1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Krisentreffen um Kaiser's Tengelmann

Der Ort geheim, die Teilnehmerliste nicht klar, aber es geht um viel: Eine Lösung für die siechende Lebensmittelkette Kaiser’s Tengelmann muss her - auf dem Spiel stehen die Struktur der ganzen Branche und 16.000 Jobs.

Geladen hat für Donnerstagabend die Gewerkschaft. Kein Wunder, denn wenn keine Lösung für den Pleitekandidaten Kaiser's Tengelmann gefunden wird, stehen Tausende von Beschäftigten bald auf der Straße. Zu dem Krisentreffen haben sich die Chefs der Lebensmittelkette angesagt, sowie die des Branchenprimus Edeka, der Kaiser's Tengelmann übernehmen will. Ob auch der Chef des dritten großen deutschen Lebensmittelkonzern Rewe kommt, wusste man am Morgen noch nicht.

Seit fast zwei Jahren versuchen die Eigentümer, die kriselnde Lebensmittelkette Kaiser's Tengelmann zu verkaufen: 451 Filialen mit rund 16.000 Beschäftigten. Seit mehr als 15 Jahren macht die Kette Verlust; zuletzt ist von einer Million Euro die Rede. Pro Monat.

Klage und Gegenklage

Als Käufer diente sich bald Edeka an, der größte deutsche Lebensmittelhändler. Dann aber wurde die Lage bald sehr kompliziert: Im April 2015 verbietet das Kartellamt die Übernahme. Die Betroffenen klagen dagegen. Anfang dieses Jahres erteilt der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Sondergenehmigung, die den Spruch der Kartellwächter aushebelt. Dagegen klagt nun unter anderem der Konkurrent Rewe.

default

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel

Auf das Ende eines möglicherweise jahrelangen Rechtsstreits kann Kaiser's Tengelmann nicht mehr warten: Der Konzern zerfällt schon jetzt langsam. Von den Filialen des Konzerns mussten bereits an die fünfzig schließen, etwa weil in der unsicheren Lage die Mietverträge nicht verlängert wurden. Und dem Konzern läuft das Personal davon. Wer kann, sucht sich einen neuen Job, bevor er auf der Straße sitzt. Allein in der Zentrale hätten hundert Beschäftigte schon gekündigt, hieß es aus der Geschäftsführung.

Für Kaiser's Tengelmann geht es um alles, aber auch für Rewe steht einiges auf dem Spiel. Die Nummer drei der Branche in Deutschland fürchtet um den eigenen Marktanteil und sorgt sich um die Übermacht von Edeka. Die Gruppe ist in Deutschland bereits mit Abstand die Größte unter den Supermarktketten oberhalb des Niveaus von Discountern wie Aldi und Lidl.

Rewe hofft nach eigenem Bekunden auf eine "faire Aufteilung" von Kaiser's Tengelmann. So äußerte sich schon vor Zeiten Rewe-Chef Alain Caparros. Dabei könnten auch andere, regionale Interessenten zum Zuge kommen. Interesse wird in Süddeutschland zum Beispiel Tegut nachgesagt, einer Tochterfirma des Schweizer Branchenriesen Migros. Auf einzelne Filialen von Kaiser's Tengelmann haben aber wohl auch die Discounter ein Auge geworfen.

default

Kauft Edeka den Konkurrenten doch noch?

Zerschlagung vernünftig?

"Eine Zerschlagung des Unternehmens sollte nicht als Drohung angesehen werden. Sie ist vielmehr die einzig vernünftige Lösung", zitiert das "Handelsblatt" denn auch den Ökonomen Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Bundeswirtschaftsminister Gabriel war da ganz anderer Meinung. Er sieht 8.000 Stellen bei Kaiser's Tengelmann in Gefahr. Auf jeden Fall würden bei einer Pleite wohl die Zentrale Verwaltung, die Logistik und auch die Fleischwerke der Gruppe geschlossen werden.

Wie eine Lösung aussehen könnte, wenn die Kontrahenten sich am Donnerstagabend an dem geheim gehaltenen Ort treffen, steht in den Sternen. Am einfachsten, so Beobachter, wäre es, wenn Rewe seine Klage gegen die Ministererlaubnis aus dem Hause von Wirtschaftsminister Gabriel zurückziehen würde. Dann könnte Edeka sofort zugreifen. Genau das aber hat Rewe-Chef wiederholt ausgeschlossen.

"Ein schwerer Schaden"

Seine Position teilt - bei aller Solidarität unter Beschäftigten - auch der Betriebsrat von Rewe. "Wir bei Rewe haben sehr viel Verständnis für die schwierige Lage, in der sich die Kolleginnen und Kollegen bei Kaiser's Tengelmann befinden. Aber auch bei unseren Mitarbeiter - vor allem in Berlin und in Bayern - gibt es große Sorgen über die Sicherheit der Arbeitsplätze", teilte Gesamtbetriebsratschef des Konzerns mit Sitz in Köln am Donnerstag mit. Edeka würde nach einer Fusion mit Kaiser's Tengelmann eine absolut marktbeherrschende Position erreichen. "Dies wäre tatsächlich ein schwerer Schaden für uns", so der Rewe-Betriebsrat.

ar (dpa, afp, rtr – Archiv)

Die Redaktion empfiehlt