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Fokus Osteuropa

Kritik an der Lage von Arbeitsmigranten in Russland

Schikaniert und ausgebeutet: So ergeht es laut einer Studie von Human Rights Watch vielen Arbeitsmigranten in Russland. Ohne rechtliche Grundlage sind sie der Willkür von Arbeitgebern und Behörden ausgeliefert.

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Eine zentrale Schlussfolgerung der Experten von Human Rights Watch: Die meisten Gastarbeiter in Russland erhalten ihre Löhne gar nicht oder nur verspätet. Zudem würden viele von ihnen zu Wochenend- oder Nachtarbeit gezwungen. Maria Lisitsyna ist Europa- und Zentralasien-Expertin der Menschenrechtsorganisation, die nun in Moskau eine neue Studie zur Lage der Arbeitsmigranten vorgestellt hat. Lisitsyna sieht das grundlegende Problem darin, dass das Verhältnis zwischen Arbeiter und Arbeitgeber im Falle der Arbeitsmigranten nicht geregelt sei.

"Einer der häufigsten Verstöße, auf die wir aufmerksam wurden, ist, dass die Migranten gezwungen werden, ohne Arbeitsverträge zu arbeiten. Diese sind aber notwendig, damit die Arbeitnehmer einen geregelten Migrantenstatus haben", unterstrich Lisitsyna vor Journalisten. Ohne Vertrag gelte die Person als nicht beschäftigt. Gemäß den russischen Gesetzen müsse die Person in diesem Fall innerhalb von 90 Tagen das Land verlassen.

Vorwürfe gegen Behörden

In der Studie von Human Rights Watch heißt es, nicht nur Arbeitgeber würden die Rechte der Gastarbeiter verletzen. Die Schutzlosigkeit der Migranten würde oftmals auch die Miliz ausnutzen. Jane Buchanan, die ebenfalls an der Studie gearbeitet hat, nennt Beispiele.

"Wir haben eine ganze Reihe von Fällen festgestellt, in denen Milizionäre von Arbeitsmigranten Geld verlangten und diese auch schlugen. In einigen Fällen wurden sie gezwungen, in Dienststellen der Miliz oder an anderen Orten Arbeiten zu verrichten", so die Forscherin.

Staatsmacht überfordert?

Die Hauptvorwürfe der Menschenrechtler richten sich allerdings gegen die russische Regierung. Gerade sie trage die Verantwortung dafür, dass übernommene internationale Verpflichtungen beim Schutz ausländischer Bürger auch erfüllt würden. Lisitsyna sagte, die russische Staatsmacht habe diese Aufgabe nicht bewältigt. 2007 sei zwar ein neues Migrationsgesetz verabschiedet worden, das Verbesserungen vorsehe. Doch das reiche nicht aus, um die Lage zu normalisieren.

Die Anzahl der ausländischen Arbeiter in Russland liegt unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen vier und neun Millionen. 80 Prozent davon stammen aus GUS-Staaten, deren Bürger für die Einreise nach Russland kein Visum benötigen.

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