfilme dagegen ideal, sagt Walter Grasskamp, Kunsthistoriker an der Akademie der Bildenden Künste in München. Hat ein Sammler das Genre erst einmal für sich entdeckt, ist er dann auch meist bereit zu investieren - und das sogar bevor ein Film entsteht. Viele Kunstfilm-Autoren wie der in Berlin lebende Julian Rosefeldt finanzieren ihren Arbeiten neuerdings damit, dass sie sie vor der Produktion verkaufen. Dennoch bleiben Kunstfilme ein "schwer zu vermarktendes Medium, das in der zweiten Reihe bleiben wird", sagt Grasskamp. "Kunstfilme zu reflektieren ist viel schwieriger."

Aysl im Kunstbetrieb

Der Kunstfilmbiennale-Direktor Heinz Peter Schwerfel dagegen, sieht "gute Entwicklungschancen" für das Kunstfilm-Genre. Eine deutliche Entwicklung hin zu mehr Kunstfilmen gebe es seit der Documenta im Jahr 1997, der alle fünf Jahre größten Kunstmesse der Welt in Kassel. Mittlerweile seien sie "für alle großen Ausstellungsbetriebe unverzichtbar". Er ist überzeugt, dass der Kunstfilm sowohl international als auch in Deutschland immer mehr Bedeutung gewinnen wird. "Das kommerzielle Erzählkino verflacht und Programmkinos leiden an Geldmangel", sagt er. In solch schwierigen Zeiten biete der Kunstbetrieb ein Asyl für Film-Experimente. "Immer mehr Film-Autoren merken, dass sie ihre Filme als Kunstwerke verkaufen können."

Der amerikanische Gegenwartskünstler Matthew Barney, der sich selbst als Bildhauer sieht, ist den umgekehrten Weg gegangen – heraus aus dem Museum hinein ins Kino. Sein fünfteiliger und fast sieben Stunden dauernder Film-Zyklus "Cremaster", eigentlich für Museen geschaffen, hatte am 5. Oktober seine deutsche Kino-Premiere. Bis zum 12. April 2006 wird der provozierende Zyklus wie eine Kunstausstellung durch Deutschland wandern. Hier ist die Grenze zwischen bildender Kunst und Film endgültig verschwommen.

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