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Politik

Kuhhandel mit Atomwaffen

Nordkorea ist laut US-Außenminister Colin Powell bereit, unter bestimmten Bedingungen sein Atomprogramm einzustellen. Der Preis soll hoch sein: Pjöngjang erwarte "Beträchtliches" von den USA, heißt es aus Washington.

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An der Grenze zwischen Nord- und Südkorea

Nach Angaben Washingtons hat Nordkorea ein Angebot zu einem Ausweg aus der Atomkrise unterbreitet. Pjöngjang sei bereit zu einem Handel, sagte US-Außenminister Colin Powell am Montag (28. April 2003) in Washington. Bei dem Plan gehe es um die nuklearen Kapazitäten und Raketenaktivitäten Nordkoreas. Südkoreanische Zeitungen berichteten, Pjöngjang sei als Gegenleistung für ein Paket wirtschaftlicher und politischer Zusagen der USA zur Verschrottung seines Atomprogramms bereit. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el Baradei, forderte die internationale Gemeinschaft zu einer harten Haltung in dem Konflikt auf.

Nichtangriffspakt vorgeschlagen

Bei ihrem Lösungsvorschlag erwarte die Regierung in Pjöngjang "Beträchtliches", sagte Powell am Montag weiter. Die nordkoreanische Führung habe ihr Angebot bei den Atomgesprächen mit den USA vergangene Woche in Peking vorgestellt. Nordkorea habe "eine Reihe von Dingen" zugegeben und erklärt, dass diese nun zur Diskussion stünden. Washington werde einige Zeit für seine Antwort benötigen, fügte Powell hinzu. Die US-Regierung werde ihr Vorgehen mit Freunden und Verbündeten erörtern. Laut Medienberichten soll Nordkorea von den USA unter anderem einen Nichtangriffspakt für die Aufgabe seines Atomprogramms vorgeschlagen haben. Die Regierung von US-Präsident George Bush lehnt einen solch förmlichen Pakt ab, soll aber eine schriftliche Zusicherung erwägen.

Besorgniserregende Situation

Das Nachbarland Südkorea habe den Paketvorschlag des kommunistischen Nordens zur Beilegung der Krise positiv beurteilt, schrieb am Montag die in Seoul erscheinende Zeitung "Munhwa Ilbo". Bei den ersten Gesprächen mit den USA seit Beginn der Nuklearkrise vor sechs Monaten hatte Pjöngjang nach US-Angaben den Besitz von Atomwaffen eingestanden.

Die Situation in Nordkorea sei sehr besorgniserregend, sagte IAEA-Chef el Baradei am Sonntag (27. April 2003) dem US-Fernsehsender CNN. Das Land habe die Fähigkeit und "vermutlich das nukleare Material", um Atomwaffen zu produzieren. Die Situation müsse so bald wie möglich unter Kontrolle gebracht werden. Er könne nicht sagen, wie viele Atomwaffen Nordkorea habe. Geheimdienstberichten zufolge könnten es ein oder zwei sein. Sicher sei aber, dass das Land Plutonium hergestellt habe, das der IAEA nicht gemeldet worden sei. (kap)

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