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Asien

Krisenherd afghanisch-pakistanische Grenze

Jüngste Grenzzwischenfälle haben das Verhältnis zwischen Afghanistan und Pakistan weiter verschlechtert. Mit Plänen für einen Grenzzaun gießt Islamabad zusätzlich Öl ins Feuer.

Gegen Ende der vergangenen Woche ist es an der pakistanisch-afghanischen Grenze zu mehrtägigen bewaffneten Zusammenstößen zwischen beiden Seiten gekommen. Am Freitag hatten die Scharmützel am Grenzübergang Chaman im Südabschnitt begonnen, der an der Grenze zwischen der pakistanischen Provinz Belutschistan und der afghanischen Provinz Kandahar liegt. Am Freitag hatten pakistanische Soldaten zivile Mitarbeiter der aktuellen landesweiten Volkszählung in die Grenzregion begleitet, als die Kämpfe begannen. Der Sprecher der afghanischen Polizei, Zia Durani, beschuldigte Islamabad, die Volkszählung als Vorwand zu benutzen, um "bösartige Aktivitäten zu verfolgen und die Dorfbewohner gegen die Regierung aufzuwiegeln." Auch hätten pakistanische Milizen versucht, die Grenze zu überqueren.

Pakistan "gezwungen, zurückzuschießen"

Von seiten des pakistanischen Militärs hieß es demgegenüber, die afghanischen Grenzschützer würden die Volkszählung behindern, obwohl Pakistan die afghanischen Behörden lange im voraus über die Maßnahme informiert habe. Nach den Feuergefechten schloss die pakistanische Seite den Grenzübergang Chaman, einen der zwei wichtigsten Grenzübergänge zwischen beiden Ländern. Der andere ist Torkham weiter im Norden an der Straße von Kabul nach Peshawar.

Generalmajor Nadim Ahmad, Kommandeur der pakistanischen paramilitärischen Grenzschutztruppe, sagte vor der einheimischen Presse am Sonntag: "Es ist für uns nichts Erfreuliches Ihnen mitzuteilen, dass fünf afghanische Grenzposten komplett zerstört wurden. Dabei wurden über 50 afghanische Soldaten getötet und über 100 verwundet. Wir freuen uns nicht über ihre Verluste, aber wir waren gezwungen, zurückzuschießen." Auf pakistanischer Seite seien  zwei getötete Soldaten und neun Verwundete zu beklagen.

Pakistan und Afghanistan Grenzöffnung bei Torkham (DW/F. Khan)

Eine Verschärfung des Grenzregimes bedeutet Härten für die Anwohner

Weit auseinanderliegende Angaben über Tote

Sediq Sediqqi, Sprecher der afghanischen Regierung, wies die pakistanischen Behauptungen über afghanische Verluste per Twitter zurück, das sei "vollkommen falsch." Ein Sprecher der Provinzregierung von Kandahar stellte klar, dass keineswegs 50, sondern nur zwei afghanische Soldaten bei dem Scharmützel getötet worden seien, außerdem sei ein Zivilist ums Leben gekommen.

Trotz der Unklarheit über die Zahl der tatsächlich ums Leben gekommen Soldaten und Zivilisten bei den Schusswechseln haben sich Bewohner in den betroffenen Gebieten von Kandahar und in der Grenzstadt Torkham zu Massenprotesten gegen Pakistan versammelt, dem sie Provokationen und Einmischung in afghanische Angelegenheiten vorwerfen.

Jüngste diplomatische Bemühungen um Entspannung des Verhältnisses zwischen Pakistan und Afghanistan haben nicht gefruchtet. Mehrere pakistanische Regierungsvertreter hatten Kabul besucht, aber ohne Ergebnis. Präsident Ashraf Ghani soll Berichten zufolge eine Einladung nach Islamabad abgelehnt haben.

Afghanistan Taliban Kämpfer in der Ghazni Provinz (Reuters)

Extremisten finden genügend Übergänge zwischen Pakistan und Afghanistan

Pakistans umstrittene Grenzzaun-Pläne

Beobachter sehen einen Grund für die zunehmende Feindseligkeit zwischen beiden Ländern in der Aufwertung der Beziehungen Afghanistans zu Indien, dem Erzrivalen Pakistans. Indien sieht ebenso wie Afghanistan die Rolle, welche Pakistan in Afghanistan spielt, extrem kritisch. Beide beschuldigen Geheimdienst und Militär Pakistans, dass sie die Taliban mit dem Ziel der Destabilisierung Afghanistans unterstützten.

Im März teilte Pakistan mit, es habe mit dem Bau eines Grenzzauns begonnen. Mit ihm solle das Einsickern islamistischer Extremisten verhindert und Anschlägen vorgebeugt werden. Jeden Tag überqueren allerdings Tausende Anwohner die Grenze, die rund 2400 Kilometer sogenannte Durand-Linie,  in beide Richtungen. Hinzu kommt, dass Afghanistan diese Grenzziehung aus britischer Kolonialzeit nicht als offizielle Grenze anerkennt.

Die geplante Grenzbefestigung bezieht sich zwar nur auf offizielle Übergänge und auf bestimmte, von den pakistanischen Militärs als besonders relevant definierte Abschnitte. Dennoch wird alltägliche Grenzverkehr, der den Alltag der Paschtunen mit ihren weitverzweigten Stammes- und Familienverbindungen an der Grenze prägt, durch diese Maßnahme und durch die politischen Spannungen zwischen beiden Staaten zunehmend erschwert. Ein solcher Zaun würde seine Wirkung im übrigen verfehlen, wie Wahid Muzdah, politischer Beobachter in Kabul und Ex-Talibanmitglied gegenüber der DW sagt: "Es gibt über 20 inoffizielle Grenzübergänge zwischen beiden Ländern, die von den Militanten benutzt werden."

Auftrieb für Extremisten befürchtet

"Wenn die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen beiden Ländern wie in den vergangenen Monaten geschehen weiter zunehmen, wird das den Extremisten auf beiden Seiten der Grenze Auftrieb geben", sagt der pakistanische Journalist Shahid Shamim. Um aus der Sackgasse zu kommen, müssten beide Länder den Dialog suchen und gemeinsam für die Sicherheit der Grenzbevölkerung sorgen.

 

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