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IOC

Krisenstimmung vor IOC-Gipfel in Lima

Präsident Thomas Bach und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) machen beim Gipfel in Lima jede Menge Krisen zu schaffen. Die Doppelvergabe der Spiele 2024 und 2028 spielt plötzlich nur noch eine Nebenrolle.

Korruptionsverdacht gegen IOC-Funktionäre, immer mehr Zweifel an den Winterspielen in Pyeongchang und kein Vorwärtskommen in der Doping-Krise um Russland: Auf Präsident Thomas Bach und das Internationale Olympische Komitee (IOC) wartet beim Gipfel in dieser Woche in Lima jede Menge Arbeit. Eigentlich sollte die Doppelvergabe der Spiele 2024 und 2028 am Mittwoch zur Hauptsache des Treffens werden, doch die rückt nun in den Hintergrund.

Die jüngsten Korruptionsvorwürfe fanden am Wochenende ein prominentes Opfer: Der irische Top-Funktionär Patrick Hickey trat aus der IOC-Exekutive zurück. Der 72-Jährige war in den Olympia-Ticketskandal von Rio 2016 verwickelt. Hickey wurde während der Spiele in Rio verhaftet und durfte erst Monate später in seine Heimat zurückkehren. Auch der zweite Korruptionsskandal um Rios OK-Chef Carlos Alberto Nuzman und einen möglichen Stimmenkauf vor der Vergabe der Spiele 2009 an die Metropole am Zuckerhut schlägt hohe Wellen. Bach versprach am Wochenende Aufklärung und betonte die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft: "Dem IOC liegt die Integrität unserer Organisation sehr am Herzen. Deshalb nehmen wir diesen Fall ernst und beobachten ihn genau."

Boykott aus Sicherheitsgründen oder Verlegung?

Auch zu den militärischen Provokationen durch Nordkorea und der Bedrohung der Olympischen Winterspiele 2018 im nur 80 Kilometer entfernten südkoreanischen Pyeongchang dürfte es in Lima Diskussionen geben. IOC-Exekutivmitglied Gian Franco Kasper schloss einschneidende Folgen nicht aus: "Was ich ein bisschen befürchte, ist, dass gewisse Nationen die Spiele boykottieren könnten, weil es ihnen zu riskant erscheint, ihre Athleten dorthin zu schicken."

Nordkorea - Pyongyang feiert die refolgreich getestete Wasserstoffbombe (Reuters/KCNA)

Nordkorea feiert einen gelungenen Kernwaffentest - das Säbelrasseln Pjöngjang macht dem IOC Sorgen

Kasper, Präsident des Ski-Weltverbandes FIS und einer der einflussreichsten Vertreter in der "Regierung" des IOC, glaubt, dass in Lima die Verlegung der Spiele diskutiert wird. "Ob es dann auch in der Exekutive besprochen wird und auf die Tagesordnung der Session kommt, weiß ich nicht", meinte der Schweizer. Die Exekutive tagt bis Dienstag, von Mittwoch bis Samstag trifft sich die Vollversammlung.

Bach setzt im Fall Nordkorea auf eine politische Lösung, bei der den Olympischen Spielen die Rolle des Friedensstifters zukommen soll. Der ARD sagte der 63-Jährige, dass die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen derzeit "über eine Resolution der Generalversammlung zu einem olympischen Waffenstillstand" verhandeln würden. Einen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea gibt es nicht, ein olympischer Waffenstillstand würde während der Spiele im Februar weitere Waffentests verbieten. Das könnte eventuell zweifelnde Athleten und Zuschauer doch noch überzeugen, ins grenznahe Pyeongchang zu reisen.

Keine Bewegung in Sachen Russland

Russland Doping (Reuters/S. Karpukhin)

Die Aufarbeitung des systematischen Dopings in Russland beschäftigt das IOC weiter

Wenig Aussichten auf Fortschritte gibt es auch in der Doping-Krise um Russland. Sanktionen gegen russische Athleten, Funktionäre oder das Nationale Olympische Komitee werde es laut Kasper in Lima nicht geben. Die Ergebnisse der beiden IOC-Kommissionen, die sich mit dem Thema Russland beschäftigen, sollen erst im Oktober auf dem Tisch liegen.

Doch alteingesessene IOC-Mitglieder wie der Kanadier Dick Pound kritisieren, dass das IOC zu viel Zeit verstreichen lässt. "Es ist auch für mich schwierig zu erklären, warum das IOC nichts unternimmt", sagte der Kanadier dem ZDF. Und Ermittler Richard McLaren, der durch seine Untersuchungen den Stein ins Rollen brachte, wiederholte seine Anschuldigungen gegen Russland: "Ich bleibe dabei. Es war ein gigantisches Dopingssystem", so McLaren: "Es lief über Jahre, es waren keine Einzelfälle, es war ein System."

Ohne Überraschungen wird die für Mittwoch geplante Doppelvergabe der Sommerspiele 2024 und 2028 an Paris und Los Angeles über die Bühne gehen. Das IOC muss den historischen Akt nur noch absegnen. "Das ist eine reine Formsache", sagte Kasper. Die außerordentliche IOC-Session im Juli in Lausanne hatte bereits die Absicht erklärt, den beiden Kandidaten die Spiele am 13. September zu übertragen.

asz/ck (sid)

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