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Welt

Krisensitzung nach blutigen Unruhen in Kairo

Nach den Zusammenstößen zwischen Kopten und Muslimen ist in Kairo das Kabinett zu einer Krisensitzung zusammengekommen. In der Nacht waren bei Ausschreitungen mindestens zehn Menschen getötet worden.

Löscharbeiten an der Kirche (Foto: dpa)

Nach den Ausschreitungen brannten die Kirche und Wohnhäuser

Es war nicht die erste Auseinandersetzung in diesem Jahr zwischen christlichen Kopten und Muslimen in Ägypten: In der Nacht zum Sonntag (08.05.2011) kamen bei Ausschreitungen vor einer koptischen Kirche mindestens zehn Menschen ums Leben und mehr als 180 wurden verletzt. Der ägyptische Ministerpräsident Essam Scharaf berief aus diesem Anlass eine Sondersitzung des Kabinetts ein und sagte eine Reise nach Bahrain ab. Er wolle mit seinen Ministern die "bedauerlichen Ereignisse" in Kairo untersuchen, sagte Regierungssprecher Ahmed el Saman der Nachrichtenagentur Mena.

Brandbomben auf die Kirche

Auslöser der Gewalt waren Gerüchte über die Heirat einer koptischen Christin mit einem Muslim. Um diese Ehe zu verhindern, sei die Frau angeblich in der Kirche im Viertel Imbaba gefangen gehalten worden. Augenzeugen zufolge strömten Hunderte Muslime vor das Gotteshaus und forderten die Freilassung der Frau. Dabei stießen sie auf Kopten, die ihre Kirche verteidigen wollten. Bei der Auseinandersetzung fielen Schüsse, Islamisten warfen Brandbomben auf die Kirche, deren Fassade in Brand geriet.

Polizisten und Demonstranten vor brennendem Gebäude (Foto: dpa)

Polizei und Streitkräfte kamen in dieser Nacht zum Einsatz

Die Gewalt griff auch auf umliegende Straßen über, Wohnhäuser in der Nähe fingen ebenfalls Feuer. Die Menge soll Parolen gerufen haben wie: "Mit unseren Seelen und unserem Blut verteidigen wir dich, Islam". Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete, Streitkräfte und Polizei hätten versucht, den Konflikt zu beenden. Dabei setzten sie den Augenzeugen zufolge Tränengas ein und gaben Schüsse in die Luft ab.

Ehegesetze schüren den Konflikt

Ehen zwischen Angehörigen der muslimischen Mehrheit und der koptischen Minderheit sind in Ägypten tabu. Eine Ehe zwischen einer Muslima und einem Christen ist sogar per Gesetz verboten. Heiratet eine Christin einen Muslimen, wird sie aus der Kirche ausgeschlossen. Weil Ehescheidungen bei den Kopten weitgehend verboten sind, versuchen manche trennungswillige Frauen, als Ausweg aus ihrer Ehe zu konvertieren.

Immer wieder Übergriffe

Zwischen Muslimen und Christen ist es in Ägypten in den vergangenen Monaten immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. In der Sylvesternacht kostete ein Bombenanschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria mehr als 20 Menschen das Leben. Anfang März zündeten aufgebrachte Muslime eine Kirche in Soul an. Auslöser des Übergriffs war damals offenbar die Liebesbeziehung eines Kopten zu einer muslimischen Frau.

Rund zehn Prozent der 80 Millionen Ägypter sind koptische Christen. Viele fühlen sich von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit benachtteiligt.

Autorin: Sabine Faber (dpad, kna, dpa, afp)
Redaktion: Michael Borgers

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