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Kultur

"Kulturhauptstadt Aarhus denkt nach vorne"

Aarhus in Dänemark nennt sich die kleinste Großstadt Europas und möchte als Kulturhauptstadt 2017 bekannter werden. Die Stadt ist aufregend und hat Großes vor, sagt Kulturmanagerin Rebecca Matthews im DW-Interview.

Deutsche Welle: Das Motto der Europäischen Kulturhauptstadt Aarhus lautet 'Umdenken'. Haben Sie zuvor nicht genug nachgedacht oder was soll dieser Leitspruch vermitteln?

Rebecca Matthews: Ich glaube, jeder sollte immer umdenken. Das ist, was wir tun, besonders die Menschen, die in Kunst und Kultur arbeiten. Was wir wirklich wollen, ist dieses Jahr als Chance zu begreifen, uns mit Kultur im weitesten Sinne zu beschäftigen. Wir wollen die Dinge anders betrachten und vielleicht Lösungen finden für einige der europäischen und sogar globalen Probleme, die uns in diesem Augenblick umgeben. Wir wollen aber auch auf die Dinge schauen, die die Gemeinschaft hier in dieser Region Dänemarks beschäftigen, wo die Europäische Kulturhauptstadt stattfindet. Das Ganze ist ein Bewußtsein dafür, dass wir in der Zukunft mehr denken und smarter handeln müssen, als wir das heute tun. Die Kultur ist die Plattform für das Umdenken. Das ist wichtig.

Wenn man an Kultur denkt, dann war Aarhus ja eher einer weißer Fleck auf der internationalen Landkarte, oder nicht?

Was meinen Sie mit weißem Fleck?

Na ja, Aarhus ist außerhalb Dänemarks vielleicht noch für seine Projekte wie smarte Verwaltung, smarte Energieversorgung, bessere Verkehrsmobilität und nachhaltige Wasserversorgung bekannt, aber Kultur? Die spielte eher keine Rolle.

Wissen Sie, Aarhus hat ein ganz großartiges Kulturleben und das schon seit einiger Zeit. Es gibt hervorragende Institutionen wie das Moesgard-Museum für Menschheitsgeschichte oder AROS, das Museum für zeitgenössische Kunst, Theater und sehr viele andere Plätze. Es ist aufregend hier. Es gibt auch eine starke unabhängige Untergrundkultur mit Ecken und Kanten. Man sieht das überall, zum Beispiel im 'Produktionszentrum für Kultur', einer alternativen Kulturwerkstatt. Also beides, Etabliertes und Untergrund, spielt zusammen. Das macht es so aufregend. Und Aarhus war eigentlich schon lange sehr lebendig. Dadurch, dass jetzt die Kultur durch das Brennglas der Europäischen Kulturhauptstadt gesehen wird, ist das Interesse an dem, was die Stadt zu bieten hat, sehr viel größer geworden.

Was ist das Europäische an Aarhus während diesem Jahr als Haupstadt der Kultur?

Wir haben sichergestellt, dass es eine Reihe von internationalen Partnerschaften gibt. Wir machen das auf der lokalen Ebene genauso wie bei großen Gemeinschaftsprojekten, die wir in Auftrag gegeben haben mit Partnern. Wir haben ganz viele Kulturschaffende hier in Aarhus und der Region aufgefordert, mit ihren europäischen Partner zusammen zu arbeiten und neue Kunst zu schaffen. Die Tür von Aarhus nach Europa muss offen bleiben. Wir können sehen, dass das wirklich passiert.

Das Programm-Buch von Aarhus2017 hat fast 500 Seiten. Es werden unglaublich viele Dinge passieren. Können Sie mir ein, zwei Höhepunkte nennen, die Sie sich besonders gerne anschauen werden?

Natürlich werde ich mir fast alles anschauen (grinst). Auf was ich mich besonders freue, ist die Aufführung von "Rote Schlange". Das Königliche Dänische Theater wird diese Wikinger-Saga als riesiges Spektakel auf dem grünen Rasendach des "Moesgard"-Museums aufführen, das wie eine schiefe Bühne in die Landschaft übergeht. Das werden pro Vorstellung 3500 Menschen auf dieser Freilichtbühne sehen können. Wir führen es 29 Mal während des Sommers auf. Das wird wirklich außergewöhnlich. Wir sehen "Tree of Codes", ein modernes Ballett choreographiert von Wayne McGregor, der einer der besten seines Faches auf der Welt ist. Aufgeführt  wird das von der Ballett-Truppe der Pariser Oper im April im Musikhuset. Und vielleicht das noch: Wir haben als Residenzkünstlerin die Musikerin und Multimedia-Künstlerin Anohni. Alles, was sie macht, ist wirklich aufregend. Sie wird in Aarhus ein neues Album mit dem Aarhus Symphonie-Orchester aufnehmen. Das wird im November aufgeführt. Das sollte man sich anschauen.

Machen die Menschen in Aarhus bei diesem riesigen Projekt Kulturhaupstadt mit? Engagieren sie sich? Steht Aarhus hinter ihnen?

Ja, mittlerweile glaube ich das. Diese Projekte haben eine sehr lange Entwicklungsphase. Die Geburt ist sehr langwierig, wenn ich so sagen darf. Die Leute wollen wissen, was sie bekommen, was sie erwartet. Wenn wir das entwickeln, können wir das nicht immer genau sagen. Seit das Programm aber klar auf dem Tisch liegt, sehen wir diese wachsende Aufmerksamkeit und auch Enthusiasmus.  Und jetzt so kurz vor dem offiziellen Start kann ich wirklich die Anspannung und Aufregung der Menschen spüren. Und tatsächlich auch den Stolz, dass wir die Europäische Hauptstadt der Kultur sind.

Wie hilft Ihnen Europa dabei, die Europäische Kommission? Ist das nur ein Titel oder bekommen Sie zum Bespiel auch Geld?

Also, wenn man alles richtig macht, bekommt man einen ganz kleinen Geldbetrag. Viel wichtiger ist aber tatsächlich die Bestätigung und Anerkennung, die der Titel mit sich bringt. Er schafft die Verbindung nach Europa hinein. Wir haben sehr hart gearbeitet, den Titel zu bekommen. Er schafft Aufmerksamkeit. Für ein Jahr liegt der Fokus Europas auf uns. Das ist wirklich eine aufregende Chance.

Hat die Europäische Kulturhauptstadt eine besondere Verbindung zur dänischen Königsfamilie. Ich hörte, dass die Königin auch "umdenkt" ?

Königin Margrethe ist unsere Schirmherrin. Sie wird das Jahr eröffnen und mitfeiern an diesem Samstag. Darüber hinaus ist die Königliche Familie sehr engagiert in internationaler und dänischer Kunst. Einige Mitglieder malen ja selbst. Also, es gibt da eine tolle Unterstützung.

Rebecca Matthews ist seit 2013 Generaldirektorin der Stiftung "Europäische Kulturhauptstadt Aarhus 2017". Die gebürtige Australierin ist verantwortlich für die Organisation von Hunderten von Veranstaltungen, Ausstellungen, Aufführungen in allen Kunstsparten der zweitgrößten dänischen Stadt.

 

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