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Politik

Poker mit der Bombe

Nordkorea hat nach amerikanischen Angaben den Besitz von Atomwaffen zugegeben und für sich das Recht beansprucht, diese zu testen, zu exportieren und einzusetzen. Ob dies geschehe, hänge vom Verhalten der USA ab.

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Brennstäbe sind da, das ist gewiss - aber Atom-Bomben?

Nach Angaben aus Washingtoner Regierungskreisen erfuhr der US-Unterstaatssekretär James Kelly am Donnerstag (24.4.2003) von einem nordkoreanischen Regierungsvertreter über den mutmaßlichen Atombomben-Besitz der Nordkoreaner. Sie kamen gemeinsam mit Vertretern aus China zu Gesprächen über das nordkoreanische Atom-Programm zusammen.

Das US-Außenministerium wollte die Angaben nicht offiziell bestätigen. Außenminister Colin Powell kündigte an, alle Versuche des Landes, die USA einzuschüchtern, würden scheitern. US-Präsident George W. Bush warf Pjöngjang in Reaktion auf den mutmaßlichen Atombomben-Besitz Nordkoreas vor, wieder zum "Spiel der Erpressung" zurückgekehrt zu sein.

Fortsetzung der Gespräche

Die Gespräche über den Atomstreit zwischen den USA und Nordkorea wurden von den Delegationen am Freitag überraschend fortgesetzt, nachdem sie am Vortag bereits vorzeitig für beendet erklärt worden waren. Es habe sich am Freitag um ein kurzes Gespräch unter chinesischer Vermittlung gehandelt, sagte ein US-Botschaftsvertreter in Peking. Öffentliche Kommentare wurden im Anschluss nicht abgegeben. Der US-Beauftragte James Kelly wollte die chinesische Hauptstadt noch im Laufe des Tages verlassen.

In Südkorea löste die Nachricht über den Atombomben-Besitz des Nachbarn heftige Reaktionen aus. Sollten sich diese Berichte als wahr erweisen, würde dies schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft Südkoreas und seine Bonitätsberurteilung haben, warnte der stellvertretende südkoreanische Finanzminister Kwon Tae Shin.

Zweifel

Gleichzeitig äußerten südkoreanische Experten Zweifel an der Wahrheit der nordkoreanischen Angaben. Die Experten sprachen von einem Täuschungsmanöver Pjöngjangs: "Da ist ein Element des Bluffens in den Äußerungen Nordkoreas", sagte Park June Young von der Seouler Ewha-Universität. "Wenn Nordkorea verhandelt, geht es bis and die Grenzen und testet die Gegenseite, bevor es eine dramatische Kehrtwende macht." Ko Yoo Hwan von der Seouler Dongkuk-Universität sagte, wenn Nordkorea einräume, Atomwaffen zu besitzen, spiele es seine letzte Karte aus.

Kelly hat den Washingtoner Angaben zufolge berichtet, dass der nordkoreanische Delegationsleiter Ri Gun nach den eigentlichen Gesprächen bei einem privaten Treffen über das Atomprogramm Pjöngjangs erklärt habe, Nordkorea habe Atomwaffen. Kelly und der chinesische Außenamtssprecher Liu Jianchao wollten sich in Peking dazu nicht äußern.

Technische Probleme?

Weiter hieß es, bei den offiziellen Gesprächen zuvor habe Ri gesagt, alle 8000 verbrauchten nuklearen Brennstäbe Nordkoreas seien wieder aufgearbeitet worden. Sollte das stimmen, könnte das kommunistische Land sechs bis acht Atomwaffen zusätzlich zu den beiden Nuklearwaffen bauen, die es nach US-Einschätzung bereits hat.

Ein Atom-Fachmann in Seoul, Kang Jungmin, sagte, Nordkorea könne unmöglich 8000 Brennstäbe aufgearbeitet haben. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Wiederaufbereitungsanlage in Betrieb genommen worden sei. Nach dem Anlaufen der Anlage würde es vier bis fünf Monate dauern, die Brennstäbe wieder aufzubereiten. Bei diesem Prozess werde das chemische Element Krypton 85 freigesetzt, das von US-Satelliten und Aufklärungsflugzeugen mit Infrarotkameras nachgewiesen werden könne.

Auch der Gewährsmann in Washington sagte, nach Informationen des US-Geheimdienstes CIA habe die Wiederaufarbeitung noch nicht begonnen. Die Diskrepanz zwischen den Angaben Ris und des CIA bedeute, dass der nordkoreanische Delegationsleiter entweder die Unwahrheit gesagt habe oder die Vereinigten Staaten eine große Geheimdienstpanne erlitten hätten. (mas)

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